Waldshut-Tiengen „Es tut gut, lustig zu sein“
Rita Maximilian (links) macht gern Fasnacht – warum erzählt sie unserer Mitarbeiterin Ursula Freudig. Bild: Privat
Frau Maximilian, morgen Abend wird wieder jede Menge los sein?
Ja, da bin ich sicher. Gleich beim ersten Lied Enrico Meonis werden die Frauen in Scharen auf die Tanzfläche stürmen und sich „umänand schüttle“. Zwischendurch gibt es wie gewohnt Vorträge und Tanzeinlagen. Die hohe Geistlichkeit fungiert wieder als Barkeeper, ich glaube, unsere beiden Pfarrer sind im Grund ganz froh, dass sie was zu tun haben und die Damenwelt verwöhnen dürfen.
Wie fing die Erfolgsgeschichte der Frauenfasnacht an?
Vor rund 25 Jahren hat die Fasnacht der katholischen Frauengemeinschaft noch am Nachmittag im Pfarrsaal stattgefunden. Viele Kinder und auch viele Leute aus dem Altenheim waren da. Wir führten damals schon Sketche auf, getanzt wurde aber kaum. Dann hat Dela Funk, die bis vor vier Jahren die Frauenfasnacht organisiert hat, gesagt, dass wir Frauen einen eigenen Abend wollen und das hat sich dann zu einem richtigen Renner entwickelt. Die Karten im Vorverkauf beim Schreibwarengeschäft Fritz sind auch heute noch schnell weg. Ich freue mich immer besonders, wenn auch Ältere kommen, auch wenn man nicht tanzt, ist es unterhaltsam. Die gute Stimmung steckt an.
Sie sind es gewohnt, auf der Bühne zu stehen?
Eigentlich schon. Ich bin schon als Kind auf der Bühne gestanden und habe Gedichte aufgesagt wie „Grüß Gott mitnand“, zum Beispiel wenn Besucher da waren, wie damals Brandt oder Kissinger oder beim Schwyzertag. Unter dem damaligen Bürgermeister Franz Schmidt habe ich das viele Jahre gemacht, heute ist das nicht mehr üblich.
Ist es schwer, sich immer wieder Neues einfallen zu lassen?
Es gibt schon genügend Möglichkeiten, sich Anregungen zu holen, aber wie man es letztendlich rüber bringt, hängt von einem selber ab. Trotzdem kann es jedem passieren, dass die Leute mal nicht lachen. Ich finde es schon großartig, wenn überhaupt Leute was auf der Bühne machen und sehe in jedem Vortrag das Positive.
Sind Sie familiär vorbelastet?
Meine Mutter hat auch schon Fasnacht gemacht, zum Beispiel beim Frauenrecht am Aschermittwoch. Sie hat damals gesungen wie etwa das Lied vom Hemd oder das Männerlied. Wahrscheinlich haben mein Bruder, der Hubert Baumgartner und ich, das Fasnacht machen ein bisschen von ihr geerbt.
Können Sie spontan einen Satz aus dem Männerlied aufsagen?
Die Männer, sieh dich vor, sind ganz ein übles Chor, aber am Schluss des Liedes hat man sie dann doch wieder gern.
Apropos Männer, machen Ihre drei Männer auch Fasnacht?
Meine Söhne machen schon Fasnacht und mein Mann geht halt mit, zum Beispiel zum Düengemer Obed, aber er bräuchte es im Prinzip nicht. In meinem Bekanntenkreis kenne ich niemanden, der an Fasnacht nicht irgendwo hingeht.
Was ist für Sie das Schöne an der Fasnacht?
Mir tut es einfach gut, lustig zu sein und zu lachen. Für mich sind fröhlich sein und herzhaft lachen können ein Stück Glückseligkeit. Lachen ist für mich eines der wichtigsten Dinge überhaupt.
Können Sie verstehen, wenn jemand mit Fasnacht nichts am Hut hat?
Ja schon, auch ich brauche nicht unbedingt die Fasnacht, um fröhlich zu sein. Ich gehe das ganze Jahr über weg. Aber die, die nie von Herzen fröhlich sein können, sind für mich arme Menschen, denen was fehlt. Es gibt in keinem Leben nur eitel Sonnenschein und ich denke, wer ab und zu lustig sein kann, kommt mit dem Leben besser zu Recht und tut sich selber was Gutes. Fasnacht machen ist für mich ein kostenloser Vitaminstoß.
