Todtmoos "Abbuchungen, bis das Geld für die Miete nicht mehr reicht"
13.08.2010
Mehrere Staatsanwaltschaften ermitteln insbesondere gegen Callcenter wegen Gewinnspielbetrugs. Was steckt dahinter?
Hinter dem Begriff Gewinnspielbetrug steckt das systematische Abräumen von Konten. Unter dem Vorwand, sie hätten sich für einen Dienst angemeldet, der sie in Gewinnspiele einträgt, werden Verbraucher angerufen. Um diesen Dienst zu kündigen oder beizubehalten, bedürfe es der Kontonummer, die am Telefon „verglichen“ wird. Was folgt, sind Abbuchungen von Beträgen zwischen 29 und 89 Euro monatlich, teilweise auch mehr. Eine Eintragung in Gewinnspiele erfolgt in der Regel nicht.
Gibt es Schätzungen über den finanziellen Schaden?
Nach Informationen ehemaliger Mitarbeiter eines solchen Callcenters wird dort ein Wochenumsatz von 45 000 Euro gemacht, also 180 000 im Monat. Aktuell habe ich Informationen über ein Callcenter auf Mallorca, wo Kunden in Österreich angerufen werden. Ähnliche Masche mit geschätztem Monatsumsatz von ebenfalls knapp 200 000 Euro. Angeblich arbeitet dieses Callcenter bereits fünf Jahre so.
Es wird vermutet, dass die Betrüger Daten untereinander austauschen. Ist das koordiniert?
Fakt scheint zu sein, dass Kontodaten wirklich ausgetauscht werden oder bereits vorhanden sind. Einige Callcenter nutzen auch Kundendaten ehemaliger Spieler der SKL oder NKL, wogegen die Klassenlotterien seit Jahren versuchen vorzugehen. Auch ist davon auszugehen, dass hinter vielen Firmennamen die gleichen Drahtzieher und Nutznießer sitzen. Ein Mann berichtete mir etwa von seiner Mutter, deren Konto von 34 verschiedenen Firmen mit Beträgen zwischen 60 und 100 Euro belastet wurde und das jeden Monat und oft mehrfach. Am Ende wunderte sie sich, dass der Dauerauftrag für die Miete nicht mehr eingelöst werden konnte.
Wie kann man sich schützen?
In erster Linie durch gesunden Menschenverstand. Kontodaten, Geburtsdatum und ähnliche private Dinge Fremden nicht am Telefon mitteilen! Bei Anrufen, die einem unseriös vorkommen, einfach auflegen. Und das Konto im Auge behalten, da viele Callcenter bereits über Daten verfügen und auf gut Glück abbuchen. Ich sehe aber auch die Banken in der Pflicht. Es ist in Deutschland nicht möglich, seiner Bank mitzuteilen, welche Unternehmen nicht abbuchen dürfen. Das heißt, die Banken vertrauen bis zu einer gewissen Summe darauf, dass eine Einzugsermächtigung vorliegt. Es wird immer auf die sechswöchige Einspruchsfrist verwiesen. Hier müssen dringend Änderungen geschehen.
Fragen: Markus Vonberg
