Im Herrischrieder Ortsteil Niedergebisbach entsteht zurzeit eine in Süddeutschland einzigartige Intensivstation, die auf die Bedürfnisse der 24 Stunden-Intensiv-Pflege von Wachkoma- und Beatmungspatienten abgestimmt ist.
Herrischried – Die Seniorenresidenz Alpenblick investiert 3,4 Millionen Euro in den Umbau des ehemaligen Gästehauses. Bis Oktober soll eine Einrichtung entstehen, die 46 Patienten Platz bietet. Zielgruppe sind Wachkoma- und Beatmungspatienten. Gestern wurde offiziell der erste Spatenstich getan.
Abgeschoben ins ungeeignete Altenheim mit überforderten Pflegekräfte und ohne optimale Möglichkeiten der Versorgung – Familien von Wachkoma- und Beatmungspatienten haben es schwer, einen geeigneten Platz für die Betreuung ihrer Angehörigen zu finden. Bernd und Regine Hiller wollen diesen Zustand ändern. Das Ehepaar übernahm 2003 die Seniorenresidenz und kaufte das Anwesen vor wenigen Monaten. Das Altenheim im Stammhaus mit seinen 35 Betten läuft gut, jetzt investieren die Hillers 3,4 Millionen Euro in den Umbau des im Moment noch leer stehenden Gästehauses. Es soll eine Station für Wachkoma- und Beatmungspatienten entstehen. Schon lange trug der examinierte Narkose- und Intensivpfleger Hiller diesen Wunsch mit sich: „Es war ein langer und steiniger Weg. Als wir vor 20 Jahren nach Laufenburg kamen, hätten wir nie gedacht, dass wir heute hier stehen. Wir haben lange nach der Finanzierung für das Vorhaben gesucht.“ Mit Peter Dürr fanden die Hillers einen kompetenten Berater, sein Einsatz und die Erstellung einer ausgefeilten Unternehmenskonzeption hätten sich gelohnt.
Mit Dürrs Hilfe gelang es, die Auflagen der Banken zu erfüllen und somit die nötigen 3,4 Millionen Euro zu bekommen. Der Innenausbau im ehemaligen Gästehaus läuft auf Hochtouren, erklärt Bauingenieur Wolfgang Kohlbrenner den Gästen zum Spatenstich. So wurde das Haus fast vollständig entkernt, jetzt entstehen nicht nur behindertengerechte Nasszellen, auch die Heizung und die Elektrik werden auf den neuesten Stand gebracht. Jedes Bett verfügt künftig über einen eigenen Anschluss für Druckluft und Sauerstoff.
Die Zeit drängt, in nur acht bis zehn Wochen sollen die ersten Patienten im neuen Haus einziehen können, sagt Regine Hiller, dies sei auch aus erwähnten finanziellen Gründen nötig. Mit Edwin Nawratil kam vor einem Monat der neue Pflegedienstleiter nach Herrischried. Nawratil sieht sich als Netzwerkmanager und Bindeglied zwischen Patienten und Angehörigen, denn in dem neuen Heim werden nicht nur die Menschen selbst betreut, das Haus soll auch Anlaufstelle für die Angehörigen sein.
Dieses freute besonders Heinrich Schäfer vom Bundesvorstand des Vereins Schädel-Hirnpatienten in Not. Jährlich, so Schäfer, kommen in Deutschland etwa 10 000 neue Patienten mit diesem Krankheitsbild hinzu.
Jetzt sucht das Betreiberehepaar Hiller dringend zusätzliche Leute im Pflege- und Hauswirtschaftsbereich. Einige Stellen sind noch offen, insgesamt entstehen in der Seniorenresidenz Alpenblick vierzig neue Arbeitsplätze.
Bürgermeister Christof Berger begrüßte den Ausbau in der Seniorenresidenz ausdrücklich, „In den vergangenen fünf Jahren, in denen ich hier Bürgermeister bin, sind diese sichtbaren Investitionen in unserer Gemeinde ausgeblieben. Es freut mich besonders, dass Unternehmer sich nicht nur ansiedeln, sondern auch noch neue 40 Arbeitsplätze in den Hotzenwald bringen. Damit liegen Sie an der Spitze der Arbeitgeber.“