Die Neuorganisation der Notarztversorgung im Landkreis und speziell in Todtmoos beschäftigte am Dienstagabend den Gemeinderat. Beschlossen wurde das Verfassen eines Briefes an den zuständigen Bereichsausschuss, in dem der Gemeinderat seinen Standpunkt zu dem Thema deutlich machen möchte. Einbezogen werden sollen auch die beiden ortsansässigen Ärzte Georg Boedeker und Gunter Bechstein, denen bislang die Notfallversorgung in Todtmoos oblag.
Dass die seit 1. Juli geltende Neuordnung für die Gemeinde Todtmoos mit ihrer Randlage alles andere als befriedigend ist, wurde in der Sitzung deutlich zum Ausdruck gebracht. Boedeker erläuterte dem Gremium die Umstände, die zur Aufhebung des Vertrages mit dem Bereichsausschuss und den Todtmooser Notärzten geführt hätten. Diese wären nach Aussage des ebenfalls anwesenden Arztes Bechstein bereit, die Notfallversorgung wie bisher fortzuführen, auch ohne die geforderte Anpassung des Gehaltes. Ein diesbezüglich aktuell geführtes Gespräch mit dem Ausschuss-Vorsitzenden Peter Hofmeister habe jedoch zu keinem Ergebnis geführt, sagte Bechstein.
„Seit 1. Juli herrscht in Todtmoos Notstand in Sachen ärztlicher Versorgung“, so die Einschätzung des Mediziners.
Boedeker berichtete in dem Zusammenhang von einem kürzlich gefahrenen Notfalleinsatz im Todtmooser Zentrum, zu dem der nun zuständige Notarzt aus St. Blasien gerufen wurde. Trotz gut befahrbarer Straßen habe er festgestellt, dass die gesetzlich geforderte Hilfsfrist von maximal 15 Minuten nicht eingehalten werden konnte. In den abgelegenen südlichen Ortsteilen sei die Lage noch prekärer, so der Todtmooser Arzt. „Die Todtmooser Notärzte haben die Hilfsfristen bislang immer eingehalten“, sagte Bechstein und erläuterte damit den Unterschied zur neuen Regelung.
Auch seitens der Gemeinderäte wurde Unmut und Verständnislosigkeit zu dem neuen Verfahren geäußert. „Es ist bedauerlich, dass ein gut funktionierendes System für Todtmoos zerschlagen wird“, befand CDU-Rätin Cornelia Dornauer. Auch Bernd Struck von den Freien Wählern äußerte seinen Unmut zur neuen Regelung. Bürgermeister Herbert Kiefer stellte klar, dass die Gemeinde wenig Einfluss auf diese Entscheidungen habe. Er persönlich habe jedoch auch Zweifel an der künftigen Einhaltung der Hilfsfristen.
Kiefer forderte, ebenso wie die beiden ortsansässigen Ärzte, dass die seit 1. Juli von außerhalb gefahrenen Notfalleinsätze in Todtmoos hinsichtlich der Einhaltung der Hilfsfristen überprüfbar sein müssten. Die beiden Todtmooser Ärzte bezweifelten diese Transparenz, denn es gebe keinen Rechtsanspruch auf Einsichtnahme der Daten.
Bechstein appellierte abschließend an die Einwohnerschaft. Diese dürfe und solle sich hier wehren. In Sachen Notarztversorgung in Todtmoos ist nach heutigem Stand wohl noch lange nicht das letzte Wort gesprochen.
