Zu vier Jahren und drei Monaten Haft ist der frühere Todtmooser Hotelier Markus W. vom Landgericht Bielefeld verurteilt worden. Das Gericht sah es als erwiesen an, dass W. gemeinsam mit zwei Komplizen bandenmäßigen Gewinnspielbetrug begangen hat. Von Konten Tausender Geschädigter aus dem ganzen Bundesgebiet wurde im Zeitraum November 2008 bis 2010 Geld abgebucht. Das Trio erbeutete auf diese Weise rund 19 Millionen Euro.
Am nunmehr 75. Verhandlungstag legten alle drei Angeklagten umfassende Geständnisse ab, wie Gerichtssprecher Guiskard Eisenberg erklärte: „Ohne diese Geständnisse wäre die Verhandlung wohl noch auf unbestimmte Zeit weiter gegangen.“ Denn die Angeklagten hatten in dem seit gut einem Jahr laufenden Verfahren bislang beharrlich geschwiegen, obwohl das Gericht mehrfach auf die strafmildernde Wirkung eines Geständnisses hingewiesen hatte, so Eisenberg. Zwei weitere Verhandlungstage seien bereits fix terminiert gewesen. Zahlreiche weitere hätten sich nach Einschätzung des Pressesprechers wohl noch angeschlossen. Aufgrund der neuen Entwicklung war es der Strafkammer aber möglich, zügig das Urteil zu sprechen.
Trotz der nun verhängten Haftstrafe von vier Jahren und drei Monaten wurde Markus W. noch am Tag der Urteilsverkündung auf freien Fuß gesetzt. Grund dafür, so Gerichtssprecher Eisenberg, sei die Tatsache, dass der ehemalige Hotelier bereits 26 Monate in Untersuchungshaft verbracht hatte. „Nach Verbüßen der halben Haftstrafe können Verurteilte entlassen werden.“ Da wiederum die Untersuchungshaft an das Strafmaß angerechnet werde, folgte nun schon kurz nach dem Urteil die Haftentlassung. Rechtskräftig wird das Urteil allerdings erst Mitte kommender Woche, so Eisenberg. So lange haben Verteidigung und Staatsanwaltschaft Gelegenheit, in Revision zu gehen. Guiskard Eisenberg dazu: „Wir hegen eine gewisse Hoffnung, dass das Urteil von beiden Seiten akzeptiert wird.“ Zumindest sei die Entscheidung von beiden Parteien ohne Unmut hingenommen worden.
Dem Schuldspruch war ein regelrechter Mammutprozess vorausgegangen. Mehr als ein Jahr lang hatte das Landgericht ein bis zwei Mal in der Betrugssache gegen Markus W. und die beiden Mitangeklagten Daniela und Thorsten S. verhandelt, sagt Gerichtssprecher Eisenberg. Insgesamt 4500 Seiten Aktenmaterial hatten die Ermittler gesammelt. Den Großteil des auf fünf Aktenordner verteilten Schriftsatzes bildeten Kopien der mehr als 300 000 Lastschriften, mit denen das geständige Trio zwischen Mitte 2009 und Anfang 2010 bundesweit 18,8 Millionen Euro von rund 130 000 Konten abzweigte. 40 Prozent dieser Summe wurde von Kontoinhabern zwar zurückgebucht, doch weit über zehn Millionen Euro blieben in den Maschen der mutmaßlichen Betrüger hängen. Um an die Bankdaten zu gelangen, wurden die Opfer telefonisch mit einem angeblichen Gewinnspiel geködert, wie die Angeklagten einräumten. Die Anrufe tätigten Mitarbeiter von Callcentern, die die Bande in Bielefeld und Paderborn betrieben hat.
