Schwörstadt Seit 50 Jahren Warten auf die A 98: Schwörstadt reißt der Geduldsfaden

Täglich rollen 20.000 Fahrzeuge durch Schwörstadt. Die Anwohner leiden unter Lärm und Feinstaub. Was Betroffene und Politiker dazu sagen und wie es weitergeht, lesen Sie hier.

Mehrmals muss Armin Schuster neu ansetzen, bis die Umstehenden seine Worte verstehen. Gerade donnert wieder ein tonnenschwerer Laster an der rund 30-köpfigen Gruppe vorbei, die sich in der Schwanenkurve an der B 34 zum Ortstermin eingefunden hat.

Man versteht vor Lärm kaum sein eigenes Wort, geschweige denn das des CDU-Bundestagsabgeordneten, der mit dem Verkehrsexperten Steffen Bilger am Montagnachmittag nach Schwörstadt gekommen ist, um sich die Forderungen der Anwohner anzuhören und über die hoffentlich baldige Offenlage des Autobahnabschnitts A 98.5 zu informieren. "Ich bin überzeugt, dass das Regierungspräsidium bald eine Entscheidung trifft", macht Schuster den Schwörstädtern Mut.

<strong>Nadelöhr:</strong> Lastwagen begegnen sich täglich in der Schwanenkurve in Schwörstadt.
Nadelöhr: Lastwagen begegnen sich täglich in der Schwanenkurve in Schwörstadt. | Bild: Juliane Schlichter
  1. Wie stark ist Schwörstadt vom Verkehr belastet? Die Gemeinde ist zwar klein, aber lang. Sie erstreckt sich wegen des Ossenbergs im Norden und des Rheins im Süden auf etwa 3,5 Kilometern in West-Ost-Richtung. Die B 34 – Hauptverkehrsader am Hochrhein – kann aufgrund der nah stehenden Häuser nicht ausgebaut werden. Eine Ortsumfahrung könnte nur über dieselbe Trasse geführt werden wie die geplante Autobahn. Rund 20.000 Fahrzeuge rollen täglich durch Schwörstadt, darunter etwa 3400 Lastwagen. "Der Geduldsfaden reißt uns langsam. 50 Jahre Warten sind genug", sagt Bürgermeisterin Christine Trautwein-Domschat an die Politiker gewandt. So lange sei nämlich bereits eine Autobahn bei Schwörstadt geplant.
    <b>Kämpfernaturen: </b>Auch bei strömendem Regen setzen sich die Mitglieder der BI für die Autobahn ein.
    Kämpfernaturen: Auch bei strömendem Regen setzen sich die Mitglieder der BI für die Autobahn ein. | Bild: Juliane Schlichter
  2. Was sagen die Anwohner? "Es fühlt sich an wie ein Erdbeben, wenn ein Lastwagen vorbeifährt", klagt eine Frau den Bundestagsabgeordneten Schuster und Bilger ihr Leid. Doch nicht nur Lärm und Erschütterungen plagen die Betroffenen: "Auch der Feinstaub", sagt Brigitte Eckert. Sie wohnt direkt an der Schwanenkurve. "Ich wische Ihnen gerne mal meinen Staub vom Fenster, damit Sie sehen, wie schmutzig es ist", schlägt sie Schuster vor und fügt energisch hinzu: "Umweltschutz ist schön und gut, aber es muss auch um Menschenschutz gehen." Immer wieder kommt es zu kritischen Situationen, wenn sich zwei Sattelschlepper oder Lastwagen in der Schwanenkurve begegnen und die Fahrbahn zu eng für beide Fahrzeuge ist. "Der Bürgersteig ist für die Mutti mit Kinderwagen da und nicht für die Lkw", sagt Klaus Renkawitz, Sprecher der Bürgerinitiative BI A 98 – Bürger in Not.
    <b>Pragmatiker: </b>Bundestagsabgeordneter Armin Schuster (vorn) sieht nur die Bergtrasse als schnelle Lösung.
    Pragmatiker: Bundestagsabgeordneter Armin Schuster (vorn) sieht nur die Bergtrasse als schnelle Lösung. | Bild: Juliane Schlichter
  3. Wie beurteilt Armin Schuster die Situation? "Ich weiß es geht Ihnen zu langsam, aber aus meiner Sicht war in der A 98 noch nie so viel Geschwindigkeit drin wie jetzt", sagt der Lörracher Bundestagsabgeordnete an die Schwörstädter gewandt. Steffen Bilger, Mitglied der Arbeitsgruppe Verkehr in der CDU/CSU-Bundestagsfraktion, habe ihn gefragt, warum es denn so langsam vorwärtsgehe mit der A 98. An den Finanzen liege es nämlich nicht. "Wir haben Geld für den Straßenbau", so Bilger. Vielmehr, sagt Schuster, liege die Verzögerung "auch an uns – an der Region."
    <strong>Hilferufe:</strong> Mit Transparenten und Plakaten verleihen die Anwohner ihrem Anliegen Nachdruck.
    Hilferufe: Mit Transparenten und Plakaten verleihen die Anwohner ihrem Anliegen Nachdruck. | Bild: Juliane Schlichter
  4. Wieso ist sich die Region nicht einig über den Weiterbau der A 98? Weil verschiedene Gemeinden unterschiedliche Trassen favorisieren. Armin Schuster erinnert dran, dass der Autobahnabschnitt A 98.5 vor fünf Jahren kurz vor der Offenlage gestanden habe, als im Landkreis Waldshut die Idee der Konsenstrasse aufgekommen sei. "Wir haben mit dem Landkreis Waldshut vier Jahre Geduld gehabt, aber in diesen vier Jahren gab es überhaupt keinen Fortschritt", macht der Abgeordnete seinem Ärger Luft und redet Klartext: "Ich bin für die Bergtrasse. Punkt. Das geht schneller", ist er überzeugt. "Die Konsenstrasse hat uns Zeit gekostet. Aber so nah am Ziel wie jetzt waren wir noch nie." Schuster schätzt, dass das Regierungspräsidium bald Nägel mit Köpfen macht und der Abschnitt A 98.5 spätestens Ende 2017 oder Anfang 2018 in die Offenlage kommt.
    <strong>Einigkeit:</strong> Armin Schuster, Steffen Bilger, Christine Trautwein-Domschat, Werner Asal, Klaus Renkawitz und Ulrich Hoehler (von links) sind für einen raschen Weiterbau der A 98.
    Einigkeit: Armin Schuster, Steffen Bilger, Christine Trautwein-Domschat, Werner Asal, Klaus Renkawitz und Ulrich Hoehler (von links) sind für einen raschen Weiterbau der A 98. | Bild: Juliane Schlichter
  5. Was könnte noch dazwischen kommen? Voraussetzung dafür, dass es mit dem Planfeststellungsverfahren vorwärtsgehe, sei laut Schuster aber, dass alle Beteiligten an einem Strang ziehen. Er hofft, dass der Gemeinderat Rheinfelden, der in der kommenden Woche über die Ausgleichsmaßnahmen auf dem Dinkelberg diskutiert, "eine Verhandlungslösung fährt". "Sonst kommen wir nicht weiter", appelliert Schuster. Auch Steffen Bilger stellt klar: "Für den Bund ist wichtig, dass Einigkeit vor Ort herrscht." Sonst wird am Hochrhein nicht gebaut und das Geld fließt in Straßenbauprojekte in anderen Regionen, wo die Beteiligten einer Meinung sind.
    <strong>Museumsstück:</strong> Wilfried Böhringer (Mitte) zeigt Steffen Bilger (links) und Ulrich Hoehler eine Broschüre, die bereits im Jahr 1981 für die Hochrhein-Dinkelberg-Autobahn warb.
    Museumsstück: Wilfried Böhringer (Mitte) zeigt Steffen Bilger (links) und Ulrich Hoehler eine Broschüre, die bereits im Jahr 1981 für die Hochrhein-Dinkelberg-Autobahn warb. | Bild: Juliane Schlichter
  6. Was sagt die Bürgerinitiative? "Wir drängen, dass der Termin eingehalten wird", sagt Klaus Renkawitz im Namen seiner Mitstreiter und bezieht sich auf die Fertigstellung des Abschnitts 98.5. "2019 muss er weitergebaut werden und nahtlos in den Abschnitt 98.6 übergehen", so der BI-Sprecher, denn: "Für uns wäre es das Schlimmste, wenn der Abschnitt 5 auf der grünen Wiese endet." Auch Bürgermeisterin Trautwein-Domschat betont: "Wenn die Autobahn dort endet, wo sie jetzt enden soll, ist sie nicht verkehrswirksam", weil die Blechlawine weiterhin durch Schwörstadt rollt. Der Abschnitt müsse deshalb unbedingt bis Wehr gebaut werden, damit er an die B 34 angebunden wird.
    <b>Gefahr: </b>Für Fußgänger ist es hier fast unmöglich, über die Straße zu kommen.
    Gefahr: Für Fußgänger ist es hier fast unmöglich, über die Straße zu kommen. | Bild: Juliane Schlichter
  7. Wie kann Schwörstadt kurzfristig entlastet werden? Selbst wenn die Autobahn bestenfalls so schnell wie erhofft weitergebaut wird, braucht Schwörstadt kurzfristig Entlastung, findet Trautwein-Domschat. Diese könnte durch zwei zusätzliche Ampelanlagen am westlichen Ortseingang bei der Gemeinschaftsunterkunft für Flüchtlinge sowie in der Schwanenkurve sein. Ziel sei, so die Bürgermeisterin, dass Fußgänger die B 34 ohne Gefahr überqueren können.

Fünf Minuten an der Schwanenkurve im Zeitraffer

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