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Schwörstadt Dossenbach feiert seine Revolution

Rund 500 Gäste waren am Sonntag bei bei Gedenkveranstaltung zum 200. Geburtstag der 1848er-Revolutionäre Emma und Georg Herwegh.

Wenn Emma und Georg Herwegh in ihrer Freischar solch motivierte und fähige Mannen gehabt hätten wie jene, die am Sonntag das Revolutionsjubiläum „Endstation Dossenbach“ zum 200. Geburtstag der Herweghs als Mischung aus Historienspiel und Volksfest organisierten, wäre es mit dem verlorenen Gefecht am 27. April 1848 im Ort vielleicht etwas anders ausgegangen.

Wer weiß? Gewiss ist jedenfalls, dass die Veranstaltung auf dem Festplatz Dossenbach ein voller Erfolg war. Die Heckergruppe aus Singen mit ihren Sensen, die Klettgauer Kanoniere mit dem Donnerhall, die Heckersänger aus Schopfheim mit den blauen Revoluzzerhemden und einige Freischärler aus Grenzach-Wyhlen hatten sich angekündigt und nahmen bereits um 9 Uhr das „Freischärler-Z’morge“ mit Schlachtplatte und Ziger-Käse zu sich – mit ihnen konnten die Veranstalter schonmal rechnen. Wie viele Besucher aber tatsächlich zum Festprogramm und dem anschließenden Hock kommen würden, hatten sie nur schätzen können.

Die Schätzung von 500 Besuchern ging aber genauso gut auf wie alles andere, was sich das Team um Altortsvorsteher Kurt Vollmer und Historiker Heinz Siebold vorgenommen hatte. Das „unglaubliche historische Interview“ mit den beiden 200-jährigen Jubilaren, Emma und Georg Herwegh (Monika Haller und Klaus Streicher), kam beim Publikum ebenso gut an wie die Auftritte des Gesangvereins Dossenbach unter der Leitung von Jürgen Nass und den Heckersängern Jeannot Weißenbergers. „Durch Europa der Freiheit eine Gasse bahnen“ sei das Motto des Dichters und seiner politisch sehr aktiven Frau gewesen.

Übrigens war der Dichter im Vormärz der 1840er zwar ein Superstar der politischen Poesie, wie sich beim Interview mit den beiden Herweghs herausstellte, kam aber zur tatsächlichen Revolution wie die Jungfrau zum Kinde, als ihn die emigrierten und ausgewiesenen deutschen Demokraten in Paris aufgrund seiner Gedichte zum Anführer ihrer „Deutschen Demokratischen Legion“ machten, die nach vielen Umwegen letztlich in Dossenbach landete. Immerhin: „Georg Herwegh wollte nicht anführen; aber er weigerte sich nicht, als er gerufen wurde.

Sichtliche Freude hatten an der Veranstaltung auch Schwörstadts Bürgermeisterin Christine Trautwein-Domschat, die sich wünschte, der „unbändige Drang nach Freiheit und Demokratie“ möge sich auch in unserer Zeit täglich in die Tat umsetzen lassen, sowie Rea Köppel vom Dichter- und Stadtmuseum Liestal, wo beide Herweghs begraben liegen.

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