Ein Ärzteteam aus Schopfheim arbeitet jährlich bis zu drei Wochen ehrenamtlich in Kamerun. Dort wollen die Mediziner den Menschen helfen, die es am nötigsten haben. Darunter ist auch die 30-jährige Caecilia, die von der Gesellschaft geächtet wurde, weil ihr Gesicht völlig enstellt war.
Acha Tugi liegt auf etwa 1800 Metern über dem Meer im Nordwesten des afrikanischen Landes Kamerun. Die von Christen, Muslimen und den ursprünglichen Bewohnern, den Ngororo, bevölkerte Landschaft wird auch die „Schweiz“ von Kamerun genannt. Dort lebt Caecilia, die heute 30 Jahre alt ist. Bis vor eineinhalb Jahren hatte sie eine große Bürde zu tragen: Ihre Lippen und ihr Mund waren völlig deformiert. Mit ihrem entstellten Gesicht wurde sie von den anderen Mitgliedern der Gesellschaft geächtet, sie war auf sich allein gestellt.
Ein Leben verändert sich
Und plötzlich veränderte sich Caecilias Leben von einem Tag auf den anderen. Die Sektion Schopfheim von Interplast Germany kam mit medizinischen Instrumenten und Medikamenten im Gepäck und rekonstruierte Caecilias Gesicht. Sie ist eine von 76 Patienten, die vom Schopfheimer Team im vergangenen Jahr behandelt und operiert wurden. Andreas Rudolph aus Rickenbach-Egg ist seit einem Jahr leitender Arzt der Abteilung für Plastische und ästhetische Chirurgie sowie Handchirurgie im Krankenhaus Schopfheim und Nachfolger von Günter Zabel. Er opfert alljährlich zusammen mit seinem Team zwei bis drei Wochen Urlaub, um den Ärmsten der Armen ehrenamtlich medizinische Hilfe zukommen zu lassen. „Es gibt gute Chirurgen und Allgemeinärzte vor Ort“, erzählt der 42-jährige Spezialist für Plastische Chirurgie, „aber keine Fachärzte, wenn es um Verbrennungen, wuchernde Tumore oder Fehlbildungen geht.“
Ein langer Weg
Bevor sich die Schopfheimer Ärzte, Anästhesisten und Krankenschwestern aber an den OP-Tisch begeben können, ist es ein langer Weg. Bürokratische Hürden bei der Einreise, zähe Verhandlungen mit dem Partner vor Ort, der Presbytarian Church of Cameroun (PCC), oder für Mitteleuropäer unbekannte Krankheitserreger sind nur der Anfang. Kamerun hat mit über 50 Prozent HIV-infizierter Menschen eine sehr hohe Aids-Quote. „Das bedeutet natürlich auch für uns Interplast-Mitarbeiter ein entsprechend hohes Risiko“, sagt Andreas Rudolph, „dazu kommt, dass nicht durchgehend fließend Wasser gewährleistet ist, elektrisches Licht nur stundenweise, produziert von einem Generator, zur Verfügung steht und kein Tag vergeht, ohne dass wir mindestens zehn Stunden am Operieren sind.“
"Menschen setzen Hoffnung in uns"
Dennoch nehmen die Mediziner aus Schopfheim die Strapazen gerne auf sich. „Die Menschen dort setzen ihre ganze Hoffnung in uns“, erzählt Andreas Rudolph bewegt. In sein Gedächtnis haben sich vor allem die völlig emotionslosen Augen verletzter Kinder eingebrannt, die scheinbar die Hoffnung auf eine bessere Zukunft schon verloren haben. „Wir können ihnen durch eine einfache Operation, wie etwa die Korrektur einer Lippenspalte, die soziale Integration wiedergeben“, freut sich der Schopfheimer Arzt. Und auch sein Leben hat sich seit seinen Einsätzen in Kamerun verändert: „Hier bekommen wir vor Augen geführt, wie gut es uns eigentlich geht. Ich habe eine ganz andere Einstellung zum Leben bekommen und bin bescheidener geworden.“
"Caecilia ist ein Musterbeispiel für den Sinn unseres Handelns"
Und wie geht es Caecilia? „Als sie sich im vergangenen Jahr wieder bei uns vorstellte, war sie nicht wiederzuerkennen“, erinnert sich Andreas Rudolph gerne. Hatte er vor Caecilias Operation noch eine verschüchterte junge Frau vor sich, die ihr Gesicht lieber versteckte und den Menschen fast nicht in die Augen schauen konnte, so begegnete ihm nun ein Wirbelwind mit strahlendem Blick und einem herzerfrischenden Lachen im Gesicht. „Caecilia sorgt inzwischen mit einem eigenen Marktstand für ihren Lebensunterhalt“, erzählt Andreas Rudolph weiter, „sie ist ein Musterbeispiel für den Sinn unseres Handelns.“
Interplast Germany
Interplast Germany ist ein gemeinnütziger Verein mit der Aufgabe, in Entwicklungsländern Menschen mit angeborenen Fehlbildungen, Verbrennungs- und Unfallfolgen durch plastisch-chirurgische Eingriffe zu besserer Lebensqualität zu verhelfen. Dabei werden in erster Linie Patienten mit Lippen-Kiefer-Gaumenspalten, schwersten Verbrennungsfolgen, Tumoren der Haut und des Kopfes, Hand- und Fußmissbildungen sowie Defekten durch Kriegsfolgen und Lepraerkrankung behandelt.
Interplast Germany wurde 1979 gegründet und behandelt inzwischen über 5000 Patienten weltweit pro Jahr. Die Mitglieder der Operationsteams rekrutieren sich aus zwölf Sektionen bundesweit. Die Teams der Einsätze be-stehen dabei aus plastischen Chirurgen, Anästhesisten, Op- und Anästhesiepflege und technischen As-sistenten. Die Arbeit erfolgt unentgeltlich während der Urlaubszeit.
Finanzierung
Die Finanzierung der Einsätze basiert ausschließlich auf Spendengeldern. Von der Sektion Schopfheim mit ihrem Leiter Dr. Zabel werden die Einsatzorte in Guatemala und Kamerun betreut. Die Einsätze finden im Frühjahr unter der Leitung von Günter Zabel, dem bisherigen Chefarzt der Plastischen- und Handchirurgie in Schopfheim, in Guatemala statt und im späten Herbst in Kamerun unter der Leitung seines Nachfolgers Andreas Rudolph. Wer helfen möchte, ist herzlich willkommen. Spenden nimmt Interplast Germany Sektion Schopfheim gerne auf ihrem Konto Nr. 3.197.779 bei der Sparkasse Schopfheim (BLZ 683.515.57) entgegen.
Arbeit in Kamerun