Mundartabend im Farrenstall in Eichen/Alemanische Geschichten mit Markus Manfred Jung
Im ehemaligen Farrenstall neben Eichens Rathaus hat der „Bruuchtumsverein Eie“ ein kleines Museum eingerichtet, das vielseitig genutzt wird. Am Samstag lud der Verein zum „z'Licht go“ mit Markus Manfred Jung ein, zu dem der große untere Ausstellungsraum leer geräumt werden musste, damit alle Besucher Platz finden konnten. Der Gymnasiallehrer und Dichter las kurze alemannische Geschichten aus seinem Buch „verruckt kommod“ und Gedichte aus „verfranslet diinii flügel“, während manche Zuhörerin mit Strickzeug, wie früher beim Lichtgang üblich, nebenher arbeitete. Mit „Weisch es no?“ zum Einstieg erinnerte Markus Manfred Jung an all das „unnütze Glumps“, das man nicht wegwerfen möchte, weil daran noch Erinnerungen an Begebenheiten und Menschen haften. Und so sind auch die Gegenstände im Eichener Dorfmuseum voller Erinnerungen und voll von „em Weisch es no“.
Dicht gedrängt saßen die Zuhörer und lauschten heiteren Geschichten, wie die vom Abtritt, dem Plumpsklo hinter dem Haus oder über den Schorsch die Wildsau, bei dem man sich köstlich amüsieren und an die „gueti alti Ziit“ erinnern konnte, als man noch vor dem Haus „uf em Bänkli“ saß, statt vor dem Fernseher. Durchaus ernsthaft und zum Nachdenken anregend, aber trotzdem auf humorvolle Weise präsentiert, passte der alemannische Abend perfekt zum Ambiente des Museums. „Zum z'Licht“ go gab es einen großen Topf voll Gemüsesuppe, von Heidi Tschamber zubereitet.
Vorsitzender Hanspeter Tschamber stellte den Zuhörern die Hauptstützen des Vereins vor. Für die wohlige Ofenwärme hatte Karl-Friedrich Klemm gesorgt, der auch Museumsführungen und Reparaturen macht. Hanni und Christa Klemm kümmerten sich in der Küche um das leibliche Wohl der Gäste an diesem Abend.
Aus Anlass des Wettbewerbs „Unser Dorf hat Zukunft“ bildete sich im Jahr 2000 ein Arbeitskreis. Dabei entstand die Idee, im ehemaligen Farrenstall neben dem Rathaus ein Dorfmuseum einzurichten. Ab 2002 wurden dann schon Gerätschaften gesammelt. Als im Stadtrat schließlich entschieden wurde, das bislang ungenutzte gemeindeeigene Gebäude, entgegen früheren Plänen, doch nicht zu verkaufen, war der Weg für das Dorfmuseum frei. 2005 begann man das Gebäude auszuräumen und zu renovieren.
Im Zuge dieser Arbeiten entschloss man sich 2006 zur Gründung des Bruuchtumsvereins Eie. Mit zahlreichen Helfern, privaten Spendern, Handwerksbetrieben und Unterstützung von Bürgermeister Christof Nitz, der Stadtverwaltung, dem Ortsvorsteher Hans Keller und der Ortschaftsräte wurde der Stall in Eigenleistung erheblich umgebaut und neu verputzt. Die Mauern wurden mittels einer Drainage trocken gelegt, die Elektroinstallation erneuert und Malerarbeiten vom Stallboden bis zum Firstbalken ausgeführt. Auch die gespendeten Gerätschaften mussten geholt und gereinigt werden.
2007 wurde das Dorfmuseum im Rahmen des Jubiläums „1200 Jahre urkundliche Erwähnung Eichens“ eingeweiht. Hier trifft sich nun einmal im Monat der Eichener Stammtisch, für den es im Dorf keine Wirtschaft mehr gibt, es werden Altennachmittage organisiert und Besucher können nach Voranmeldung die zusammengetragenen Schätze aus früheren Zeiten besichtigen. Die Ausstellungsstücke stammen aus dem ganzen Wiesental und zeigen auch die Entwicklung von einfachsten landwirtschaftlichen Geräten bis hin zu komplexen Maschinen, die mehrere Arbeitsschritte ausführen konnten.
Karl-Friedrich Klemm kennt auch so manche Geschichte hinter den Ausstellungsstücken, wie die vom Leichenwagen, der extra für Gersbach auch mit zusätzlichen Kufen ausgestattet war und bei Bedarf durch den Schnee gezogen werden konnte. Das Gefährt wurde zuletzt 1972 benutzt, als Eichen in Schopfheim eingemeindet und das eigenständige Dorf symbolisch zu Grabe getragen wurde. Zum Abschluss des etwa einstündigen kurzweiligen Rundgangs wird der Heuaufzug, dessen Lederriemenantrieb besonders bei Hitze seine Tücken hat, mit viel Getöse in Gang gesetzt.