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Schopfheim Forst macht Denkmal platt

Denkmalgeschützten Weg verunstaltet. Heimatforscher Werner Störk ist sauer

Was weder den Schweden im Dreißigjährigen Krieg, noch später den Franzosen unter Ludwig XIV. gelungen ist, hat jetzt der Forst mit Baumaschinen geschafft, nämlich einen historischen Verteidigungswall bei Raitbach zu bezwingen. Als Teil eines Schanzen-Ensembles ist der als Kulturdenkmal eingestuft aber nun zumindest auf mehreren hundert Metern bei Wegearbeiten platt gemacht worden. Eine Aktion, die Schanzenforscher Werner Störk auf die Barrikade treibt.

Das hat mich tief getroffen: Heimat- und Schanzenforscher Werner Störk macht keinen Hehl daraus, dass ihm die teilweise Zerstörung eines historischen Wallgrabens auf dem Schanzbühl bei Raitbach zu Herzen geht. Auf mehreren hundert Metern hat hier der Forst einen Transport- und Maschinenweg angelegt, also den vorhandenen alten Weg verbreitert und eine Tragschicht aufgebracht dabei allerdings buchstäblich das platt gemacht, was den Graben so speziell machte: der Wall.

Über Jahrhunderte hatte der Wallgraben als Teil eines in dieser Form im Wiesental einmaligen Ensembles aus dem Dreißigjährigen Krieg die Zeit überdauert. Ein Glücksfall für Geschichtsforscher. Ist doch die Verlustliste an Zeugnissen heimischer Schanzen- und damit der bewegten Heimatgeschichte des 16. und 17. Jahrhunderts beträchtlich.

So manche Anlage fiel in der Vergangenheit Baggern zum Opfer in der Regel aus Unwissenheit.

Um weitere versehentliche Zerstörungen zumindest in Zukunft zu verhindern, legte sich daher die für ihre denkmalschützerischen Leistungen mehrfach ausgezeichnete Minifossi AG der Friedrich-Ebert-Schule unter Leitung von Werner Störk ins Zeug. Seitdem ist unter anderem eben dieser Schanzenweg bei Raitbach aufgrund seiner heimatgeschichtlichen und wissenschaftlichen Bedeutung als Kulturdenkmal nach § 2 Denkmalschutzgesetz eingestuft, wie Bertram Jenisch vom Regierungspräsidium Freiburg, Referat Denkmalpflege, auf Nachfrage erklärt.

Insofern gibt er Störk Recht, der von einem einzigartigen Kulturgut spricht. Zwar sei es schwierig bis unmöglich, eine Wertung über die Bedeutung eines Kulturdenkmals vorzunehmen, sagt Jenisch. Jedes Kulturdenkmal sei für sich einzigartig und falls es zerstört wird, unwiederbringlich verloren. Beim Schanzenweg bei Raitbach komme hinzu, dass dieser als Teil einer Sachgesamtheit, des frühneuzeitlichen Schanzensystems am Schwarzwaldrand zu sehen sei. Unterschiedliche Formulierungen wählen die beiden allerdings, wenn es um die Frage geht, wie man die Schäden durch den Wegebau nun einschätzen muss. Störk spricht davon, dass ein Zeugnis menschlicher Geschichte und Entwicklung, an dessen Erhaltung ein öffentliches Interesse besteht, unwiederbringlich vernichtet wurde. Jenisch spricht von Beeinträchtigung eines Kulturdenkmals, bei dem wesentliche Teile des Kulturdenkmals so stark überformt worden sind, dass sie nicht mehr als solche erkennbar sind.

Sind sich die beiden Experten damit also einig, dass hier ein Verlust zu beklagen ist, gehen die Auffassungen in einem anderen Punkt auseinander: Während Jenisch keinen Vorsatz erkennen mag, hat aus Störks Sicht der Forst wider besseren Wissens gehandelt.

Das begründet er damit, dass der zuständige Forstrevierleiter über die Bedeutung der Anlage aus seiner Sicht voll im Bilde gewesen sei, da er ihm selbst nicht nur schriftlich Unterlagen zukommen ließ, sondern dieser auch an Gesprächen, Exkursionen sowie an Vermessungen teilgenommen habe, bei dem es nicht nur um die Schanze, sondern auch um den Wall gegangen sei. Gerade deshalb habe er das Ensemble auch in Sicherheit gewähnt, sagt Störk. Dazu gibt es auch Mails, die aus dem Jahr 2002 datieren also elf Jahre zurückliegen.

Ein sehr, sehr langer Zeitraum, wie Thomas Unke, Leiter des Fachbereichs Forst beim Landratsamt Lörrach, zu bedenken gibt. Außerdem sei es damals um viele Objekte gegangen und so glaube er dem Revierleiter, wenn dieser beteuere, sich zwar an die Schanzen, jedoch nicht an Infos zum Wall erinnern zu können. Außerdem sei der Weg schon früher vom Forst als Transportweg genutzt worden, auch wenn dies viele Jahre her sei und der Weg zwischenzeitlich zuwuchs.

Vor allem aber: Das Kulturdenkmal sei auf keinerlei Unterlagen des Forstes eingezeichnet. Unke bedauert deshalb zwar die Aktion: „Das ist dumm gelaufen und absolut bedauerlich. Von böser Absicht könne aber keine Rede sein. „Hätten wir das gewusst, wäre das nicht passiert. Historisch wertvolle Dinge zerstören das will keiner von uns.“ Unke weist in diesem Zusammenhang darauf hin, dass weil so etwas im Lande leider immer wieder vorkomme gerade die Forstverwaltung schon länger daran interessiert sei, diesbezüglich Unterlagen zu bekommen. Und bald soll es auch endlich soweit sein.

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