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Schopfheim Flotte Fahrt mit Tempo 30

11.02.2012


Freie Bahn – darauf fährt der Autofahrer ab. Das war der Plan hinter der Umgestaltung der Nordumfahrung, dem ersten größeren Baustein des Innenstadt-Verkehrskonzepts.

Und er scheint aufzugehen. Vier Wochen nach Freigabe der „neuen“ Strecke zieht jedenfalls das Ordnungsamt ein erstes positives Zwischenfazit: „Die Umfahrung wird aus unserer Sicht gut angenommen“.

5. Januar, kurz vor 9 Uhr. Selbstversuch mit dem Auto am Tag eins nach der Freigabe der „neuen“ Nordumfahrung. Ab heute soll man freie Bahn haben – damit es sich lohnt, diesen Weg zu nehmen statt durch die Hauptstraße zu fahren, auch wenn man weitgehend nur Tempo 30 fahren darf. „Zügig mit Tempo 30“, so hat es die Stadtverwaltung formuliert. Von der Himmelreichstraße geht's in den Adlerkreisel. Bei der zweiten Abfahrt den Blinker gesetzt und rein in die Au- beziehungsweise Mattenleestraße.

Spannend wird es gleich, wenn die nächste Kurve kommt kurz vor dem Kanal, wo von links die Austraße einmündet. Hier steht in schöner Gewohnheit mindestens ein Fahrzeug halb auf der Straße – und das bei fast null Kurveneinblick. Die tägliche Nervenkitzel-Garantie. Kommt mir da wieder mal einer auf meiner Fahrbahn entgegen – oder hält er vorher? Doch siehe da, heute stellt sich diese Frage nicht. Kein Karosserie-Hindernis weit und breit.

Das gleiche Bild nach dem Übergang in den Wiesenweg in den Tempo-30-Bereich – hier reihten sich bisher entlang der Straße Autos Stoßstange an Stoßstange. Bei Gegenverkehr hieß das: Slalomfahrt von Lücke zu Lücke. Jetzt ist die Fahrbahn beinahe doppelt so breit und bevor noch der Gedanke zu Ende gedacht ist, wo die ganzen Autos abgeblieben sind, ist schon das Ende der Umfahrung erreicht. Das ging ja wirklich mal flott!

Nur eine Momentaufnahme natürlich – die sich seitdem aber mehrfach wiederholt hat. Und die zur Aussage der Stadt passt. Das Ordnungsamt der Stadt jedenfalls zieht vier Wochen nach der Freigabe ein positives Zwischenfazit. „Unser erster Eindruck ist sehr gut. Die Resonanz, die wir bekommen, deutet darauf hin, dass die Umfahrung auf jeden Fall mehr angenommen als abgestoßen wird“, sagt Patrik Bender. Gerade das Ordnungsamt spielt bei der gewollten Umlenkung des Verkehrsstroms weg von der Hauptstraße, rauf auf die Nordumfahrung eine wichtige Rolle. Zwar wurde die Strecke Friedrich-Hecker-Straße, Wiesenweg und Mattenleestraße zum Jahreswechsel neu beschildert, sowie zur Vorfahrtsstraße und Halteverbotzone erklärt. Auch wurde sie stellenweise umgebaut - so wurden etwa Parkplatzmarkierungen entfernt, dafür im Gegenzug aus Sicherheitsgründen zumindest punktuell Verengungen geschaffen, damit Fußgänger die Straße sicher überqueren können, gerade beim Spielplatz. Doch von Anfang an war klar: Das Konzept einer Umfahrung bei weitgehend Tempo 30 klappt nur, wenn die Bahn auch wirklich frei ist – zumindest so lange, bis die nächsten Schritte des Konzepts umgesetzt werden und eine Durchfahrt der Hauptstraße unattraktiver wird. Dazu aber muss kontrolliert werden.

„Die ersten zwei Wochen haben wir Hinweiszettel verteilt und darum gebeten, nicht mehr auf der Straße zu parken, weil sich die Verkehrssituation geändert hat. Danach haben wir Verwarnungen ausgestellt“, berichtet Bender. Genaue Zahlen lägen allerdings noch nicht vor. „Eine Auswertung nach einem so kurzen Zeitraum macht noch keinen Sinn“, so Bender. Aber auch so habe man bei der Stadt das Gefühl, dass das Konzept aufgeht. „Es stehen stehen zwar immer noch vereinzelt Fahrzeuge auf der Straße, gerade in den Abendstunden. Insgesamt aber haben wir die Situation gut im Griff.“ Generell werde es sowieso nie ganz zu verhindern sein, dass ab und zu irgendwo ein Auto stehe.

Nicht von ungefähr seien ja auch schon Forderungen nach Geschwindigkeitskontrollen laut geworden. Zwar ist Bender skeptisch, wenn bereits von einer Raserstrecke gesprochen wird. „Als Laie die Geschwindigkeit richtig einzuschätzen ist unheimlich schwer. Bei einem lauten Auto denkt man automatisch, dass es schneller fahren würde.“ Auch hätten die Barrieren, die geschaffen wurden, „durchaus eine bremsende Wirkung.“ Gleichwohl soll es schon in den nächsten Tagen mit gezielten Tempo-Kontrollen losgehen. „Wir sind noch dabei, neue Messstandorte festzulegen und zu definieren. Auch werden wir künftig öfters die Tafel aufstellen, die Fahrern signalisiert, wie schnell sie sind. Auch diese misst mit und liefert Daten zum Auswerten. Leider war sie defekt, sonst hätten wir sie schon längst aufgestellt.“

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