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Rickenbach „Wie ein Fahrstuhl nach oben“

Luftsportgemeinschaft feiert 60-Jähriges. Erster Flugbetrieb in Hütten startet im Jahr 1952

Warten auf den Start: Segelflieger am Hotzenwaldwettbewerb, der jedes Jahr von der Luftsportgemeinschaft Hotzenwald ausgerichtet wird.
Warten auf den Start: Segelflieger am Hotzenwaldwettbewerb, der jedes Jahr von der Luftsportgemeinschaft Hotzenwald ausgerichtet wird. | Bild: Bild: Schütz

Rickenbach – Die Luftsportgemeinschaft Hotzenwald (LGH) feiert dieses Jahr ihr 60-jähriges Bestehen. An Ostern 1952 nahm sie den Flugbetrieb auf einem Gelände in Hütten bei Rickenbach auf – nicht ohne Widerstand von Einheimischen. Heute wird die LGH wegen ihrer Flugtage und der Jugendarbeit geschätzt.

Die Anfänge der LGH waren jedoch abenteuerlich. Im Herbst 1934 gingen einige Männer um Karl Müller, Ludwig Stetter und Erwin Sahner auf Erkundungsfahrt im Hotzenwald, nachdem sich ihr bisheriges Segelfluggelände bei Gersbach als wenig geeignet erwiesen hatte. Bald hatten sie einen Startplatz in der Nähe von Rüttehof ausfindig gemacht. Der Wirt des Gasthauses stellte einen Anbau seines Anwesens zur Unterstellung des Flugzeuges in Aussicht. Am Sonntag, 10. Februar 1935, blies ein kräftiger Westwind, und durch die dahinjagenden Wolken blitzte die Sonne. Die Segelflieger stellten fest: Das wird unser Tag. Ihr Flugzeug, auf den Namen „Falke“ getauft, wurde zur Hangkante gezogen – bei 30 Zentimeter Schnee ein mühsames Geschäft. Erwin Sahner machte sich bei minus vier Grad Kälte startfertig. Gegen 12.30 Uhr erfolgte der erste Start vom Hotzenwald. „Alles ging glatt“, berichtet Hermann Kramer, „der Falke stieg gleich nach dem Start wie ein Fahrstuhl nach oben und noch ohne eine Kurve zu fliegen, war die Wolkenbasis erreicht.“ Damit war bewiesen: Der Hotzenwald ist ein hervorragender Segelflughang.

Doch dann kam der Zweite Weltkrieg, die Segelfliegerei nahm ein Ende. Erst um 1948/49 gab es wieder kleinere Zusammenkünfte interessierter Segelflieger. Am 22. September 1950 erfolgte die Gründungsversammlung der Luftsportgemeinschaft Hotzenwald (LGH) in Schopfheim mit 250 Interessierten. Aber: Nach wie vor herrschte ein absolutes Flugverbot. „Erst im Mai 1951 wurde das Verbot des Segelflugs durch die Alliierten aufgehoben“, blickt Herwig Herzog, ein Mann der ersten Stunde, zurück. An Ostern 1952 wurde der erste Flugbetrieb auf dem Hotzenwald aufgenommen – allerdings nicht auf eigenem Platz, sondern nur geduldet von den Hüttener Bauern auf ihren Feldern während der Wachstumspause. Die Folge waren zähe Verhandlungen mit den 15 Grundstückseigentümern bis 1955. Erst die Flurbereinigung unter Bürgermeister Fridolin Thoma brachte die Wende. 1964 wurde auf Initiative von Fritz Rueb und Kurt Springer der erste Hotzenwaldwettbewerb durchgeführt – eine Einrichtung, die bis heute die besten Segelflieger aus der Schweiz und Baden-Württemberg zusammenführt.

Flugtage und Flugdrachenwochenenden machten die LGH schließlich auch unter Nicht-Fliegern bekannt. „Wir führen einen rechten Betrieb auf ehrenamtlicher Basis“, berichtet Johann Lauber. Der LGH-Präsident weiß: „Die Begeisterung für den Luftsport war immer vorhanden.“ In den Spitzenzeiten ließen sich bis zu 50 Flugschüler pro Jahr ausbilden. Damit das Segelfliegen auch für Jugendliche erschwinglich bleibt, werden die anfallenden Leistungen wie Fluglehrer, Startleiter oder Windendienst ehrenamtlich erbracht.

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