Rickenbach Werbung für neue Schulart
Sie warben bei der Informationsveranstaltung in Willaringen für die Gemeinschaftsschule, von links: Astrid Gruber, Elisabeth Gerspach, Helmut Rüdlin und Stefan Ruppaner. Bild: Schütz
– Die Gemeinschaftsschule Hotzenwald ist auf dem Weg. Nachdem die Gemeinderäte von Rickenbach und Herrischried dem Projekt grünes Licht gaben (wir berichteten), informierten am Montag Vertreter von Schulen und Schulamt interessierte Eltern in der Gemeindehalle Willaringen.
Dabei machten die Referenten deutlich, dass die Gemeinschaftsschule (GMS) nur mit Unterstützung der Eltern funktionieren kann. „Die Schule für alle braucht auch alle“, erklärte Helmut Rüdlin, Leiter des staatlichen Schulamts Lörrach. Wenn die Eltern überzeugt werden können, könne die GMS ein Erfolg werden, so Rüdlin. Dass es funktionieren kann, wies Stefan Ruppaner, Rektor der Alemannenschule Wutöschingen, nach. Dort betätigen sich Eltern ehrenamtlich als Lernhelfer, sind also in die Bildungsprozesse involviert. Ruppaner ist überzeugt: „Die Gemeinschaftsschule ist eine große Chance.“ Aber: Wutöschingen ist nicht der Hotzenwald. Viele Schüler von Rickenbach und Herrischried besuchen die Schulen im Rheintal. „Das wollen wir ändern“, sagte Helmut Rüdlin. Sein Ziel formulierte er deutlich: „In den ersten Jahren wollen wir 60 Prozent der Kinder hier halten.“ Für ihn stellt die Gemeinschaftsschule „eine zukunftsweisende Lösung“ dar. Sie sei die Schule, in der die Kinder mit den drei Bildungsstandards unterrichtet werden.
Die bisherige Form des Unterrichts gehört dann jedoch der Vergangenheit an. Denn das Merkmal der Gemeinschaftsschule ist das individuelle, selbstverantwortliche Lernen. „Die Schule entwickelt sich zu einer Teamarbeit“, sagte Rüdlin. Die GMS sei in den herkömmlichen Schulräumen nicht möglich. Die jetzigen Schulzimmer werden durch Lernateliers ersetzt, die Lehrer werden zu Lernbegleitern, die sich zwischen den Schülern aufhalten. Es wird mehr Platz für Spiel und Erholung benötigt, „weil die Schüler den ganzen Tag da sind“. Die Konsequenz: Die Gemeinden müssen mehr Geld in die Hand nehmen. Rüdlin weiter: „Zum Nulltarif gibt es die Schule nicht. Aber wir haben Entwicklungszeit.“ Die Sorge einer Besucherin, dass die Lehrer das Konzept nicht mittragen würden, teilte Rüdlin nicht. „Die Lehrer sind keine freien Künstler, sondern Angestellte des Landes. Wir entwickeln hochrangige Fortbildungsprogramme.“
Aus Sicht der Schulen Herrischried und Rickenbach ist die GMS willkommen. „Beide Kollegien haben sich dafür ausgesprochen“, sagte Astrid Gruber (Herrischried), Stellvertreterin von Rektorin Marianne Laule. Elisabeth Gerspach, Rektorin der Rickenbacher Schule, ergänzte: „Es gibt je eine Konzeptgruppe an beiden Schulen.“ Inzwischen arbeiten diese Teams zusammen. Die Entwicklung eines pädagogischen Konzepts, auf dem die GMS fußen muss, erfolgt bereits.
