Rickenbach Luftsport Gemeinschaft Hotzenwald startet in neue Saison

Warum das Segelfliegen für die Mitglieder wie eine Sucht ist

Wie eine Schlange windet sich das 1000 Meter lange Seil durchs Gras, bis es sich schließlich zwischen Segelflieger und Winde spannt. Innerhalb der nächsten drei Sekunden beschleunigt der Doppelsitzer auf 120 Kilometer in der Stunde, rast noch einige Meter über das Feld, hebt steil ab und steuert der Sonne entgegen. Der zentrifugenartige Aufschwung drückt das Blut in die Beine. Hoch über der Seilwinde angelangt, klinkt sich das Zugseil aus, der Segler kippt in die Waagrechte und zu Füßen des Piloten erstreckt sich ein unbeschreibliches Panorama: „Ein Gefühl wie eine Droge“, findet Fluglehrer Wolfgang Weichert.

In eleganten Kreisen schwingt sich die ASK-21, das Schulungssegelflugzeug der Luftsport Gemeinschaft Hotzenwald (LGH) in Hütten, auf 1100 Meter Höhe. Was von unten wie ein lässiges Gleiten erscheint, erfordert von dem Piloten präzise Koordination und höchste Konzentration: es gilt den Flugverkehr der Kollegen im Auge zu behalten – stets auf der Suche nach Aufwind und auf der Hut vor den Naturgewalten. Pfeifend schneiden die Flügel durch die Luft.

So agil sich die Ein-, Zweimann-Segler durch die Lüfte schwingen, umso mehr bedarf es am Boden vieler Hände Hilfe, um sie erst mal hinauf zu katapultieren. Zwei Leute stehen an der Winde, ein bis zwei Flugleiter machen den Tower und zwei Fluglehrer sowie drei Helfer bilden zusammen die Bodencrew. Bis zu sechzig Starts schaffen sie an einem sonnigen Wochenendtag. „Das unmotorisierte Segelfliegen funktioniert nur im Team“, erklärt Flugleiter Erich Stächelin. Kameradschaft wird in diesem Sport hoch geschätzt.

Genau diese Kameradschaft hält den Verein zusammen. In der Winterpause stemmen die rund 60 Mitglieder die Wartung der sieben vereinseigenen Flugzeuge. Aus den untergeordneten Ortsfliegergruppen Wehr, Maulburg, Schopfheim, Bad Säckingen und Drei-Ländereck gesellen sich über 50 weitere Flugzeuge dem Hangar hinzu. Zwölf ehrenamtliche Fluglehrer übernehmen die dreijährige Ausbildung der rund 25 Flugschüler, die jedes Jahr fünf bis sechs Neuzugänge bekommen. „Nur die Übung garantiert eine gewisse Sicherheit“, erklärt Erich Stächelin.

Für viele Flieger war der Eintritt in den Segelflugsport ein Lebenseinschnitt. Denn, so erklärt Stächelin: „Es geht unheimlich viel Zeit drauf, und das Fliegen geht einem in Fleisch und Blut über. Man will es nicht mehr missen.“

Die Mittagssonne brennt auf die Fliegermützen der Wartenden am unteren Ende der ein Kilometer langen Start- und Landebahn. Über das geplante Wander-Segelfliegen nach Spanien im Sommer wird geredet. Man will in Etappen die Pyrenäen entlang. „Thomas Wieland aus Schopfheim hat es mit seinem Segelflieger sogar einmal bis nach Marrakesch geschafft“, schwärmt sogar ein Fluglehrer. Derweil ziehen zwei Schülerinnen mit dem Traktor den nächsten Segelflieger in Position. Die Fliegerklause füllt sich und aus dem Hangar schiebt Yanik Richter, Vorsitzender der LGH, gerade den letzten Segler in Freie. „Einen besseren Saison-Start hätte es kaum geben können“, findet Richter. Tatsächlich kommt das sonnige Frühjahr den Segelfliegern zugute. Man bereitet sich schon jetzt auf den Internationalen Hotzenwald-Wettbewerb an Pfingsten vor und auch für den deutschlandweiten Strecken-Geschwindigkeits-Wettbewerb üben einige erfahrenere Sportsfreunde. Die Segler jedenfalls haben sie schon längst entstaubt.


Hotzenwaldwettbewerb

51. Internationaler Hotzenwaldwettbewerb vom 7. bis 14. Juni am Flugplatz in Hütten. Wettbewerbsklassen: Doppelsitzer-, 18 m, 15-m Klasse

Weitere Infos im Internet:

www.lg-hotzenwald.de

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