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Rickenbach Ein Durchbruch für den Hotzenwald

09.08.2012
Rickenbach -  Hottingen feiert seinen 600. Geburtstag.

Joachim Behringer (links) und Ernst Rieger als Postillon halten die Erinnerung an die Postkutschenlinie durchs Murgtal aufrecht. Hottingen war damals Verkehrsknotenpunkt im Hotzenwald.  Bild: Albiez/Schneider

Beim Bau der Straße 1867 bis 1869 durch das Murgtal mussten vier Tunnel in den harten Stein gehauen werden.

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Hottingen ist viel älter als jene zufällig erhaltene Urkunde aus dem Jahr 1412, in der das Dorf als „Hatingen“ erwähnt wird. Der Ortsname deutet darauf hin, dass sich bereits vor dem 6. Jahrhundert alemannische Siedler hier niedergelassen haben, wo in der Eiszeit Gletscher die enge Schlucht der Murg weiteten und eine moorige Mulde schufen. Der Platz ist günstig gelegen. Bis hinab zum Rhein ist hier die einzige Stelle, an der die Murg problemlos eine größere Querung erlaubt.

Der Ort ist ein natürlicher Verkehrsknotenpunkt. Hier verläuft die alte Verbindung von Todtmoos und Herrischried über Hänner ins Rheintal. Sie stellte den ersten überörtlichen Verkehrsweg im Hotzenwald dar. Holz, Bausteine und vor allem Holzkohle wurden hier auf zweirädrigen Karren nach Laufenburg geführt. Die dortigen 13 Hammerschmieden hatten einen riesigen Bedarf an Brennstoff. Zur Produktion von einem Zentner Eisenwaren war die bis zu zwanzigfache Menge Holz nötig, das zahlreiche Köhlereien im Hotzenwald zu Holzkohle brannten.

Dieser Verbindungsweg nach Laufenburg wurde gekreuzt von dem Weg, der von Bergalingen über Rickenbach nach Oberwihl und Niederwihl verlief. Als Verkehrsknotenpunkt im Hotzenwald bot sich Hottingen für die Ansiedlung von Dienstleistungen wie Schmieden, Mühlen oder Gasthäusern an.

Der Hotzenwald war jahrhundertelang eine der ärmsten, abgelegensten und unerschlossensten Gebiete des gesamten Schwarzwalds. Beschwerlich waren die Verkehrsverbindungen, die die Bauern hinab ins Tal bezwingen mussten. Bis ins 19. Jahrhundert führten lediglich enge und steile Fuß- und Karrenwege vom Wald an den Rhein. Die wichtigste überörtliche Verbindung nach Laufenburg bestand wahrscheinlich schon 1552, als Sandstein für die Pfeiler der Laufenburger Brücke in den Steinbrüchen bei Hottingen gebrochen wurde. Die mitunter gefährlichen Wege nahmen die Bewohner des Walds nur für wichtige Erledigungen auf sich, etwa um Gerichtstermine wahrzunehmen oder eine Wallfahrt abzuhalten.

Wie intensiv die Beziehungen nach Laufenburg waren, wurde 1819 deutlich, als das Großherzogtum Baden, zu dem der Hotzenwald wenige Jahre zuvor gekommen war, das Bezirksamt in Laufenburg auflöste. Damals beantragten die Hottinger eine Rückverlegung des Amtssitzes von Säckingen nach Laufenburg. Auch die Vögte von Altenschwand, Hütten und Rickenbach schlossen sich der Eingabe an. Laufenburg lag für die Bewohner zentraler und günstiger. Nach Säckingen führte zu dieser Zeit keine ordentliche Verbindung.

Die erste mit Kutschen gut befahrbare Straße wurde zwischen 1867 und 1869 gebaut. Es ist die Murgtalstraße, heute als Wander- und Fahrradweg durch die wildromantische Murgtalschlucht sehr beliebt. Der Bau dieser Straße war mit großen Mühen und Entbehrungen verbunden. Für den Abschnitt durch die tief eingeschnittene Schlucht hinter dem Hottinger Pfaffensteg schlugen die Straßenbauer vier Tunnel durch den harten Stein. Nur einfache Gerätschaften standen ihnen zur Verfügung, vieles mussten sie mit reiner Muskelkraft leisten. Da der Bau der Straße mit erheblichen Kosten verbunden war, beteiligten sich die Anliegergemeinden daran.

Die Murgtalstraße war die erste gut ausgebaute Verbindung zwischen dem Wald und dem Hochrhein und für die Menschen damals ein wahrer Segen. 1878 wurde eine Postkutschenverbindung von Murg nach Herrischried eingerichtet, 1902 verkehrte sie zweimal täglich und verband Rheintal und Wald miteinander. 1913 löste ein Automobil die Pferdekutsche ab und beförderte Post und Personen über die jetzt ausgebaute Hotzenwaldstraße zwischen Murg und Hottingen. Allerdings blieb im Winter 1911/12 das Fahrzeug im Schnee stecken, mehrere Ochsengespanne mussten es abschleppen. Zwei Jahre verkehrte endlich eine zuverlässige Kraftpostlinie. 1930 wurde die noch heute benutzte Straße von Laufenburg her ausgebaut und die enge abgelegene Murgtalstraße verlor ihre Bedeutung.

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