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Rheinfelden/Freiburg Mordversuch aus Eifersucht: Angeklagter hat Freund seiner Ex-Partnerin angefahren

Aus Eifersucht soll ein 35-Jähriger in Rheinfelden mit seinem Auto einen zweifachen Mordversuch begangen haben. Nun steht er in Freiburg vor Gericht.

Was am Mittag des 18. Oktober 2016 im Mundiweg unweit der Goetheschule in Rheinfelden zunächst wie ein Verkehrsunfall mit einem Auto und zwei Passanten aussah, stellte sich für die Staatsanwaltschaft Lörrach nach Abschluss der Ermittlungen als versuchter Mord in zwei Fällen heraus. Sie erhob deshalb Anklage gegen den 35-jährigen Fahrer zur Schwurgerichtskammer des Landgerichts in Freiburg. Am Mittwoch hat dort der Prozess begonnen.

Folgt man der vom leitenden Oberstaatsanwalt Franz-Josef Heering verlesenen Anklage, dann hat der Angeklagte bei seiner Fahrt aus übersteigertem Besitztrieb und Eifersucht Kurs auf seine ehemalige Lebensgefährtin und ihren neuen Partner genommen, als diese gegen 14.10 Uhr den Arbeitsplatz der Frau verließen. Beide hätten ihr Lebensrecht verwirkt, soll der Angeklagte gedacht haben, als er seinen Wagen mit einer Geschwindigkeit zwischen 40 und 50 Stundenkilometer auf das Paar zulenkte. Dabei fuhr er von der Straße links auf den Bürgersteig direkt auf den Zugang des Personaleingangs zu.

Dort wartete bereits seit einigen Minuten der neue Partner der Frau. Als sie aus der Tür kam, ging er einige Schritte auf sie zu. Sie begrüßten sich, und er drehte sich um und wollte mit ihr zu seinem am Straßenrand geparkten Auto gehen. In dem Moment hörte er ein lautes beschleunigendes Motorengeräusch. Dann sah er das Auto direkt auf sie zukommen und realisierte, dass es keine Möglichkeit mehr zum Reagieren gab. Dennoch gab er der rechts neben ihm gehenden Frau einen kräftigen Stoß zur Seite. „Dann“, so erinnerte er sich als Zeuge, „gingen bei mir die Lichter aus.“

Die Rekonstruktion ergab, dass der Wagen den Mann erfasste, ihn auf die Motorhaube lud und er mit dem Kopf gegen die Frontscheibe aufschlug. Dann wurde er über ein Geländer an der Hauswand geschleudert, die einen Kellerabgang sicherte. Dort stürzte er noch 2,80 Meter die Treppe hinab. Er wurde so schwer verletzt, dass er auf die Frage der Vorsitzenden Richterin Eva Kleine-Cosack, welche Verletzungen er erlitten habe, antwortete: „Am besten ich sage, was nicht kaputt war, das geht schneller.“

Opfer lag fünf Tage im Koma

Mit einem Rettungshubschrauber, der auf dem Schulhof landen konnte, wurde er nach Basel in die Klinik geflogen. Fünf Tage lag er im Koma, zuerst bestand akute Lebensgefahr. Rippen waren serienweise gebrochen, was massiv die Atmung beeinflusste. Dazu kamen zwei Wirbelbrüche, drei Nasenbeinbrüche, ein gebrochenes Sprunggelenk. Psychisch, so der Zeuge, habe er keine Probleme. Er ist sicher: „Wenn ich ihr keinen Schubs gegeben hätte, dann hätte das Auto auch sie erwischt, davon bin ich überzeugt.“ Tatsächlich war die Ex-Freundin des Angeklagten nicht vom Wagen erfasst worden. Die Anklage geht deshalb von einem zweifachen Mordversuch aus. Heimtückisch, die Arg- und Wehrlosigkeit des Paares ausnützend sei er begangen worden, aus niedrigen Beweggründen unter völliger Pervertierung des Gebrauchs eines Autos.

Dem widerspricht der Angeklagte. Er habe niemanden töten wollen, er habe noch mal mit seiner Ex-Freundin sprechen wollen. Er habe wissen wollen, warum sie ihn belogen habe, warum sie nicht im Krankenhaus sei, sondern einen neuen Freund habe, wie er über Facebook recherchiert hatte. Der Angeklagte stammt aus Rumänien, arbeitet seit Jahren in Zürich als Logistiker. Über das Internet hatte er 2015 die Frau kennengelernt, die wie er aus Rumänien stammt. Sie lebte damals in Holland bei Verwandten. Er besuchte sie mehrfach, die beiden wurden ein Paar. Da sie einen kranken Sohn hat, der bei ihrer Mutter in Rumänien lebt, fuhr sie mehrfach dorthin. Dennoch entschied sie sich, zu ihm nach Zürich zu ziehen.

Die Beziehung muss nicht einfach gewesen sein, folgt man den sehr detailreichen Beschreibungen des Angeklagten. Von viel Streit ist die Rede, davon, dass er alles für sie getan habe und sie nur wenig für ihn. Sie habe im Streit Gegenstände nach ihm geworfen, er habe sie deshalb geschlagen. 2016 zog die Frau nach Rheinfelden, weil sie dort Arbeit gefunden hatte. Er erzählt, dass er bei ihr gewohnt habe, bis sie ihn rausgeworfen habe. Am 9. September 2016 sei ihm die Sicherung durchgegangen, als sie ihm erklärt habe, dass sie schlafen könne, mit wem sie wolle. Da habe er sie geschlagen. Verbrieft ist, dass die Frau Angst vor ihm hatte, dass das Familiengericht Lörrach am 13. September 2016 ein Annäherungsverbot erließ.

Am 18. Oktober dann die fast tödlich endende Fahrt. Der Angeklagte gibt nur zögernd zu, dass er gezielt auf das Paar zugefahren ist. Er sei traurig gewesen, habe zuvor etwa 300 Gramm Whisky getrunken. Er sagt, dass er die Kontrolle über das Auto verloren habe, als er über den Bordstein fuhr. Da war er rund zwei Meter vor dem Paar. Er habe nicht gedacht, damit ihn oder sie umzubringen. Bei dem Zeugen entschuldigt er sich für „das was passiert ist“. Und fügt an, dass fast alles, was seine Ex-Freundin ihm erzählt habe und was er dem Gericht wiedergegeben habe, nicht stimme: „Das werden Sie noch erfahren.“

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