Rheinfelden "Mit Romantik hat dieser Beruf nur wenig zu tun"
Schäfer Jürgen Fritz ist der Pächter der Rheinfelder Winterschafweiden in Minseln, Karsau, Degerfelden und Herten. Bild: Müller
Rheinfelden - Der Mann mit dem grünen Hut reißt den rechten Arm in die Luft, pfeift schrill und ruft mit weit tragender Stimme "Goh naus. Guet über die Wiese". Schnell springen die Hunde zu den Schafen und drängen sie weg von der Straßennähe. Mona, Rosi und Prinzess verstehen ihren Schäfer und machen ihre Arbeit sehr gut. "Die Hunde gehorchen mir aufs Wort, und auf sie kann ich mich verlassen", sagt Jürgen Fritz, Wanderschäfer aus Wieslet. Der gelernte Schäfer und seine Herde ist auf dem Weg zur Winterschafsweide in Minseln. Dabei haben auch die Schafe Respekt vor ihrem Schäfer.
"Kuemm und hols", ruft er einem Mutterschaf zu, dessen Junges verängstigt abseits der Herde steht. "So wie man mit ihnen umgeht, so hat man sie", weiß der Schäfer aus Erfahrung. Jürgen Fritz ist der neue Pächter der Rheinfelder Winterschafweiden in Minseln, Karsau, Herten und Degerfelden. 800 Mutterschafe - überwiegend Merino Landschafe - sowie acht Böcke nennt er sein eigen und ist mit den Tieren das Jahr über in verschiedenen Gebieten, vom Wiesental über den Hochrhein bis im südlichen Hochschwarzwald unterwegs.
Dabei ist Fritz ein sesshafter Wanderschäfer, seinen Schafs-Betrieb samt Wohnsitz hat er in Wieslet. Unterstützt wird er von einer fest angestellten Schäferin, Verena Bernbach, welche zuvor als selbständige Schäferin jahrelang einen Pachtvertrag mit der Stadt Rheinfelden hatte. Ehefrau Antje Fritz kümmert sich um den Stall und der pensionierte Schäfer Rolf Höfler hilft auch mit.
Jürgen Fritz hat gerade eine arbeitsame Zeit hinter sich. Die Muttertiere waren allesamt trächtig und jeden Tag kamen Lämmer zur Welt. Mit seinem Geländewagen brachte er Neugeborene und Mutterschafe in den Stall, erst nach zwei bis drei Wochen, wenn die Jungen richtig marschieren können, werden sie wieder zur Herde transportiert. Meist wird gewandert, ist das Ziel erreicht, dürfen die Schafe weiden. Tags zuvor müssen aber erst die Weideflächen begutachtet werden. Aufmerksam müssen die Schafe täglich nach Krankheiten, Lahmheit oder sonstigen Auffälligkeiten beobachtet werden. Die aufwändige Schur steht dann Mitte Mai an.
Schäfer sein ist ein Knochenjob an 365 Tagen im Jahr - bei jedem Wetter. Das Bild am Rand der friedlich weidenden Herde stehenden Schäfers mit breitkrempigem Hut löst bei Betrachtern unweigerlich Assoziation mit Romantik und Freiheit aus. "Mit Romantik hat dieser Beruf nur wenig zu tun", meint Fritz. Sonn- und Feiertage gibt es nicht und abends kommt er selten vor 23 Uhr ins Haus. Am schlimmsten ist für ihn die Arbeit im Büro. Pro Woche muss er für die immer größer werdende Bürokratie um die vier Stunden aufwenden. Dennoch ist er Schäfer aus Leidenschaft. Der heute 48-jährige Schäfer übt seinen Traumberuf seit 32 Jahren aus.
"Für mich stand schon als kleiner Bub fest, ich werde Schäfer." Beunruhigt beobachtet er, dass es immer weniger Schäfer gibt. Auch haben sich die Zeiten verändert, früher brauchte ein Schäfer nicht mehr als 200 Schafe zum Existieren, heute sind das Minimum 400 Tiere. Einen weiteren Grund für den Rückgang erkennt Fritz darin, dass viele Ortschaften ihre Winterschafweiden nicht mehr an Wanderschäfer verpachten wollen. "Schade, bedauert er, denn wir und unsere Schafe sind darauf angewiesen."
