Wie barrierefrei eine Stadt ist, hängt nicht nur von baulichen Bedingungen ab, sondern von den Barrieren, die in den Köpfen der Bürger bestehen. Seit sechs Jahren kümmert sich der Arbeitskreis (AK) Barrierefreiheit um Hindernisse, die es in der Stadt gibt. Sprecher des Arbeitskreises sind Roland Nuss, Vorsitzender Sozialverband VdK, Christoph Siebold, Heimleiter Wohnanlage Kronenstraße des St. Josefshauses, und Inge Güdemann von den Rollifreunden Weil. Vor zwei Jahren nahm der AK eine Stadtbegehung mit 20 Personen in der Innenstadt vor, um potentielle Barrieren zu finden. Einiges hat sich seither gebessert, aber die Mitglieder des AK sind sich einig: „Jede Barriere ist eine zu viel.“
Bordsteinabsenkungen: Eines der zentralsten Themen des AK ist die Absenkung von Bordsteinen. „Diese ist auch gut für Radfahrer oder Kinderwagen“, weiß Christoph Siebold, für den die Umsetzung bisher schon gut gelungen, aber noch nicht flächendeckend erreicht ist. „Weil Rheinfelden so zerstückelt ist, wurde in der Innenstadt begonnen“, erklärt Dirk Schindler vom Hochbauabteilung und zuständig für den Unterhalt der städtischen Gebäude. In den Ortsteilen gibt es daher noch zahlreiche Straßen, die nicht barrierefrei zu überqueren sind. „Manchmal muss ich ewig lang fahren, bis ich von einem Bordstein runter komme“, gibt auch Inge Güdemann zu bedenken.
Freizeit und soziales Leben: Bei öffentlichen Festen wie zuletzt beim Cityfest lagen etliche, fünf zentimeterdicke Kabel quer über Plätze und Straßen. „Trotz mehrmaliger Hinweise bilden Kabel und Schläuche immer noch eine große Gefahrenquelle“, erklärt Roland Nuss. Im Sommer bestuhlen viele Cafés im Freien, aber sobald es kälter wird, wird es schwierig, hineinzukommen.
Parkplätze und Toiletten: Für den Herbst ist ein Plan angedacht, auf dem alle behindertengerechten Parkplätze und Toiletten verzeichnet werden sollen. Die Toilette beim Rondell am Rathaus ist nur mit einem Euro-WC-Schlüssel benutzbar, den sich Nutzer in Darmstadt anfordern müssen. „So einen Schlüssel sollte es auch im Bürgerbüro geben“, fordert Inge Güdemann, bisher ist dies allerdings noch nicht in Planung. Für die behindertengerechten Parkplätze gibt es Verbesserungsvorschläge. Der Parkplatz neben der Sparkasse erfüllt zwar die vorgegebene Norm, ist mit 2,50 Metern aber gleich breit wie die anderen Parkplätze. Für Roland Nuss ist das zu eng: „Ein Rollstuhlfahrer begibt sich in Lebensgefahr, da er auf die Straße muss, um auszusteigen.“ Andere Städte hätten ihre Parkplätze so ausgezeichnet, dass diese schon von weitem erkennbar sind.
Einkaufsmöglichkeiten: „90 Prozent der Geschäfte kann ich nicht betreten“, gibt Güdemann zu bedenken, „besonders in der Friedrichstraße.“ Als Rollstuhlfahrerin ärgert sie sich darüber, dass eine Wahlfreiheit bei Geschäften nicht gegeben ist. „Manche Inhaber haben angeboten, Waren für mich nach draußen zu bringen“, erzählt sie, das wolle sie aber nicht, „es geht ja niemanden etwas an, was ich kaufe.“ Bei öffentlichen Gebäuden zahlt die Stadt eine barrierefreie Umrüstung, die meisten Geschäfte sind aber in Privatbesitz, die Ladeninhaber müssten für einen behindertengerechten Zugang selbst aufkommen.
Öffentliche Verkehrsmittel: „Busse sind für Rollstuhlfahrer im Moment nur mühsam zu benutzen“, weiß Roland Nuss. „In acht bis zehn Jahren sollen alle Busse behindertengerecht sein“, stellt Hans Peter Seibold, Niederlassungsleiter Südbadenbus in Waldshut, in Aussicht. Betroffenen gibt er den Rat, sich bei der Hotline zu erkundigen, ob auf der gewünschten Strecke Niederflurbusse eingesetzt werden. Bahnfahren gestaltet sich aus mehreren Gründen schwer: Der Zugang zu den Bahnsteigen ist nur über steile Rampen möglich, für Betroffene ohne Begleitperson sind diese kaum zu bewältigen, der Touchscreen der Fahrkartenautomaten ist zudem für Rollstuhlfahrer zu hoch. Welche Züge wann und wie genutzt werden können, kann man bei der Mobilitätszentrale der Deutschen Bahn anfragen. Eine helfende Hand beim Ein- und Aussteigen findet sich aber immer, an hilfsbereiten Bürgern mangelt es Rheinfelden nicht.
