Rheinfelden Kirchengemeinden feiern einen Tag lang ihren Reformator Martin Luther

Mit einem großen Sommerfest feierten die vier evangelischen Kirchengemeinden am Sonntag in und um die Christuskirche die Erbauung des Gebäudes vor 80 Jahren.

Verbunden mit diesem Anlass war die lokale Feier des Reformationsjubiläums in Form eines Festgottesdiensts mit Beteiligung der katholischen Mitchristen und der Stadt.

Immer dieser Martin Luther: Luther als Überbringer der Nachricht, dass Gott uns als freie Menschen wolle, Luther als Kinderkonzert mit Orgel, Luther als Playmobilfigur, Luther als Dickkopf und Fundamentalist, Luther als Beschützer des freien Gewissens, Luther auf der Flucht als Rallye mit Kinderwagen, Luther als Lehrer der Gnade vor Gott für die Katholiken und Pfarrer Joachim Kruse als Luther mit Bauchladen. Der Augustinermönch, der 1517 seine 95 Thesen an die Türe der Schlosskirche von Wittenberg geschlagen haben soll und damit die christliche Welt veränderte, war die Hauptperson.

Pfarrer Joachim Kruse als Martin Luther mit Bauchladen.
Pfarrer Joachim Kruse als Martin Luther mit Bauchladen. | Bild: Boris Burkhardt

Schon im Familiengottesdienst mit den Kindern der Kindertagesstätte Warmbach und des evangelischen Kinderchores um 14 Uhr als Eröffnung des Sommerfests war der Reformationsbegründer Thema: Pfarrer Kruse aus der Christusgemeinde erklärte den Kindern und Erwachsenen anhand erwähnter Playmobilfigur, wie Luther entdeckte, dass Gott kein zorniger, strafender alter Mann sei, sondern seine Liebe „uns freimacht“. Diese Freiheit griff auch Pfarrer Ivo Bäder-Butschle von der Johannesgemeinde im Reformationsgottesdienst um 17 Uhr als Abschluss des Tages wieder auf: Bei Luther habe sie eine andere Bedeutung gehabt als die heute übliche; er habe damit die „absolute Hingabe an Gott“ gemeint.

Der Pfarrer zeichnete Luther durchaus kritisch: „Seine Welt war voller Teufel; Papst, Türken und Juden waren seine fixen Feindbilder.“ Bäder-Butschle ging sogar so weit, ihn nach heutigem Verständnis als „Fundamentalisten“ einzuordnen: „Viele Antworten, die Luther gab, geben wir heute anders.“ Trotzdem habe Luther durch seine Standhaftigkeit gegenüber dem Druck der damaligen Gesellschaft bewiesen, dass im Christentum Erfolg kein Kriterium sei: „Er gab uns eine Heimat, wo das freie Gewissen geschützt ist.“ Auch Pfarrer Anton Frank von der katholischen Seelsorgeeinheit St. Josef würdigte Luther als Theologen, der gelehrt habe, wieder auf die Gnade vor Gott zu vertrauen; Oberbürgermeister Klaus Eberhardt stellte an Luther die „Kraft des Einzelnen, der auf sein Gewissen hört“ heraus und wünschte sich unabhängig von ihrer Konfession „Bürger, die diese Kraft für das Gemeinwesen einsetzen“.

Draußen auf dem Freigelände zwischen Christuskirche und Kinderhaus Regenbogen schätzten die Verantwortlichen 300 Menschen, darunter jede Menge Kinder, die mit verschiedenen Spielen voll auf ihre Kosten kamen. Von allen Kirchengemeinden waren Kuchenspenden und Waren für den kleinen Markt zusammengekommen. Die Gesamtkirchengemeinde stellte außerdem ihre Projekte vor, unter anderem den „Grünen Gockel“ zum Klimaschutz. Drinnen auf der Empore gab es mit dem Orgelkonzert „Maaartin!“ noch mal Luther, diesmal für Kinder: Die Gemeindemitglieder Hans und Rita Krusche erzählten die Entstehungsgeschichte der Reformation kindgerecht, begleitet von Kantor Rainer Marbach an der Orgel.

Für einmal an diesem Reformationsfest kamen aber auch andere wichtige Reformatoren zum Zuge: Philipp Melanchthon, Huldrych Zwingli und Johannes Calvin auf den restaurierten Kirchenfenster, die 1994 größtenteils vom hinteren Teil der Kirche entfernt worden waren: Kruse, der die Idee zur Restauration hatte, freute sich über die Aufmerksamkeit, die die Fenster am Sonntag erfuhren. Der Tag klang mit einem Jazzkonzert des Pianisten Lars Duppler aus.

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