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Rheinfelden Inklusion als große Chance

Für zweieinhalb Stunden war am Mittwoch der Behindertenbeauftragte der Bundesregierung, Hubert Hüppe, ins St. Josefshaus gekommen, um den Stand der Inklusion zu erörtern, also die Einbeziehung von Menschen mit Behinderung als Teil des normalen Lebens.

Anhand zahlreicher Beispiele verdeutlichte der CDU-Bundestagsabgeordnete, dass der bisherige Ansatz, Menschen mit Behinderung anders zu behandeln, der falsche Weg ist.

Hüppe war auf Einladung seines Parlamentskollegen Armin Schuster gekommen, der das St. Josefshaus als „Musterbeispiel für einen Strategieschwenk lange vor der UN-Behindertenkonvention“ bezeichnete, mit dem Menschen mit Behinderung weg vom bisherigen Campus in die Gesellschaft hinein geführt werden. Zuvor hatte das neue Führungsduo des St. Josefshauses, Birgit Ackermann und Christoph Dürdoth, das Haus und seine Geschichte vorgestellt und die große Runde in der Mehrzweckhalle begrüßt.

Wie ein roter Faden zog es sich durch Hüppes Referat: Die Gesellschaft muss Behinderte als Teil ihrer selbst betrachten. Auch durchaus gut gemeinte Förderungen für Menschen mit Behinderungen wie die Eingliederungshilfe trügen eher zur Ausgliederung bei: Etwa wenn Kinder morgens im Schulbus zu Hause abgeholt, in einer Förderschule gefahren werden, dort den ganzen Tag verbringen und abends wieder nach Hause kommen: „Diese Kinder haben überhaupt keinen Kontakt mit Nachbarskindern“, bemängelt Hüppe. Deshalb sei es eines der größten Probleme von Menschen mit Behinderung, dass andere nie erfahren, mit ihnen umzugehen. Auch den pädagogischen Ansatz, in Förderschulen Menschen mit den verschiedensten Behinderungen (Blinde, Gehörlose, Körperbehinderte, geistig Behinderte) gemeinsam in einer Klasse zu unterrichten, hält Hüppe, selbst Vater eines behinderten Sohnes für abstrus. Vernünftig wäre das für ihn nur dann, wenn auch Nichtbehinderte eingeschlossen wären.

Bisher ist es die Regel, Menschen mit Behinderung nach dem Schulleben in einer Werkstatt unterzubringen – für Hüppe die nächste „Sondereinrichtung“. Er will auch hier einen anderen Ansatz befolgen und auch Behinderte auf dem Arbeitsmarkt unterbringen, mit einem Rückkehrrecht in eine Werkstätte, wenn es nicht klappt. Mit einem persönlichen Budget sollen Behinderte Abstriche bei Lohn oder Gehalt ausgleichen können. Dass es dafür noch viele, insbesondere bürokratische Hindernisse zu beseitigen gibt, räumte der Abgeordnete allerdings ein: So muss etwa ein Handwerksmeister, der einen Menschen mit Behinderung ausbilden will, derzeit noch mehr als 300 spezielle Weiterbildungsstunden leisten.

Aus den verschiedenen Diskussionsbeiträgen ging hervor, dass Eltern sich Sorgen machen, ob und wie die Veränderungen tatsächlich Verbesserungen bringen, oder ob das oberste Ziel lediglich ist, Einrichtungen wie das St. Josefshaus auf längere Sicht aufzulösen. „Wir Eltern hätten gerne Wahlfreiheit“, meint eine Elternvertreterin, die befürchtet, dass für Inklusionsschulen noch keine geeigneten Pädagogen vorhanden sind und ihre Kinder in der Übergangsphase zu „Versuchskaninchen“ werden. Hüppe räumte ein, dass es noch vieler Vorbereitungen bedarf, es aber bei der Umsetzung der Inklusion nicht um die Kosten geht. An die Eltern gewandt, meinte Hüppe, dass auch für Behinderte die Familie erdrückend sein könne. Sein Appell: „Betrachten Sie die Inklusion nicht als Bedrohung, sondern als Chance.“

„Man muss die Veränderung wollen“, meinte Ortsvorsteherin Sabine Hartmann-Müller, die Herten auf einem „langen und guten Weg“ sieht. Immer wieder würden kreative Lösungen gesucht. Hier nehme die Bevölkerung großen Anteil, Menschen mit Behinderung seien „integriert und inkludiert“. Und wenn sie einmal nicht weiter wisse, „nehmen Sie Behinderte und fragen Sie sie, was sie brauchen“, empfiehlt der Gast aus dem Bundestag.

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