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Rheinfelden Frauenklinik schließt Geburtshilfe

Rheinfelden (rs) Nach 50 Jahren kommt das Aus für die Geburtshilfe in der Frauenklinik: Sichtlich bewegt hat Klinikchef Holger Dieterich am Mittwochnachmittag bekanntgegeben, dass der seit Jahren defizitäre Bereich aufgegeben werden müsse, um die Klinik nicht zu gefährden. Mit der Schließung im letzten Quartal 2011 trennt sich die Klinik von 40 der derzeit 120 Mitarbeiter.

Die Geburtshilfe der Frauenklinik wird geschlossen. Die Versorgung der werdenden Mütter soll vom Elisabethenkrankenhaus in Lörrach übernommen werden.
Die Geburtshilfe der Frauenklinik wird geschlossen. Die Versorgung der werdenden Mütter soll vom Elisabethenkrankenhaus in Lörrach übernommen werden. | Bild: Bild: rs

Die Versorgung der werdenden Mütter soll vom Elisabethenkrankenhaus in Lörrach übernommen werden.

Die Geburtenzahlen in der Frauenklinik seien seit Jahren rückläufig erklärte Klinikchef Dietrich die Beweggründe für den Einschnitt. Waren es in den starken Jahren noch jährlich 700 bis 800 Geburten, die für eine starke Auslastung sorgten, so sind es heute kaum noch 400 Kinder die in Rheinfelden zur Welt kommen. „Wir konnten den Trend nicht aufhalten“, meinte Dietrich, obwohl wirklich große Anstrengungen unternommen worden sein, die Zahl der Entbindungen zu steigern. In den 50 Jahren seit dem Bestehen der Klinik, die Dietrichs Eltern gegründet hatten, um schwangeren Frauen eine bessere Versorgung zukommen zu lassen, sind 30 000 Kinder zur Welt gekommen. Mit kaum 400 Kindern im Jahr sei „die Schmerzgrenze erreicht“.

Gerade im Bereich der Geburtshilfe fielen hohe Vorhaltekosten an, unter anderem durch eine 24-Stunden-Bereitschaft, und die medizinrechtlichen (forensischen) Rahmenbedingungen, wonach garantiert sein muss, dass im Notfall innerhalb von 20 Minuten operativ eingegriffen werden kann. Der Bereich Geburtshilfe ist nach Darstellung Dieterichs seit Jahren unrentabel und musste innerhalb der Klinik quersubventioniert werden. Jetzt müsse er das Haus wieder in die Gewinnzone bringen. Nach wochenlangem Ringen sei deshalb der Entschluss zur Abgabe der Geburtshilfe an das St. Eisabethenkrankenhaus in Lörrach gefallen.

„Es liegt mir sehr am Herzen, dass die Mütter optimal betreut werden“, betont der Chef des Hauses. Zu dem „Eli“ gibt es seit Jahren freundschaftliche Kontakte, das bestätigte auch Helmut Schillinger, Geschäftsführer der Klinik. Es sei „selbstverständlich, dass wir hier Verantwortung übernehmen“, und auch mit den freien Hebammen Kotakt aufnehmen will, die bisher auch im Auftrag der Frauenklinik tätig waren. In der Lörracher Klinik, kommen Jahr für Jahr etwa 1400 Kinder zur Welt, wobei Schillinger sogar eine kleine Steigerung ausmacht. Den Grund sieht er dafür, dass werdende Mütter zur Entbindung eher an einen Ort wollen, wo eine Kinderklinik dabei ist – diese Tendenz habe auch in anderen Gegenden zur Aufgabe von Geburtshilfestandorten geführt. „Die Frauen haben diesbezüglich klare Vorstellungen“.

Vom Personalabbau betroffen sind nach Angaben von Dieterich Ärzte und Pfleger. Ob die von der Frauenklinik freigestellten Beschäftigten auch Arbeitsplatzangebote des Eli erhalten, ließ Schillinger offen. „Wir müssen zuerst sehen, wie wir zurechtkommen“. Angesichts der Nähe der Schweiz und der hohen Qualifikation der Betroffenen macht er sich um diese keine allzu großen Sorgen. Auswirkungen auf die anderen Bereiche der Klinik gibt es nicht, weder die Gynäkologie mit dem Perinatalzentrum noch das Brustzentrum mit der Rekonstruktionschirurgie seien betroffen, betonte Dieterich, der gerade im Bereich der Brustchirurgie auch wieder verstärkt wissenschaftlich arbeiten will.

Die Mitarbeiter der Frauenklinik sind ebenfalls am Mittwoch in einer Versammlung über die Entwicklungen und Entscheidungen unterrichtet worden.

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