Rheinfelden Ehrenamt ist fast Vollzeit-Job

Freundeskreis Asyl dieses Jahr besonders gefordert. Die Bürgerstiftung verleiht heute den Bürgerpreis.

Die Liste der Gruppen und Initiativen, die ihre Freizeit für andere verwenden, um Rat und Hilfe zu geben, im Alltag oder bei Krankheit begleiten oder Projekte betreiben, die der Allgemeinheit dienen, ist lang. Ganz besonders gefordert ist in diesem Jahr der Freundeskreis Asyl. Die Freiwilligen leisten teilweise einen Fulltime-Job und haben trotzdem das Gefühl, nicht fertig zu werden. Am heutigen Samstag zum Tag des Ehrenamts verleiht die Bürgerstiftung wieder einen Bürgerpreis, um nachhaltigen gesellschaftlichen Einsatz zu würdigen. Der Freundeskreis Asyl hat ihn 2014 erhalten.

Rund zehn Stunden in der Woche verwendet Jörg Hinderer außerhalb seines Berufslebens bei die kirchlichen Erwachsenenbildung für die ehrenamtliche Betreuung von Flüchtlinge. Der evangelische Pfarrer weiß, dass diese Ehrenamtsarbeit ein „richtiger Job“ ist. Aber alles ist nicht machbar. So gilt beim Freundeskreis: „Der eine kann mehr, der andere weniger“.

Christina Wallaschek ist diejenige, die seit Monaten am meisten leistet. Die pensionierte Lehrerin bestätigt: „Ich arbeite heute mehr als vorher.“ Sie ist mehrfach in der Woche in der Gemeinschaftsunterkunft Schildgasse und Ansprechpartnerin nach allen Seiten, macht viel Gremienarbeit, sitzt oft stundenlang am Computer, um Mails zu beantworten. Nach dem großen Helfertreffen auf Initiative der Stadtverwaltung diese Woche hofft sie, dass es jetzt bald „anders“ wird, wenn sich neue Koordinatoren einbringen. Sie weiß aus eigener Erfahrung: „Ehrenamtliche können einiges leisten.

“ Nachdem mittlerweile 400 Ausländer untergebracht sind und 150 weitere folgen im Umfeld hat die Betreuung der Asylbewerber „eine neue Dimension erreicht“, sagt Hinderer. Er hat noch die Anfänge vor zehn Jahren im Kopf, , da war alles noch „überschaubarer“. Jetzt müssen neue Strukturen her, um die wachsenden Aufgaben zu bewältigen. Durch Bildung neuer Gruppen besteht beim Freundeskreis Asyl die Hoffnung, dass sich die Aufgaben künftig koordiniert verteilen lassen, sich Patenschaftsgruppen formen, andere Deutsch unterrichten oder auch Kleiderspenden verwalten. Oft kommt der Freundeskreis aber auch in eine Rolle, die in den Bereich staatlicher Zuständigkeit fällt.

Für Jörg Hinderer macht es „Freude“, die Dankbarkeit der Menschen zu erleben, wenn etwas für sie bewirkt wird und ihnen jemand in schwerer Lebenslage zur Seite steht: „Das sind die Momente, aus denen man lebt“, daraus gewinnt auch Hinderer Energie. Christina Wallschek macht die gleiche Erfahrung. Sie erlebt, wie Flüchtlinge die Sicherheit schätzen, dankbar für Recht und Ordnung sind: „Sich einbringen lohnt sich“. Dabei freue es auch, sich von der Stadt ernst genommen zu sehen.

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