Murg Zwei Blues-Größen im Café Verkehrt

Mitch Kashmar und Steve Baker bei der Hotzenwälder Kleinkunstbühne im Blues Café in Oberhof.

Die Mundharmonika ist der Outcast unter den Musikinstrumenten. Der sogenannte „Goschenhobel“ ist eher an Lagerfeuern als in Konzertsälen daheim. In der klassischen Musik hat die Mundharmonika nur in lumpigen drei Kompositionen größere Auftritte, weiß Wikipedia. Sie ist damit also wie gemacht für den Blues.

Welche Möglichkeiten in dem kleinen Instrument stecken, bewiesen am Dienstagabend im Oberhöfer Café Verkehrt zwei Musiker, die zu den ganz Großen ihres Fachs gehören: Der US-Amerikaner Mitch Kashmar und der seit bald 40 Jahren bei Hamburg lebende Brite Steve Baker trafen sich beim vierten Konzert der Reihe Blues Café zum „Blues-Summit“. Beide zählen derzeit zu den besten Blues-Harmonikaspielern überhaupt.

Begleitet wurden beide von den Blues and Boogie Kings. Zu dieser Projektband haben sich mit Niels von der Leyen (E-Piano), Jan Hirte (E-Gitarre) und Andreas Bock (Schlagzeug) drei Musiker zusammengetan, die in der deutschen Blues-Szene ebenfalls nicht den allerschlechtesten Ruf genießen.

Nach dem instrumentalen Warm-up der Blues and Boogie Kings war zuerst Steve Baker mit fünf Stücken zu hören, dann Mitch Kashmar mit fünf, schließlich beide Blues-Großmeister zusammen mit einem weiteren halben Dutzend Stücken plus Zugabe. Zusammen mit dem reichlich gespendeten Applaus ergab das über dreieinhalb Stunden Blues-Power bis nach Mitternacht.

Zu den Höhepunkten des Abends gehörte sicherlich Kashmars krachend vorgetragene Version von Bo Didleys „You Can't Judge a Book by the Cover“. Der West-Coast-Blueser aus Portland in Oregon machte aber auch einen Ausflug in den Swing. Steve Baker hatte nicht weniger als 56 Mundharmonikas im Gepäck. Wie Kashmar spielte er teils eigene Stücke, teils Klassiker, darunter ein rockabillyhaft vorgetragenes „Soul Train“.

Schon einzeln brachten Kashmar und Baker das Café zum Toben. Als die beiden dann im dritten Set gemeinsam spielten, gab es im Saal kein Halten mehr. Die beiden Harpists befeuerten sich in ihrem Spiel gegenseitig und loteten die weiten Grenzen ihrer kleinen Instrumente aus. Mit dem schwungvollen Dixie „Mardi Gras“ wollten sie sich Punkt Mitternacht von ihrem Publikum verabschieden. Doch das blieb standhaft und bekam auch nach der Polizeistunde tatsächlich noch eine Zugabe.

Angekündigt worden war im Vorfeld übrigens nur ein Konzert von Mitch Kashmar mit Band. Steve Baker gab es sozusagen gratis drein. Blueser haben eben ein großes Herz.

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