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Lörrach Zunftabend feiert berauschende Premiere

Natürlich bekommen die Weiler von den Lörrachern einiges ab. Aber auch die Einheimischen

„Wiiler Blut, Wiiler Blut, voller Kraft, voller Stolz, voller Mut...“ (gesungen nach der Operettenmelodie „Wiener Blut...“). Nachdem sie voriges Jahr geschont wurden, sind die Weiler heuer fast in allen Szenen des Lörracher Zunftabends gegenwärtig, stets unter dem Leitmotiv „in Lörrach lässt es sich leben, einkaufen, findet Stadtentwicklung statt... – in Weil nicht“. Das Ganze nach Zunftmeisterart verpackt in tolle Spielszenen und augenzwinkernde Präsentation, so dass auch der Weiler OB Wolfgang Dietz am Premierenabend herzhaft lachte und nach dem gefühlten 105. Weil-Witz ausrief: „Oh, wenn Ihr uns nit hättet!“

So ist es natürlich nicht. Die „Wiiler Zipfel“ kriegen zwar kräftig auf die Ohren, aber die Zunftmeister nehmen sich viele Themen und lokale Köpfe vor, geht ja auch gar nicht anders, in einem derart kurzweiligen und vollgepackten Vier-Stunden-Programm. Da muss einem viel einfallen. Und es ist ihnen viel eingefallen: Die Kauflust der Schweizer Räpplispalter, die jetzt schon in der Gastronomie den grünen Mehrwertsteuerrückvergütungsschein verlangen, die Eurokrise (wunderschön ins Szene gesetzt mit der Partnersuche von Frau Euro, um die Herren Dollar, Franken und Yuan werben), die Berlusconis, Sarkozys und Wulffs dieser Welt, die Landrätin werdende Bürgermeisterin Marion Dammann, die der Oberbürgermeisterin Gudrun Heute-Bluhm hinterher singt „Du gehörst zu mir“, die Lörrach-Brombacher Fußballfusion, der Stadtrat Escher und die Fachbereichsleiter Schicht und Wipf, und diesmal vermehrt auch die Stadtteile und ihre Ortsvorsteher (die drei Musketiere genossen die neue Zunftabendpopularität sichtlich).

Kandern und sein anwesender Burgi Bernhard Winterhalter kamen dran, auch der Uli May von Binzen oder das Weindorf Tüllingen mit „sine fruchtig usbaute blumige Hinterhöf“. Auch das Hintergründige hat seinen Platz wie im Gespräch der Zigeunerin mit ihrer Kugel über die Zukunft, bei dem manches Fasnachtsmotto recycelt wird. Es wird ein Feuerwerk an Pointen und Witzen gezündet, und da ist dann auch mal beim Verbalklamauk der eine oder anderer Krachlederne dabei.

Da tasten sie dich schon mal zur Ujujui-Grenze vor; die liegt da, wo anders trainiertes Publikum dann singend den Zeigefinger hebt. An der Premiere haben das die „Nightshadows“ – sie sind dem Publikum und den Zunftmeistern einfühlsame und schwungvolle Begleiter – mal anstelle des Publikums getan. Alles in allem: beste Zunftabendunterhaltung.

In acht Szenen stehen Karl-Heinz Sterzel, Stefan Vogt, Andreas Glattacker, Hansi Gempp, Klaus Ciprian-Beha, Axel Leuger, Christoph Schuldt (der Zunftgeselle macht seine Sache gut) und Ralf Buser von zu zweit bis vollzählig auf der Bühne; in stimmigen und auch überraschenden Kostümen, Masken und Perücken, wofür hinter der Bühne Heike Geitlinger (Masken, Frisuren) verantwortlich ist. Dieter Roth, der Altgediente, besorgt den Bühnenaufbau mit Werner Schuldt, der auch für die Requisiten zuständig ist und Mike Brombacher hat die neuen Kulissen gemalt. Alle wirken zusammen am Gesamtkunstwerk Zunftabend, der Erfolg ist mithin der des ganzen Teams.

Von denen ist Souffleuse Ellen Quercher von Abend zu Abend weniger gefordert, weil die Akteure auf der Bühne sicherer werden. An der Premiere machten sie aus dem einen oder anderen Hänger schon mal einen spontanen Gag. Und es ist erstaunlich, dass ihnen zur „Zollfreien“ noch Neues einfällt. Schon zur Pause gab's Komplimente in Fülle, wie das des Baslers Felix von Rohr: „Ich weiß nicht, was noch an Steigerung kommen soll.“ Dem ist nichts hinzuzufügen. Außer dass die Weiler auch einmal gelobt werden – für den Bürgerentscheid zur Hangkante.

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