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Lörrach Vom Radio auf die Bühne

Lörrach – Den Ankündigungen, die permanent im Radio zu hören waren, konnte sich wohl keiner entziehen: Das Erfolgsprogramm der „Live Lyrix“, mit dem SWR3 zurzeit durch das Sendegebiet tourt, ist ein gefragtes Konzept und füllt den Burghof. Menschen aller Altersklassen waren gekommen, um sich die Übersetzungen ihrer Lieblingslieder aus dem Radio anzuhören – und natürlich von professionellen Schauspielern interpretiert zu sehen.Meist dudeln die Lieder ja bloß bei der Autofahrt oder in der Küche im Hintergrund vor sich hin, doch kaum jemand beschäftigt sich wirklich mit den englischen Songtexten.

Welche im Übrigen oft erstaunlich lyrisch und tiefgängig sind. Um das zu ändern, sind sie hier, die stets gut gelaunten Menschen der Radio-Mannschaft, und SWR3-Moderator Ben Streubel, dessen Stimme man als Hörer schon gut kennt, tritt unter großem Applaus auf die Bühne. Lörrach ist in diesem Jahr erstmalig bei den „Live Lyrix“ dabei.

Als Freiheitsstatue verkleidet, betritt Roland Spiess die Bühne, um zusammen mit seiner Schauspielkollegin Carola von Grot den ersten Song vorzustellen: „Hollywood“ von Marina and the Diamonds, der vielen Zuschauern bis dato überhaupt nicht als Amerika-kritischer Song mit einer ordentlichen Portion Sarkasmus aufgefallen war. Und auch Stings „I'm so happy I can't stop crying“ ist nicht bloß irgendein süßlicher Schmachtsong, sondern das Lied eines traurigen Vaters, der am Wochenende melancholisch um sich blickt: „Der Park ist voller Sonntagsvätern und geschmolzener Eiscreme.“ Bunte, changierende Farbwürfel mit zu den Liedern passenden Projektionen darauf dienen als sparsames, aber stimmungsvolles Bühnenbild.

Immer wieder lockert Ben Streubel die beinahe andächtige Stimmung, die sich während der einzelnen Lieder im Saal ausbreitet, mit witzigen Anekdoten oder Geschichtchen auf. Alle vorgestellten Texte wurden von der Radiomoderatorin Regina Beck ausgewählt und übersetzt – und Moderator Streubel verdeutlicht mit einem vom Computer abgespielten Vorleseprogramm, warum es sinnvoll ist, doch lieber die Schauspieler „da ran zu lassen.“

Die Routine und Erfahrung, die sie mittlerweile haben, merkt man allen an: Gekonnt führt Streubel durch den Abend, plaudert mit Zuschauern, die auf die Bühne kommen und Hits erraten dürfen, oder erzählt von Zeitungsrezensionen, die von Grots Hinterteil beim Tanzen mit dem eines Zitteraals verglichen haben.

Nebenbei bekommt das Publikum auch die eine oder andere Hintergrundgeschichte zu den Liedern serviert – darunter wider Erwarten nicht immer nur weit bekannte und „kommerzielle“ Hits. Ungewöhnlich ist zum Beispiel der Song „Beyond“, eher ein Sprechgesang und kaum radiotauglich, der zu flackerndem Kerzenlicht in Kutten vorgetragen wird. Er stammt von Tina Turner, die sich mit ihrer spirituell angehauchten Nachbarin vom Zürcher See zusammengetan und ein ungewöhnliches Album aufgenommen hat.

Zu solchen Liedern oder auch später bei Elvis' „In the Ghetto“ schließen tatsächlich einige die Augen. Selbstverständlich sind auch weniger tiefgängige Titel dabei: Schon hüpft Carola von Grot als Lady Gaga verkleidet auf die Bühne und präsentiert „Popo, Pokerface“ oder andere Phrasen wie „Ra, ra, rammama, tri tra trullala“.

Wie in allen Liedern Lady Gagas werden die Männer (in diesem Fall Ronald Spiess) eher zu Hintergrundfiguren degradiert, was andere Songs aber später wettmachen: Ob es um abgedrehte Tanzeinlagen zu „Kids“ geht oder als Zugabe dem Song „Somewhere over the Rainbow“ – die beiden Schauspieler verstehen ihr Handwerk ausgezeichnet.

Beide sind schon lange dabei und sozusagen die Festbesetzung für die Live Lyrix. Der besondere Vorteil einer solchen Veranstaltung liegt auf der Hand. Wer nach der doppelten Zugabe immer noch nicht genug hat, schaltet auf dem Nachhauseweg einfach wieder das Radio an.

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