Lörrach Villa Schöpflin: Stetiger Kampf für den Jugendschutz

Mit Alkoholtestkäufen versucht die Villa Schöpflin, Zentrum für Suchtprävention, gemeinsam mit Polizei und Ordnungsamt auf das Thema Alkoholverkauf an Jugendliche aufmerksam zu machen. Mittlerweile finden solche Käufe in vier Städten des Landkreises statt

Lörrach (sab) Es ist eine harte und auch eine teure Lektion für Erwachsene, die Alkohol an Jugendliche verkaufen, aber auch eine, die Wirkung zeigt. Mit Alkoholtestkäufen versucht die Villa Schöpflin, Zentrum für Suchtprävention, gemeinsam mit Polizei und Ordnungsamt auf das Thema Alkoholverkauf an Jugendliche aufmerksam zu machen. Mittlerweile finden solche Käufe in vier Städten des Landkreises statt.

In Schopfheim hat es im Frühjahr 2017 erstmals solche Testkäufe gegeben. Ergebnis: In zwei von zehn Geschäften erhielten die jugendlichen Testkäufer Alkohol. In Lörrach, wo die Testkäufe bereits seit sieben Jahren stattfinden, sahen die ersten Ergebnisse damals viel verheerender aus: Nur 21 Prozent der Käufe verliefen so, wie es der Jugendschutz vorschreibt. Doch mittlerweile konnte die Villa Schöpflin schon viel Sensibilisierungsarbeit leisten, „und es spricht sich natürlich auch im Landkreis rum, dass wir diese Testkäufe machen“, sagt Franziska Zehner, Gesundheitspädagogin von der Villa Schöpflin. Seit 2012 finden die Testkäufe auch in Weil am Rhein und seit Frühjahr 2016 in Rheinfelden statt. Zweimal im Jahr gehen die Gruppen, bestehend aus zwei Jugendlichen, einem Polizisten, einem Mitarbeiter der Villa Schöpflin und einer Person vom Ordnungsamt, in verschiedene Geschäfte und testen einzelne Verkäufer.

„Wir wollen dabei niemanden an den Pranger stellen und verhalten uns sehr diskret, wenn es tatsächlich dazu kommt, dass Hochprozentiges an Jugendliche verkauft wird“, so Franziska Zehner. Die Person erhält allerdings ein saftiges Bußgeld in Höhe von 300 Euro und die Einladung, an einem Kurs bei der Villa Schöpflin teilzunehmen. Manchmal – je nach Vereinbarung mit der Stadt – mit dem Angebot, dass sich die Bußgeldsumme dadurch etwas verkleinert. „Eigentlich kommen alle, die bei den Testkäufen durchgefallen sind, in unsere Schulung.“ Meist würden die Kursteilnehmer mit versteinerter Miene in die Villa Schöpflin kommen. „Sie erwarten, dass sie nun gerügt werden.“

Nach dem Seminar sei das Gefühl aber immer ein anderes. „Die Verkäuferinnen und Verkäufer gehen gelöst aus dem Kurs. Sie bekommen bei uns Hilfe, Tipps und Tricks.“ Es sei eben oft nicht einfach, das Alter der Einkaufenden richtig einzuordnen. „Die Jugendlichen versuchen es manchmal mit Tricks wie gefälschten Schülerausweisen oder sie sehen älter aus. Und manchmal liegt es auch am Zeitdruck, der an der Verkaufskasse herrscht. Da verrechnet man sich beim Geburtsdatum schon mal“, sagt Franziska Zehner.

In Lörrach gibt es die Alkoholtestkäufe schon am längsten. Sie waren und sind immer noch auch eine Reaktion auf Fälle, in denen Kinder und Jugendliche mit einer Alkoholvergiftung im Krankenhaus landeten. „2014 und 2015 waren es um die 60 Kinder und Jugendliche, die mit einer Alkoholvergiftung im Krankenhaus gelandet sind“, sagt Franziska Zehner. Allerdings, fügt sie hinzu, haben steigende und fallende Einlieferungszahlen ganz unterschiedliche Gründe. „Ein positiver Aspekt an steigenden Zahlen könnte zum Beispiel sein, dass die Sensibilität des Umfelds beim Thema Alkoholvergiftung steigt und der Notarzt häufiger gerufen wird.“

Kinder und Jugendliche, die mit einem Promillewert von 0,1 bis 2,9 Prozent eingeliefert werden, erhalten Betreuung und Beratung durch die Villa Schöpflin. Das ist der reaktive Baustein des Alkoholpräventionsprogramms „HaLT“, die Alkoholtestkäufe sind Teil des proaktiven, also vorbeugenden, Bausteines. In Lörrach, wo die Alkoholtestkäufe schon fest etabliert sind, ist man sehr zufrieden mit dem Ergebnis. „Aber wir merken auch, wenn wir die Testkäufe nicht regelmäßig machen, sind die Erfolge dahin“, sagt Yvonne Eyhorn, kommissarische Fachbereichsleiterin des Lörracher Bürgerdienstes. Nicht immer bleibe bei den halbjährlich stattfindenden Rundgängen die Zeit, alle Geschäfte zu kontrollieren. „Wenn wir einen Laden mal zwei Jahre lang nicht kontrolliert haben, fällt das Ergebnis dort wieder schlechter aus. “ Mittlerweile gebe es aber auch viele Einkaufsläden, die ihr Personal zum Thema Alkohol und Minderjährige schulen, trotzdem dürfe man sich nicht auf Erfolgen ausruhen. „Das ist nicht wie eine einmalige Impfung und dann ist das Problem gelöst. Man muss dran bleiben.“

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