Die Ausstellung in Berlin ist längst abgebaut, doch die Bilder beschäftigen weiter. Fast drei Monate lang waren in der Gedenkstätte Topografie des Terrors in Berlin jene Fotos zu sehen, die im Spätjahr 1940 in Lörrach entstanden waren, als die letzten Juden aus der Stadt ins südfranzösische Lager Gurs transportiert wurden und als wenig später das Eigentum der Deportierten versteigert wurde.
Es sind historische Fotodokumente mit Einmaligkeitswert, weil solche Ereignisse, die es anderswo auch gegeben hat, dort nicht im Bild festgehalten wurden. Lediglich zwei Einzelfotos aus Hanau sind in der „Topografie“ bekannt. Die Berliner Ausstellung „Vor aller Augen“ fand große Beachtung, was auch in Rundfunk und Presse seinen Niederschlag fand. „Die Bilder beschäftigen uns weiter“, sagt der Lörracher Stadtarchivar Andreas Lauble. In Berlin wurden von den Lörracher Negativen großformatige Bildtafeln hergestellt. Die 17 Fotos im Format 2,20 Mal 1,25 Meter entfalteten in den Räumen der Topografie des Terrors eine ungleich eindrucksvollere Wirkung als 2010, als die Fotos im wesentlich kleineren Format im Museum am Burghof in Lörrach gezeigt wurden. „In dieser Dichte sind die Fotos einmalig“, macht Kai Uwe von Damaros, Pressesprecher der Gedenkstätte, die Bedeutung noch einmal deutlich.
Sie verschwinden jetzt nicht einfach im Fundus, sondern interessierte Institutionen oder Museen können für eine Ausstellung die Bilder – 25 zur Deportation der Lörracher Juden, 17 zur Versteigerung von deren Eigentum – ausleihen. Allerdings, so Lauble, muss ein Interessent dafür viel Platz haben (etwa 150 Quadratmeter) und auch Versicherung und ordnungsgemäßen Transport der Bild- und Texttafeln finanzieren. Die Rechte, betont Lörrachs Archivar, liegen beim Stadtarchiv. Auch in Lörrach selbst gebe es viele Anfragen zu den Fotos, da geht es meist um einzelne Bilder. Zu Jahresbeginn veröffentlichte die Geschichtszeitschrift „Momente – Beiträge zur Landeskunde Baden-Württemberg“ eine Bildstrecke mit sechs der historischen Aufnahmen. Die Bilder beschäftigen das Stadtarchiv aber auch in anderer Weise. Nicht nur, dass man darüber nachdenkt, wie man sie auch in Lörrach noch einmal präsentieren kann. Da ist an eine Ausstellung im Umfeld der Buchveröffentlichung von Robert Neisen im nächsten Jahr gedacht. Der Freiburger Historiker arbeitet die Geschichte des Dritten Reichs in Lörrach auf. Es geht auch um die Konservierung der Negative aus dem Herbst 1940. So wurden, wie Lauble berichtet, von allen Negativen analoge Kopien angefertigt, so dass nun Dias vorliegen, die man für künftige Vergrößerungen verwenden kann. Die wertvollen Negative sollen so wenig wie möglich strapaziert werden. Trotz dieses fotohistorischen Schatzes und des Interesses daran betont Lauble: „Was wir nicht wollen ist, dass die Fotos inflationär in Umlauf kommen. “ Denn man habe auch „die Verpflichtung, die Fotos und die Personen, die darauf abgebildet sind, zu schützen.“ Deshalb sei die Seriosität eines eventuellen Ausstellungsveranstalters oder anderweitig Interessierten besonders wichtig.
In Berlin übrigens wurde eines der Lörracher Bilder von der Deportation der Juden in die Dauerausstellung der Topografie des Terrors zum Nationalsozialismus integriert und bleibt damit in der Hauptstadt.
