Gänsehaut im Museum am Burghof am Sonntag: Das Programm „Jüdisches in Wort und Ton, Gedichte und jiddische Musik“ von der Gruppe „The Paper Roses“ mit ihrer Sängerin Liat Herzfeld setzte als letzte musikalisch-literarische Veranstaltung aus der Reihe „Erinnern und Vergessen“ einen berührenden Schlusspunkt und war gleichzeitig Finissage der Sonderausstellung des Museums „entartet – zerstört – rekonstruiert“.
„The Paper Roses“ sind neben Liat Herzfeld noch David Glenn an der Klarinette und Stefan Gierden an der Gitarre – und sie sind als gut eingespieltes Trio eine große Entdeckung. Herzfeld, die außerdem aus ihren Gedichten vortrug, stand im Zentrum dieses Vormittags. Mit starker Stimme sang sie jiddische Lieder aus den letzten beiden Jahrhunderten, deren Inhalte sie vorab kurz skizzierte.
Mit einem Lied wie „S'brent, Brider, s'brent“ von Mordechaj Gebirtig (1877 bis 1942) über ein brennendes Dorf und seine untätigen Bewohner zeigte die 19-Jährige ihr Talent für die traurigen Stücke ebenso wie ihr Gefühl für die fröhlichen Stoffe mit einem wie Gebirtigs Liebeslied „Rejsele“.
Die jiddischen Lieder dieses eigens für den Lörracher Auftritt zusammengestellten Programms waren von „The Paper Roses“ und Jacek Rabinski bearbeitet, die Klezmer-Lieder von Mike Curtis und Stefan Gierden.
Außerdem wurden Lieder gespielt von unter anderem Mark Warszawski (1848 bis 1907) und der zeitgenössischen Komponistin und Sängerin Ora Bat Chaim. Auch die Gedichte der Jüdin Herzfeld, die in Israel geboren und in Lörrach aufgewachsen ist und jetzt in Basel lebt, sind keine Befindlichkeitstexte über die Probleme des Erwachsenwerdens, sondern erzählen von der Geschichte und vom Leben des jüdischen Volks, von der Vertreibung, aber auch von der Hoffnung auf eine freie, friedliche Zukunft der Juden. Herzfeld schreibt „Schmerzt die Erinnerung an das Vergangene zu sehr?“, „Wer spricht das Wahre?“ und „Mein ganzes Sein sich nach Hoffnung verzehrt“.
Die bewusst naiv gehaltenen Zeilen wollen nicht mithalten mit dem, was auf den deutschsprachigen Lyrikbühnen passiert, sondern sie wollen fernab aller poetologischen Trends ein politisches Hoffnungszeichen setzen und Zeugnis legen von der Zugehörigkeit einer jungen deutschen Jüdin zu ihrem Volk und ihrem Land Israel.
Dies, gepaart mit dem hohen musikalische Niveau des Trios, bildete an diesem Vormittag im gut besuchten Museum ein nachdenkliches und gleichzeitig optimistisches und unterhaltendes Ende der durchweg anregenden Lörracher Veranstaltungsreihe „Erinnern und Vergessen“, die in den letzten fünf Monaten die Einweihung und erste Zeit der neuen Lörracher Synagoge begleitet hat. Die allerletzte Veranstaltung der Reihe, ein Vortrag zum Thema „Erinnern und Vergessen aus muslimischer Sicht“ (Veranstalter ist die Gruppe Abraham) findet am Dienstag, 17. März, um 20 Uhr, ebenfalls im Museum am Burghof in Lörrach statt.
Claudia Gabler
Weitere Infos zu Liat Herzfeld im Internet: www.a-dreamers-world.hpage.com