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13.04.2010  |  0 Kommentare

Lörrach Trauer um Egon Hugenschmidt

Lörrach -  Lörrach (trz) Egon Hugenschmidt war das erste lebende Stadtoberhaupt, dessen Porträt in die Galerie im Rathaus gehängt wurde. Damit würdigte die Stadt ihren verdienten Oberbürgermeister, der von 1960 bis 1984 amtiert hatte.

 Bild: Bild: Trz



Jetzt ist der Alt-OB gut zwei Monate vor seinem 85. Geburtstag gestorben. Auf seinen eigenen Wunsch wird er in aller Stille im kleinen Kreis beerdigt werden.

Die Nachricht vom Ableben des bei den Lörrachern sehr geschätzten Alt-OBs kam überraschend und löste Trauer und Mitgefühlt mit der Familie aus, wenngleich bekannt war, dass es der 84-Jährige gesundheitliche Alt-OB nicht mehr sehr gut gegangenen war. Die Teilnahme an öffentlichen Anlässen war selten geworden. Gleichwohl nahm Egon Hugenschmidt nach wie vor Anteil an der Entwicklung seiner Heimatstadt, die er in der bisher längsten Amtszeit eines Oberbürgermeistern mitgeprägt hat. Der gelernte Verwaltungsjurist folgte 1960 dem plötzlich gestorbenen Arend Braye nach.

Noch relativ jung an Jahren packte er die Aufgaben an, die sich ihm stellten: Wohnungsbau war ein Gebot der Stunde, Baugebiete wurden erschlossen (der Salzert gehört dazu), sechs Schulen (darunter die Theodor-Heuss-Realschule und die Pestalozzi-Schule), das Hallenbad und Sporthallen entstanden, das damals noch städtische Krankenhaus wurde ausgebaut und war dem OB ein Anliegen. In seine Amtszeit fielen die Eingemeindungen von Brombach, Haagen und Hauingen. Worauf Lörrach heute stolz ist und was seine Nachfolger weiter entwickelten, das war unter Egon Hugenschmidt grundgelegt worden.

Lörrach als Wohnstandort, Lörrach als Bildungsstandort (die Schließung der Pädagogischen Hochschule gehörte zu den großen Enttäuschungen seiner Amtszeit), kurz gesagt: es ging ihm darum, Lörrach als Hauptort auf der deutschen Seite der Regio zu stärken – und das lange bevor mit Eurodistrikt und Metropolregion dafür die grenzüberschreitenden „Gefäße“ erfunden wurden.

Die gut nachbarschaflichen Beziehungen nach Riehen und Basel hat der Stettener, der in der schweizer Nachbarstadt stuidert hatte, stets als ganz selbstverständlich gepflegt. Geprägt von Kriegs- und Nachkriegserfahrungen war ihm auch die deutsch-französische Aussöhnung ein Anliegen. So gründete er die Jumelage mit Sens und stellte sie von Anfang auf eine breite Basis in der Bevölkerung. Für diese lebendige bürgerschaftlich getragene Städtepartnerschaft erhielt die Stadt die Europamedaille und die Europafahren und das Stadtoberhaupt die Ehrenbürgerwürde der Stadt Senszwiti.

Der Kunst- und Musikliebhaber förderte auch im Amt die kulturelle Arbeit seitens der Stadt und in den Vereinen. Nicht zuletzt, weil ihm das kulturelle Leben wichtig war, war er bereits die ersten Schritte in Richtung einer neuen Stadthalle gegangenen, stoppte dieses Projekt aber zu Gunsten der Landesgartenschau 1983. Sie war das Vehikel für die Entstehung des Landschaftsparks im Grütt, der neben der Sicherung der Trinkwasserförderung der Gesamtstadt in ihrer Mitte ein zusammenhängendes Naherholungshebiet bescherte. Es zeugte von Mut und den Weitblick des Oberbürgermeisters, dieses Großprojekt angegangenen und umgesetzt zu haben – mit Mitstreitern in der Verwaltung, im Gemeinderat und in der Bürgerschaft. Für dieses und manch anderes Projekt brauchte Egon Hugenschmidt Stehvermögen, um sich in den kontrovers geführten Debatten auch im Gemeinderat nicht von dem als richtig erkannten Weg abbringen zu lassen. So legte er auch den Grundstein zur späteren Fußgängerzone. Die ersten Schritte zum Innenstadtausbau wurden noch in Hugenschmidts Amtszeit getan mit dem Bau des Bahnhofsplatzes und der Einrichtung der Fußgängerzone Turmstraße.

Wie kaum ein anderes Projekt ist das Rathaus mit dem Namen des früheren Oberbürgermeisters verbunden. Das Hochhaus, in dem die Stadtverwaltung unter einem Dach zusammengeführt wurde, nannte der Volksmund rasch „langer Egon“. Das war nicht zuletzt Ausdruck der Wertschätzung, die Egon Hugenschmidt genoss. Und die wurde ihm auch als OB im Ruhestand stets entgegengebracht, wenn er bei öffentlichen Anlässen dabei war.

Er engagierte sich auch ehrenamtlich etwa im Röttelnbund und im Lions Club. Seine Verdienste erfuhren öffentliche Würdigung durch die Verleihung der Ehrenbürgerwürde der Stadt Lörrach (1983) und durch die Verlehung des Bundesverdienstkreuzes Erster Klasse. Marktgeflüster

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