Im Rahmen des städtischen Kulturprojekts „Mahlzeit – zwischen Sterne-Küche und täglich satt“ hatte die Stadtbibliothek aufgerufen, Rezepte für ein Lörracher Kochbuch beizusteuern. Am Donnerstag wurde in der Badenova-Küche dafür gekocht und Food-Fotograf Jürgen Rösner, setzte die Gerichte mit professionellem Blick ins Bild.
Um sechs Uhr früh hat Hannelore Rosskopf bereits ihr Forellenfilet in den Backofen geschoben, normalerweise kocht sie so früh nicht, obwohl sie eine begeisterte Köchin ist. Doch wie so oft ist Hannelore Rosskopf eingesprungen, als Bibliotheksleiter Florian Nantscheff sozusagen auf dem kurzen Dienstweg die Vorsitzende des Freundeskreises der Stadtbibliothek um ihre Mithilfe bat. Für das Lörracher Kochbuch „Lörrach kocht – rund um die regionale Küche“ sollte an diesem Donnerstag fotografiert werden. Die Ehre, die ausgewählten Gerichte zu kochen, stünde eigentlich derjenigen zu, die das Rezept auch eingesandt hatte, doch Margarete Bühler war an der Hand verletzt. Sie schied als Köchin aus, war aber beim Kochen ihrer Gerichte dabei.
Auch die Stadtbibliothek ist also dabei, wenn sich in diesem Jahr alles ums Essen dreht. „Ich bin ja eher fürs Bücherausleihen zuständig, dass ich auch einmal ein Buch machen werde, hätte ich nicht gedacht“, meint Florian Nantscheff. Es sei gar nicht einfach gewesen, einen für alle Beteiligten passenden Termin zu finden. Aber jetzt, da alles läuft, mache es ihm unheimlich Spaß.
Margarete Bühler ist mit der Konsistenz der Selleriesuppe nicht ganz zufrieden. Gerade eben wurde die Suppe noch dafür gelobt, „al dente“ zu sein, auch als Cremesuppe also noch Biss zu haben. Diejenige aber, die das Rezept einsandte, will sie lieber cremiger. Acht der fünfzig Rezepte für das Lörracher Kochbuch stammen von Margarete Bühler. Bis vor zwei Jahren war sie Mitglied im Kochclub des Fernsehkochs Johann Lafer. Passionierte Köchin ist sie immer noch, auch wenn sie dort nicht mehr dabei ist. „Wenn ich gut koche, dann trinke ich ein Glas Sekt dazu“, erzählt sie. Kochen und Essen wollen inszeniert sein und sie weiß, wie es geht.
Axel Becker aus Schliengen kocht an diesem Vormittag ein ganzes Menü: Maroni-Suppe, Rehbraten und Knöpfle und als Dessert ein Zibärtle-Parfait. Der Volkswirt ist leidenschaftlicher Hobbykoch, der Quellen kennt für die besten Zutaten. Den Rehbraten außerhalb der Saison ergatterte er in der Schweiz. Über den Preis hüllt er sich in Schweigen, wer die Schweizer Kunden in hiesigen Metzgereien sieht, bekommt eine Ahnung von dessen Höhe.
Food-Fotograf Jürgen Rösner aus Karlsruhe wechselt zum wiederholten Male das Platz-Set unter der Bollensuppe. Die Farben sind wichtig, überhaupt überlassen Food-Fotografen nichts dem Zufall. Dass da auch einmal geschummelt wird, weiß Jürgen Rösner schon. Er selbst schummele nicht, sagt er. Da ist Eischnee Eischnee und nicht Bierschaum. Den Suppenteller in den Pastateller stellen, das gehe schon, obwohl niemand so etwas tue. Doch die ehrwürdige Bollensuppe, eine Festtagssuppe aus Großmutters Zeiten, kommt im großen Teller mit dem breiten Rand einfach besser zur Geltung. Über allem wacht Günter Rosskopf; Lörrachs rühriger Koch lässt sich mit den Hobbyköchen auf Fachsimpeleien ein, auch er lerne gerne dazu, erzählt er. Überhaupt müsse ein echter Koch improvisieren können, weiß Rosskopf, nicht immer könne man alle erforderlichen Zutaten bekommen.
Es herrscht viel Trubel in der Showküche der Badenova. Und alles nur für ein Buch! Denn das Lörracher Kochbuch wird es nur in der Auflage von einem Exemplar geben. Das liegt vom 26. September an in der Stadtbibliothek aus. Die Rezepte sollen als Kopie für die Ausleihe bestimmt sein, und für alle Internetbenutzer steht die Sammlung dann auch im Internet zur Verfügung. Wenn Lörracher oder Exil-Lörracher weitere regionale Rezepte wissen, können sie das virtuelle Lörracher Kochbuch um ihre Spezialität ergänzen.
