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Lörrach - Homosexuelle integrieren sich

"Rainbowstars": Stefanie Luethe, Sonja Summ, Britta Markutzik, Jonny Schwuler (von links). | Bild: David-Wenk

Lörrach - "Tragen alle Lesben kurze Haare?" Sonja Summ und Stefanie Luethe von den Rainbowstars, der Schwulen-und Lesbengruppe in Lörrach, haben schulterlanges blondes Haar. Deshalb haben sie für solche Vorurteile höchstens ein müdes Lächeln übrig. Auch ob alle Schwulen Köche oder Künstler werden, kann Johnny Schwuler nur als Vorurteil abtun. Er ist engagierter Feuerwehrmann und weiß, er ist nicht der einzige Homosexuelle dort. Die Vorurteile kamen zum Schluss aus dem Off, als Aufzeichnung einer Radiosendung, in welcher die Mitglieder des Vereins Rede und Antwort standen, besonders was bekennende Homosexualität auf dem Land, in einer Kleinstadt nach sich ziehen kann.

Am 5.Dezember 2000 wurde der Verein Rainbowstars Lörrach gegründet, sieben Jahre später meinen die Verantwortlichen, es sei Zeit, an die Öffentlichkeit zu gehen. Während die Basler Gruppe eingegangen ist, weil sich die Szene nach Zürich verlagert hat, so Johnny Schwuler, gibt es die Lörracher immer noch. Die derzeit 12 Mitglieder kommen aus weitem Umkreis, bis in den Kanton Solothurn. Die nächsten Gruppen sind in Freiburg und Konstanz. Vorurteile wollen die Rainbowstars abbauen mit ihren Aktionen. Sie unterscheiden sie sich in ihrer Sexualität, sonst empfinden sie sich als ganz normale Menschen, die dazugehören wollen. Jonny Schwuler strahlt Ruhe aus, ihn wirft so schnell nichts aus der Bahn. Auch keine dummen Sprüche. "Die gehen da rein und da raus", antwortet er auf die Frage, wie sie diesen an Fasnacht begegnen wollen. Denn die Rainbowstars wollen am Fastnachtsumzug 2008 in Lörrach mitgehen, fastnächtlich verkleidet; wie, das bleibt ihr Geheimnis und wird erst am Fastnachtssonntag, 3. Februar, gelüftet.

Ob sie nicht Angst hätten, sich an Fasnacht öffentlich zu zeigen, wo die Hemmschwellen durch Alkoholkonsum erheblich niedriger sind als sonst? In Punkto Sicherheit hätte man sich mit der Narrenzunft schon auf ein Vorgehen geeinigt. Die Rainbowstars können auf die Hilfe der übrigen Narren zählen. Die dummen Sprüche seien sie gewohnt. "Wenn wir uns nicht zeigen, wird nichts besser" weiß Jonny Schwuler. "Noch immer gibt es viele, die Angst haben, auch vor der Gewalt", sagt der rührige Lobbyist in Sachen Homosexualität in Lörrach. Auf einer privaten Internet-Seite, auf der sich Homosexuelle eintragen können, auf der Suche nach was auch immer, fänden sich für Lörrach 280 Einträge. Da müsste es doch möglich sein, davon einige für die Belange der Rainbowstars zu gewinnen, hofft er.

Nicht jeder aus der Gruppe kann mit seiner Homosexualität so offen umgehen wie er oder Sonja Summ. Da ist auch ein Junge, der sich lieber im Hintergrund hält, er kauft ein, organisiert mit, steht zu seiner Homosexualtität, wenn er drauf angesprochen wird. Selbst mit seinem Vater habe er noch nicht gesprochen. Es ist auch in Zeiten des Lindenstraße- und Werbeschwulen nicht einfach, mit seiner Homosexualität umzugehen, jeder sechste sei suizidgefährdet, weiß Jonny Schwuler. Deshalb wollen die Rainbowstars Ansprechpartner sein für Betroffene und deren Eltern. Zwar habe Schwulsein in Filmen und Büchern an Akzeptanz gewonnen, gestiegen sei das Thema jedoch in der Mobbing-(Miss-)Gunst der Jugendlichen. "Schwul" ist nicht nur ein Slangwort für Befremdliches, sondern kann auch die Hatz auf Andersartige eröffnen. Die Rainbowstars arbeiten auch mit dem Stadtjugendring zusammen und mit der Aids-Hilfe. Wer sie braucht, findet sie mittwochs ab 20 Uhr im Nellie Nashorn. Oder jeden zweiten Freitag von 21 bis 24 Uhr auf "Kanal Ratte".

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