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Lörrach Großes Kino zum Wahlkampfauftakt

FDP-Landtagskandidat Manuel Karcher plädiert beim FDP-Neujahrsempfang in Lörrach für einen Weg der Mitte. Bundesvorsitzender Christian Lindner per Skype zugeschaltet

Die Zuhörer und Zuhörerinnen drängen sich. Sitzplätze gibts keine mehr, seitlich und im Foyer stehen sogar einige. Der Saal der Alten Feuerwache in Lörrach ist rappelvoll. „German Mut“, wie der FDP-Kreisverband den Auftritt seines Bundesvorsitzenden Christian Lindner zum Neujahrsempfang und regionalen Wahlkampfauftakt angekündigt hat, zieht offenbar. Vom Krisenmodus einer um die (parlamentarische) Existenz ringenden Partei jedenfalls ist an diesem späten Donnerstagvormittag in Lörrach nichts zu spüren. Im Gegenteil. Die FDP hat sich Optimismus auf die Fahnen geschrieben, aber auch Toleranz. Von daher hegen die Liberalen durchaus auch Sympathien für das merkelsche Credo des „wir schaffen das“, wie Lindner im Lauf seiner Ausführungen wissen lässt.

Dass er die – anders als angekündigt – vor Ort nicht persönlich vorträgt, sondern dass sie mittels einer schnell installierten Skype-Leitung auf eine Leinwand projiziert werden, ist zwar mehr als ein Schönheitsfehler. Der Kreisverband und sein Landtagskandidat im Wahlkreis Lörrach, Manuel Karcher, aber haben aus der Not eines witterungsbedingt verpassten Fluges, wie Lindner erklärt, mit digitaler Technik eine Tugend gemacht: Statt des echten bieten sie den virtuellen Lindner. Das dokumentiert nicht nur die Offenheit der FDP für den Fortschritt, sondern bot „großes Kino“, wie Karcher später bilanzierte und gab auch der auf Werbeplakaten verbreiteten Botschaft der „Stillstandsverweigerung“ eine reale Basis. Lindners Rede jedenfalls hatte immer wieder Textlücken, verzerrte Töne, verwackelte und aussetzende Bilder.

Unbeeindruckt von solchen digitalen Schlaglöchern aber trommelte der wie meist eloquent formulierende FDP-Bundesvorsitzende in einer vor allem von bundespolitischen Themen dominierten Botschaft für einen Politikwechsel im Land, für eine „vernünftige ideologiefreie Bildungspolitik“ und eine Verkehrspolitik, die „das Auto weniger hasst“, aber auch für ein „Signal an die Bundespolitik“, nicht zuletzt in der Flüchtlingspolitik. Die war denn auch einmal mehr das dominierende Thema. Zwar sei die FDP „solidarisch“ mit Menschen, die in echter Not seien. Derzeit aber erlebe die Republik auf diesem Feld „kein gutes Regierungshandeln“, sondern ein „Organisationsversagen des Staates“. Tatsächlich brauche es ein Einwanderungsgesetz, eine Rückkehr zu Recht und Ordnung, sprich zum Dublin-Verfahren, sowie eine wirksame Bekämpfung der Fluchtursachen. „Symboldebatten um Obergrenzen“, wie sie das Bild derzeit prägten, dagegen nützen nur den Rechtspopulisten.

Auch Wahlkreiskandidat Karcher plädierte in seinem Statement dafür, „den Weg der Mitte weiterzugehen“, wie er das nannte. Kriegsflüchtlinge hätten einen Anspruch auf humanitären Schutz.

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