Lörrach Dubiose südafrikanische Goldminen: Anlageberater muss wegen Betrugs ins Gefängnis

Das Amtsgericht Lörrach verurteilt einen 52-jährigen Anlageberater zu einer Haftstrafe von zwei Jahren und vier Monaten.

Wegen elf Fällen des Betrugs ist der 52-jährige Anlageberater, der seit Ende März vor dem Schöffengericht stand, zu zwei Jahren und vier Monaten Freiheitsstrafe verurteilt worden. In fünf weiteren Fällen wurde er freigesprochen. Das Geld, das er durch die Taten erlangt hat, summiert sich auf rund 189.000 Euro.

„Manche Verfahren werden unübersichtlicher, je länger sie dauern. In diesem Fall wurde das Bild mit jedem Verhandlungstag klarer“, stellte der Vorsitzende des Schöffengerichts, Richter Dietrich Bezzel, am Ende fest. Der Angeklagte habe zu allen Punkten Ausführungen gemacht, die für sich genommen plausibel seien.

Tatsächlich unternahm er keine konkreten Schritte, das erhaltene Geld anzulegen, es schmolz sukzessive weg, und immer wieder hat er den Anlegern nicht die Wahrheit gesagt. „Wir haben erhebliche Zweifel, dass es überhaupt geplant war, die Gelder anzulegen“, sagte Bezzel. „Aber Sie sind in der Lage, die Dinge glaubhaft rüberzubringen, auch so, dass die Leute davon eingenommen sind.“

Angeklagter verspricht Opfern hohe Rendite

Der Angeklagte nahm Beträge zwischen 20.000 und 50.000 Euro entgegen und versprach seinen Kunden, sie mit hohen Renditen anzulegen. Später vertröstete er sie: Man brauche eine bestimmte Zahl von Anlegern, um das Investment überhaupt platzieren zu können.

Eine ältere Dame konnte sich wegen des entgangenen Geldes nicht das Seniorenheim leisten, in dem sie gerne gelebt hätte. Das Gericht stellte fest, dass der Angeklagte nicht einmal ernsthafte Anstrengungen unternommen hatte, das Geld anzulegen, sondern es stattdessen für sich verbrauchte.

Investitionen in südafrikanische Goldmine

Dasselbe gilt für Geld, das er angeblich in eine südafrikanische Goldmine investierte. Das Minengelände gab es, aber weder Personal noch Maschinen, um es auszubeuten, und auch ihr Verkauf klappte nicht. Von anderen Personen ließ sich der Angeklagte Geld geben, um in der Schweiz eine Aktiengesellschaft einzurichten, unternahm aber nichts dafür.

Schuldig gesprochen wurde der 52-Jährige auch in einem Fall mit einem dubiosen Geschäftspartner, der für 3,9 Millionen Euro eine Filiale eines Autoteilehändlers kaufen wollte und von den Banken kein Geld bekommen hatte. Der Angeklagte schlug ihm vor, gleich sieben Filialen zu kaufen. Er würde sich an der AG in der Schweiz beteiligen und verlangte zusätzlich Geld für einen Businessplan, den er nicht erstellte.

Erst als der andere Mann ihn bedrohte und schlug, gab er ihm einen Teil des Geldes zurück. Mit mehreren Leuten schloss der Angeklagte Kooperationsverträge. Diese Partner sollten ihm Kunden liefern und dafür Provision erhalten, doch erst einmal verlangte er dafür eine Art Kaution.

Vom Vorwurf des Mietbetrugs freigesprochen

In diesen Fällen sprach das Gericht den Angeklagten frei – und auch von zwei Vorwürfen des Mietbetrugs. Das Gericht konnte nicht sicher feststellen, was vereinbart war. Dass er eine zweite Wohnung nach wenigen Tagen verließ und nicht bezahlte, weil sie in einem schlechten Zustand war, hielt das Gericht für nachvollziehbar.

Staatsanwalt Thomas Müller hielt den Angeklagten in allen Fällen für schuldig und forderte eine Gesamtfreiheitsstrafe von drei Jahren. Er habe nie vorgehabt, das Geld anzulegen. Besonders schwerwiegend sei, dass er betrügerische Geschäfte abschloss, als bereits ein Ermittlungsverfahren gegen ihn lief und Konten blockiert waren. Er sah aber auch, dass die Opfer unkritisch und leichtgläubig waren.

Angeklagter war wegen ähnlicher Fälle vorbestraft

Strafschärfend kam hinzu, dass der Angeklagte mehrmals wegen ähnlicher Taten vorbestraft war.Verteidiger Martin Maier hielt keine Betrugsabsicht für nachgewiesen. Er kritisierte, dass nicht alle der vielen beschlagnahmten Akten durchsucht worden seien.

Auch der Angeklagte sagte, man habe nur das Belastende herausgefischt, aber nichts Entlastendes. Das Gericht stellte fest, es habe alle relevanten Akten gesichtet und der Angeklagte auch keinen Hinweis gegeben, wo sich noch Wichtiges befinden könnte.

Der Angeklagte fühlte sich von Justiz und Kriminalpolizei ungerecht behandelt und hatte bereits Anzeigen gegen zwei Kriminalbeamte und einen Oberstaatsanwalt gestellt. „Es handelt sich um zivilrechtliche Leistungsstörungen, keine Betrugshandlungen. Ich wollte mich nie bereichern und die Leute um ihr Geld betrügen“, versicherte er.

Freispruch wird nicht stattgegeben

Der Verteidiger beantragte Freisprüche, allenfalls aber maximal zwei Jahre Freiheitsstrafe mit Bewährung. Wegen der hohen Schäden und Vorstrafen hielt das Gericht das nicht für möglich. Von der Strafe gelten vier Monate als bereits vollstreckt, weil sich das Verfahren mehrere Jahre hingezogen hat, und sechs Monate wegen der Untersuchungshaft.

Das Gericht meinte, der Angeklagte habe drei seriöse berufliche Standbeine, vom vierten hätte er aber die Finger lassen sollen. Es verhängte dafür ein Berufsverbot von drei Jahren.

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