Ich will bekannt machen, was es bedeutet, in diesem Land als Hausarzt zu arbeiten, und warum es immer schwerer wird, unter den gegenwärtigen Bedingungen Nachfolger für die Praxen zu finden. Es geht mir darum, Schikanen und Fallstricke zu beschreiben, angefangen mit immer neuer Bürokratie, Bestimmungen und Regelungen, bis hin zu permanenten Regress- androhungen und schlechter Bezahlung. Auch will ich nicht mehr, dass Menschen, mit denen ich darüber spreche, Mühe haben, mir überhaupt zu glauben. Das Buch spricht nur das aus, was eigentlich die Aufgabe unserer Standesvertreter wäre, die sich aber lieber in vornehmer Zurückhaltung üben.
Sie haben die Praxis in Lörrach 1983 übernommen. Was hat sich strukturell in den 25 Jahren ihrer Tätigkeit als Hausarzt verändert?
Bereits in der zweiten Hälfte der 80er Jahre verschlechterte sich die Situation durch spürbar zunehmende Bürokratie, es wurde an immer neuen Gebührenordnungen herumexperimentiert, Verschlüsselungssysteme für Diagnosen und Kochbuchmedizin nach Plan wurden eingeführt. Die Chipkarte löste den Krankenschein ab, die ungeliebte Praxisgebühr wurde ersonnen, schließlich wurden die Honorare kontinuierlich gekürzt, so dass sich das Realeinkommen der Ärzte seit Mitte der 90er Jahre quasi halbiert hat. Hinzu kommt, dass die Anzahl älterer Menschen gewachsen, gleichzeitig aber die Anspruchshaltung von Versicherten enorm gestiegen ist.
