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Binzgen/Bad Säckingen Fall wird zur Farce

Binzgen/Bad Säckingen (msb) Eigentlich sollte am Amtsgericht Bad Säckingen ein Fall mit ernstem Hintergrund verhandelt werden: Ein 30-Jähriger aus Binzgen ist angeklagt, eine Vermögensberaterin über Monate hinweg am Telefon belästigt und bedroht zu haben. Doch was sich dann abspielte glich einer Farce, die den Fall über weite Strecken völlig in den Hintergrund drängte.

Anlass dafür war der Status des vom Angeklagten hinzu gezogenen Verteidigers Jürgen Kron: Dieser bezeichnet sich als Rechtsphilosoph und besitzt keine Zulassung als Rechtsanwalt. Wortreich versuchte Kron zwar zu begründen, warum er die Verteidigung trotzdem übernehmen dürfe. Auf Richter Schumann machte dies hingegen wenig Eindruck. Er lehnte Kron als Verteidiger ab. Die Gründe: „Herr Kron scheint nicht vertrauenswürdig und sachkundig genug zu sein, um eine ordentliche Verteidigung des Angeklagten zu gewährleisten.“ Außerdem sah Schumann berechtigte Gründe dafür gegeben, dass Kron keineswegs an einer sachlichen Prozessführung gelegen sei.

Die Reaktion des zurückgewiesenen Rechtsphilosophen kam prompt: Er legte dem Richter einen regelrechten Katalog von teilweise fadenscheinigen Anträgen vor. Was folgte, war minutenlage gegenseitige Provokation von Richter und Zuhörern. Rechtsphilosoph Kron und zahlreiche andere Zuschauer störten die Verhandlung mit Zwischenrufen. Richter Schumann nuschelte die Anträge kaum verständlich herunter und lehnte sie allesamt ab, was wiederum einen Zuhörer veranlasste zum Richterpult zu gehen und sein Recht einzufordern, ordentlich informiert zu werden. Ein anderer Zuhörer verließ protestierend den Saal.

Erst nach anderthalb Stunden konnte die eigentliche Verhandlung beginnen. Und schnell wurde klar: Leidtragender dieses ganzen Theaters war der Angeklagte, der allein und hilflos da saß und zwischendurch von Jürgen Kron Anweisungen zugeschoben bekam.

Der Fall selbst erschien recht verworren: Die betroffene Vermögensberaterin hat dem Angeklagten auf Empfehlung angerufen, um einen Beratungstermin abzumachen. Der Termin kam nie zustande, dafür wurde die Frau monatelang telefonisch terrorisiert. Die Folge: Die Frau erlitt Nervenzusammenbrüche und Panikattacken. Irgendwann zeigte sich auf dem Display die Nummer des Anrufers und die Frau zeigte diese bei der Polizei an. Der Angeklagte ist der Besitzer dieser und zahlreicher anderer Handynummern, beharrt aber darauf, dass er diese Nummer nie benutzt. Belastend wirkte dagegen die Aussage der ermittelnden Polizistin, die das Handy beschlagnahmt hat: „Er hat gefragt, ob das Telefon auch analysiert wird, wenn die Anrufe aufhören.“

Nach mehr als vierstündiger Sitzung wurde die Verhandlung vertagt. Grund: Zunächst muss das Landgericht über eine Beschwerde gegen die Absetzung des Rechtsphilosophen Kron als Verteidiger entscheiden.

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