Laufenburg „Enorme negative Auswirkungen“
Diese Darstellung der Nagra zeigt die Oberflächenanlagen eines Endlagers für hochradioaktive Abfälle. Die Szenerie kommt den realen Gegebenheiten südöstlich von Frick sehr nahe. Bild: Nagra
Die Schweiz informiert am 14. Februar in Laufenburg über den Stand ihrer Suche nach einem atomaren Tiefenlager. Wir sprachen mit Bürgermeister Ulrich Krieger, deutsches Mitglied im Leitungsteam der Atomendlager-Regionalkonferenz.
Hat die Bevölkerung in Laufenburg/Baden und seinen Nachbargemeinden überhaupt schon realisiert, dass die Schweiz in etwa zehn Jahren möglicherweise nur wenige Kilometer Luftlinie entfernt mit dem Bau eines Atomendlagers beginnen wird?
Ich habe den Eindruck, dass die Bevölkerung erst jetzt so langsam begreift, was da auf uns zukommen kann. Insbesondere in den letzten Wochen seit Bekanntgabe der Standorte für die Oberflächenanlagen scheint das Interesse stärker zu werden. Dies liegt vielleicht auch daran, dass mit den nun bekannt gewordenen Standorten die Suche nach einem Atomendlager erstmals konkret und damit für die Menschen greifbar wird. Ich hoffe deshalb sehr, dass viele Bürgerinnen und Bürger die Möglichkeit wahrnehmen, sich aus erster Hand zu informieren.
Die Schweiz prüft derzeit mehrere Standorte. Wie hoch schätzen Sie die Wahrscheinlichkeit ein, dass das atomare Tiefenlager an den Bözberg kommt?
Wir befinden uns innerhalb der Standortsuche erst in Etappe 2 und auch dort in einem sehr frühen Stadium. Ich halte es deshalb für verfrüht, bereits über das Ergebnis zu spekulieren. Fakt ist allerdings auch, dass der Bereich Jura Ost, wie die Region um den Bözberg ja genannt wird, eine der wenigen ist, welche sowohl als Lager für schwach-mittelradioaktive Abfälle als auch für hochradioaktive Abfälle geeignet ist.
Welche Auswirkungen hätte ein Atomendlager am Bözberg auf Laufenburg?
Ein geologisches Tiefenlager in unmittelbarer Nachbarschaft hätte immense Auswirkungen – nicht nur für Laufenburg sondern für die gesamte Region. Der Südschwarzwald und der Hochrhein sind beliebte Ferienziele. Wir befürchten deshalb enorme negative Auswirkungen für die Tourismusbranche. Wer macht schon gerne Urlaub an einem Ort, wenn er weiß, dass sich in unmittelbarer Nähe ein Atomendlager befindet? Sorge bereitet uns aber auch eine Vielzahl ungeklärter Fragen. Wie verhält sich ein Atomendlager beispielsweise auf die Grundwasserströme im Grenzbereich? Welche gesundheitlichen Gefahren gehen von solch einem Atomendlager aus?
Was ist Ihre Meinung zur Vorgehensweise der Schweiz bei der Suche nach einem Standort für das Endlager?
Es ist grundsätzlich positiv zu bewerten, dass die Schweiz mit dem von ihr initiierten Partizipationsverfahren den Bürgerinnen und Bürgern und damit auch den deutschen Gemeinden ein Beteiligungsrecht zugesteht. Allerdings wurde die Anzahl der deutschen Vertreter sehr stark reglementiert. Wir hätten uns gewünscht, dass man sich bei der Beteiligung am Bevölkerungsschlüssel orientiert und sich mehr deutsche Vertreter ins Verfahren einbringen können. Schließlich sind die abzuarbeitenden Fragestellungen gewaltig und die Zeitvorgaben eng. Auf der anderen Seite wissen wir alle, dass in der Regionalkonferenz keine Entscheidung über den künftigen Standort getroffen wird. Wir erhalten lediglich sehr viele Informationen und können den Behörden Vorschläge unterbreiten. Die Entscheidung über den Standort trifft letztlich alleine das Schweizer Stimmvolk, nachdem zuvor der Bundesrat eine Empfehlung abgegeben hat. Deutschland wird außen vor bleiben.

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