Ein Urteil wegen Körperverletzung gegen einen Lehrer im Kreis Waldshut verunsichert die Pädagogen. Die Lehrergewerkschaft VBE holte sich Sachverstand bei einem Rechtsanwalt.
Die Angst geht um im Lehrerzimmer. Seit ein Pädagoge aus dem östlichen Kreis Waldshut verurteilt wurde, weil er einen Schüler am Genick aus dem Klassenzimmer schob, herrscht Irritation über die Rechte der Pädagogen. Den Anwalt des Lehrers, Urs Gronenberg, erwarteten bei der Lehrergewerkschaft VBE viele Fragen. Ein Fazit: Das Gesetz schafft wortwörtlich „Distanz“ zwischen Schülern und Lehrern.
Keine Justizschelte wollte der Rechtsanwalt üben, zur Versachlichung jener Diskussion beitragen, die nach dem nicht rechtskräftigen Urteil der Amtsrichterin eingesetzt hatte. Der Richterin bescheinigte der 44-Jährige ein „salomonisches“ Urteil, die Staatsanwaltschaft kam weniger gut weg.
Anlass war, wie berichtet, der Griff eines Lehrers ins Genick eines Zwölfjährigen, der sich nach der Pause im falschen Klassenzimmer aufhielt. „Am Schlafittchen“ schob der 59-Jährige den Schüler auf den Flur. Ein Arzt attestierte anderntags eine „Hautrötung“. Mit der Folge einer Anzeige, die wiederum in einen Strafbefehl der Staatsanwaltschaft mündete.
Mit den 120 Tagessätzen (7200 Euro) wäre der Pädagoge vorbestraft gewesen. Er widersprach. Bei der Hauptverhandlung legte die Anklagebehörde nach und plädierte auf eine Geldstrafe über 11 000 Euro. Die Richterin sah dagegen einen minderschweren Fall, kam auf 2600 Euro Geldstrafe, die aber zur Bewährung ausgesetzt ist, und zu einer Verwarnung über 650 Euro.
Gegen das Urteil legten zunächst beide Seiten Berufung ein, die Staatsanwaltschaft zog inzwischen zurück. Der beschuldigte Lehrer strebt einen Freispruch an, immerhin droht noch ein Disziplinarverfahren.
Beim Informationsnachmittag des „Verbandes Bildung und Erziehung“ im Waldshuter Schützenhaus zeigte sich, dass der Prozess die Pädagogen weiter umtreibt. „Es ist nicht so, dass die Lehrer mit einem Bein vor dem Kadi stehen“, beruhigte zwar der aus Lörrach angereiste Schulamtsdirektor Helmut Rüdlin. Aber auch er beobachtet „in den letzten Jahren eine massive Zunahme der Beschwerden von Eltern und von Rechtsstreitigkeiten“.
Ein Rat des Rechtsanwaltes und auch vom VBE-Kreisvorsitzenden Josef Klein an die zahlreichen Lehrer: Kinder möglichst nicht berühren!