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Kreis Lörrach Standzeit bleibt noch Jahre

25.08.2012
Kreis Lörrach -  Die achtminütige Zwangspause der Regio-S-Bahn Basel-Zell im Badischen Bahnhof in Basel ist ein Ärgernis. Spürbar verkürzen werde sich der Halt aber erst in vier bis sechs Jahren, hieß es am Mittwoch im Riehener Gemeindeparlament.

In Riehen müsste das zweite Gleis als Ausweichstrecke reaktiviert werden.  Bild: GRA

Derzeit stehen die S-Bahnzüge im Badischen Bahnhof rund acht Minuten.  Bild: DIR

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Emmanuel Ullmann, der im Herbst für den Basler Regierungsrat kandidiert, schlägt vor, Riehen direkt mit dem Bahnhof SBB zu verbinden und den Badischen Bahnhof teilweise abzukoppeln. Vertreter von Landratsamt und Eurodistrict können dem aber nichts abgewinnen.

In der Riehener Zeitung machte Ullmann seine Idee gestern, Freitag, öffentlich. Mit einer neuen Rechtsverbindung nach der Schwarzwaldbrücke würde die Fahrt Basel SBB-Riehen statt heute bis zu 18 Minuten nur noch neun Minuten dauern, rechne der Politiker der Grünliberalen Partei vor, der Ende Oktober in die Basler Kantonsregierung gewählt werden will. Da der Badische Bahnhof rege genutzt wird, schlägt Ullmann vor, seine Idee erst umzusetzen, wenn der Viertelstundentakt Realität ist. Dann könnten die Züge im Halbstundentakt abwechselnd über den Badischen Bahnhof oder direkt nach Riehen fahren. „In Zeiten von Hochgeschwindigkeitsanbindungen ist es überfällig, unsere einzige gewichtige innerkantonale Verbindung endlich attraktiver zu gestalten“, schreibt Ullmann auf seiner Homepage.

Auf die Schnelle ist ein Viertelstundentakt allerdings nicht zu machen. Das gibt die Infrastruktur nicht her. Damit die Züge in dichterem Takt fahren können, bräuchte es zwei weitere Doppelspurinseln, wo sich die S-Bahnen kreuzen können, eine in Lörrach, etwa in Stetten, wo ein zweites Gleis, das vor Jahren herausgerissen wurde, erst wieder gelegt werden müsste, und eine in Riehen. Dort liegt beim Bahnhof zwar noch ein zweites Gleis; der alte Zwischenbahnsteig, der derzeit nicht genutzt wird, wäre aber baulich anzupassen. Und dann stellt sich die Frage, wer das bezahlen soll. Im zweiten Agglomerationsprogramm Basel taucht der Doppelspurausbau Lörrach-Riehen erst für die Zeit nach 2023 auf.

Und dem Land Baden-Württemberg fehlten derzeit die erforderlichen Mittel, um umfangreichere neue Bestellungen tätigen zu können, berichtete der in der Riehener Regierung für Mobilität zuständige Thomas Meyer im Einwohnerrat. Er antwortete auf eine Anfrage des SP-Einwohnerrates Roland Engeler, der sich für ein besseres Angebot auf der S 6 stark macht, berichtete. Eine Verbesserung hatten sich wie Engeler viele von der anstehenden Inbetriebnahme der zweiten Eisenbahnbrücke über den Rhein erhofft. Diese schafft mit einem dritten und vierten Gleis zusätzliche Kapazitäten und könnte die Wartezeit im Badischen Bahnhof verkürzen. Vorderhand ist dem aber nicht so. Zum einen sind weitere Gleisumbauten erforderlich, was zu „Langsam-Fahrstrecken“ für Schnellzüge führe, so dass der Zeitgewinn aufgefressen wird. Zum anderen wird nach der Eröffnung der neuen Brücke die alte saniert, weshalb Riehen damit rechtet, dass erst ab 2016/17 vier Spuren über den Rhein zur Verfügung stehen und sich die Wartezeit im Badischen Bahnhof kaum vor 2016 bis 2018 markant verkürzt.

Dass ein kürzerer Halt, eine schnellere Verbindung zum Bahnhof SBB sowie ein Viertelstundentakt anzustreben sind, steht für Bastian Lehmann, stellvertretender Verkehrsdezernent im Lörracher Landratsamt, außer Frage. Ullmanns Idee kann er aber nichts abgewinnen. Schließlich sei der Badische Bahnhof – auch für Schweizer Fahrgäste – vor allem in Richtung Hochrhein, aber auch auf die Rheintalstrecke der zentrale Umsteigepunkt. Diesen auch nur teilweise zu kappen, sei für die Pendlerströme nicht zielführend. Heinrich Ueberwasser, wie Ullmann Basler Großrat, Präsident des Riehener Gemeindeparlamentes und Vizepräsident des Trinationalen Eurodistrictes Basel, bezeichnet Ullmanns Vorstoß sogar als Skandal.

Der Jungpolitiker setze mit einer „typischen Wahlkampfidee erschreckend leichtfertig 150 Jahre Vergangenheit und 150 Jahre Zukunft aufs Spiel“. Den Badischen Bahnhof auch nur teilweise abzukoppeln sei ein Schlag gegen die regionale Zusammenarbeit und den Eurodistrict. Die Idee zeuge von wenig Kenntnis der Geschichte, des Staatsvertragsrechts, des Umsteigeverhaltens der Fahrgäste im Badischen Bahnhof sowie der Potenziale der regionalen Zusammenarbeit. Es dürfe nicht in einzelnen Strecken, sondern müsse im Zusammenhang eines Netzes gedacht werden, fordert Ueberwasser. Und in diesem Netz sei der Badische Bahnhof, dem Basel einen Gutteil seines Aufschwungs zu verdanken habe, ein wichtiger Knoten, der keinesfalls zerschlagen werden dürfe.

Ullmanns Vorschlag lehnt er noch aus einem anderen Grund ab. Angesichts des derzeit nicht gerade einfachen Verhältnisses zwischen Deutschland und der Schweiz – Stichworte sind Frankenstärke, Steuerabkommen und Zürcher Fluglärm – belaste solch ein Vorstoß die nachbarschaftlichen Beziehungen unnötig.

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