Lörrach Jedes dritte Auto im Kreis Lörrach ist ein Diesel

Im Landkreis Lörrach sind knapp 40 000 Dieselautos registriert. Rund 9000 der Fahrzeuge sind älter als zehn Jahre.

Im Kreis Lörrach sind nach Angaben des Kraftfahrt-Bundesamtes vom Jahresbeginn knapp 40 000 Diesel-Autos registriert. Das ist etwa ein Drittel aller unter dem Kennzeichen „LÖ“ gemeldeten Personenwagen. Allein deren Abgase reichern die Atmosphäre im Wiesental, im südlichen Markgräflerland und am Hochrhein pro Jahr mit gut 100 Tonnen Stickoxid (NOx) an. Wie aber lässt sich die Menge des schädlichen Gases wirksam reduzieren? Die Nachrüstung von Euro-5-Dieseln, wie sie beim Dieselgipfel am 2. August beschlossen wurde, bringt da eher wenig. Denn die zwischen Schliengen und Schwörstadt angemeldeten Euro-5er produzieren nur gut ein Viertel, oder exakt 27,64 Prozent, der Dieselauto-Stickoxide.

Anders sieht es bei älteren Modellen aus, die die Schadstoffklasse Euro 4 oder niedrigere haben; laut Kraftfahrt-Bundesamt waren das zwischen Weil und Todtnau zu Jahresbeginn mehr als 18 200 Fahrzeuge. Auf diese entfallen gut zwei Drittel der Diesel-Stickoxide. Zugelassene Nachrüstlösungen aber gibt’s für diese Fahrzeuge nicht und mit Softwareupdates geht gleich gar nichts.

Seit in Stuttgart die Deutsche Umwelthilfe und die grün-schwarze Landesregierung vor dem Verwaltungsgericht die Klingen kreuzten, scheint der Weg für Dieselfahrverbote aus juristischer Sicht an bestimmten Orten zwar frei. Technisch-chemisch-physikalisch macht die juristische Sicht im Übrigen auch Sinn. Von den Euro-5-Dieseln, die teilweise noch bis August 2015 verkauft wurden, sind nach Herstellerangaben zwar überhaupt nur 50 Prozent per Software updatebar.

Betrachtet man das Ganze indes unter dem Gesichtspunkt, dass kein Stickoxid das gesündeste NOx ist, zeigen die Werte ohnehin klar, wo angesetzt werden müsste. Ältere Dieselmodelle mit der Schadstoffklasse Euro 4 und weniger pusten im Kreis Lörrach gut 68 Tonnen NOx in die Luft. Die wären weg, wenn diese Modelle weg wären. Das indes ist leichter gesagt als getan. Die von Landesverkehrsminister Winfried Hermann (Grüne) forcierten Blaue Plaketten und Blaue Umweltzonen wären zwar ein Instrument, diesen Prozess zu beschleunigen. Hermann setzt darauf und will nach der Bundestagswahl einen erneuten Anlauf nehmen. Denn Blaue Zonen, erhöhen den Druck auf Menschen mit älteren Dieseln, diese loszuwerden, wie die Erfahrung mit der Einführung der Umweltzonen zeigt. Das sagt er ganz unverhohlen.

Thema als sozialer Sprengstoff

De facto aber sind sie ein Fahrverbot de Luxe – rund um die Uhr und das ganze Jahr. Deshalb sind sie auch brisant für Wahlergebnisse: Das Ende Juli verkündete Urteil des Stuttgarter Verwaltungsgerichtes treffe zu einem großen Teil Familien mit mittlerem und kleinem Einkommen, begründet Carsten Beuß, Hauptgeschäftsführer des Verbandes des Kraftfahrzeuggewerbes Baden-Württemberg. Denn vor allem diese nutzten die „sehr langlebigen Diesel-Autos“. Für Christian Reher, Geschäftsführer der Stuttgarter Kraftfahrzeuginnung ist klar, dass diese bei einem Fahrverbot sofort verschwinden müssten. „Das ist sozialer Sprengstoff“, sagt er.

Beide Verbände trommeln seit über einem Jahr für eine Umstiegsprämie. Diese würde auch einen finanziellen Anreiz zum sozialverträglicheren Umstieg von den vom „Klimafreund“ zum „Umweltteufel“ mutieren älteren 18 200 Dieselautos im Kreis Lörrach schaffen – von den Euro-4- oder Euro-3-Fahrzeugen bis zu wirklich alten Fahrzeugen. So rangieren laut Kraftfahrt-Bundesamt im Kreis noch etwa 3250 Fahrzeuge in den Klassen Euro-2 oder darunter, dass heißt sie haben Typengenehmigungen, die vor dem Jahr 2001 datieren, und stoßen drei bis vier Mal so viel NOx aus wie ein Euro 5-Diesel. Eine Blaupause für die Idee gibt es im Übrigen, und zwar die Abwrackprämie, die 2008/09 in der Finanz- und Wirtschaftskreis half, die Autoindustrie zu stabilisieren. Der Gedanke hat auch in der Politik bereits Fuß gefasst: Bayerns Ministerpräsident Horst Seehofer (CSU) und sein niedersächsischer Noch-Kollege Stephan Weil (SPD) etwa haben Steuererleichterungen im Sinn. Inzwischen locken zudem schon fast alle hierzulande aktiven Hersteller mit Umweltrabatten, Umstiegs- und Rückkaufprämien für alte Diesel von zum Teil bis zu 10 000 Euro.

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