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Kreis Lörrach Jäger schießen gegen Gesetzesentwurf

Diskussion mit regionalen Politikern beim Stammtisch auf der Lörracher Regio-Messe. Konflikt der Interessensgruppen

Die Jäger sind sauer. Auch im Kreis Lörrach reagieren sie mit erbittertem Widerstand auf den Entwurf eines neuen Landesjagdgesetzes. Sie fühlen sich durch Natur- und Tierschutz bevormundet. Für die Jägerschaft sei der Entwurf nicht akzeptabel und auch den Jägern im Kreis Lörrach nicht vermittelbar, hieß es bei ihrem Politiker-Stammtisch auf der Regio-Messe.

Der Stammtisch, zu dem die Badischen Jäger Lörrach zum dritten Mal im Rahmen der Messe eingeladen haben, war bisher ein freundlicher Austausch. Diesmal steckte Brisanz darin, nachdem schon der Landesjagdverband vehement gegen den Gesetzesentwurf protestiert hatte. „Wir sind nicht gegen eine Anpassung des Landesjagdgesetzes. Die Nachbarn beneiden uns um dieses Gesetz, aber dem Machwerk, das jetzt vorgelegt wurde, können wir nicht zustimmen“, sagte Ralf Herzog. Er ist stellvertretender Kreisjägermeister und stellvertretender Bezirksjägermeister und damit auch Mitglied im Präsidium des Landesverbandes.

Bis Oktober 2013 hätten 27 gemeinsame Sitzungen stattgefunden, an der Vertreter der Landesregierung wie auch Jäger teilgenommen haben, berichtete Herzog. Dann habe man bis Mitte März nichts mehr gehört. „Da wurde hinter verschlossenen Türen mit anderen Interessenverbänden geklüngelt und dann ein Entwurf an die Presse gegeben, ohne die Jäger vorher zu informieren“, sagte Herzog.

Er sieht in dem Entwurf des neuen Landesjagdgesetzes die Interessen der Naturschutzverbände Nabu und BUND stärker berücksichtigt als die Interessen der Jäger. Da seien Dinge in das Gesetz hineingekommen, von denen in den Gesprächen zuvor nie die Rede gewesen sei. „Und es gibt keinen Paragrafen im alten Jagdgesetz, der gegen den Naturschutz verstößt“, meinte Herzog. Dem widersprach der frühere SPD-Landtagsabgeordnete Alfred Winkler aus Rheinfelden und nannte als Beispiel Totschlagsfallen. Er wies darauf hin, dass der Tierschutz wie der Naturschutz mittlerweile Verfassungsrang habe und deshalb höherrangig sei als die Interessen der Jäger. In manchen Punkten habe die SPD-Fraktion allerdings auch Bauchweh bei dem Gesetzesentwurf, weshalb es sein könne, dass sich hier und dort noch etwas ändere, meinte Winkler. Dass die Interessen einer jeden Gruppierung indessen vollständig berücksichtigt werden, könne nicht sein, stellte er klar.

Der CDU-Bundestagsabgeordnete Armin Schuster meinte, bei kaum einem anderen Thema würde seine Fraktion sich mit den Grünen so erbitterte Redeschlachten liefern wie beim Tierschutz. Und das Landesjagdgesetz trage nun mal die Handschrift eines grünen Ministers.

Ein Dissenspunkt ist die Regelung des Ersatzes von Wildschaden. Der Gesetzesentwurf sieht vor, dass bei von Wild abgefressenem Mais der Landwirt 20 Prozent des Schadens tragen soll, der Jagdpächter 80 Prozent. Die Jäger fordern stattdessen eine solidarische Wildschadensersatzkasse, die für solche Fälle aufkommt. In diese sollen Jäger, Landwirte und auch Waldbesitzer, also auch das Land, einzahlen.

Dieser Forderung schloss sich auch Christoph Hoffmann, Bürgermeister von Bad Bellingen und Vorsitzender des Gemeindetags im Landkreis Lörrach, an. Er befürchtet durch das neue Gesetz auch einen Mehraufwand bei den Gemeinden und weniger Einnahmen aus der Jagdpacht. Erich Hildebrand, Kreisrat der Freien Wähler, sprang den Jägern in Sachen Jagdruhe bei. Dass Wildschweine vom 15. Februar bis zum 15. April im Wald nicht bejagt werden dürfen, sei unlogisch, weil sie sich zu dieser Zeit gar nicht auf dem Feld aufhalten. Den Jägern würden damit zwei Monate Zeit zur Regulierung der Schwarzwildbestände genommen, kritisierte Herzog. Und das, obwohl man für volle zwölf Monate Jagdpacht zahle. Er will auch nicht einsehen, dass die Ruhe im Wald nur für die Jäger gelten solle, während Mountainbiker und Geocacher trotzdem das Wild aufscheuchten.

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