basel Geothermie: Leichte Erdbeben sind nicht ausgeschlossen

In Basel wurde damit begonnen, das seit 2011 verschlossene Geothermie-Bohrloch zu öffnen und stufenweise Druck abzubauen

Basel – Weil im Umkreis des seit 2011 verschlossenen Geothermie-Bohrlochs in Kleinhüningen Mikrobeben zunahmen, haben die Industriellen Werke Basel (IWB) dieser Tage begonnen, das Bohrloch zu öffnen und langsam Druck abzulassen. Bei der ersten Öffnung sei alles nach Plan gelaufen, hieß es am Mittwoch bei einem Vor-Ort-Termin.

Zwar liegt das spürbare Erdbeben schon gut zehn Jahre zurück, doch etliche Bewohner der Regio werden sich noch daran erinnern. Ende 2006 bebte die Erde rund um Basel mit einer Stärke von 3,4 nach der Richter-Skala. Ausgelöst hatte die tektonische Aktivität das Geothermie-Bohrloch. Andernorts hatte man in Mitteleuropa bereits gute Erfahrungen gesammelt.

Das Prinzip: Es wird ein tiefes Loch in die Erdkruste gebohrt und Wasser eingedrückt, das sich im Untergrund durch die Erdwärme erhitzt. Wieder entnommen könnte dieser Wasserdampf einen Generator antreiben. 5000 Meter bohrten die IWB damals in die Tiefe; oben noch rund 60 Zentimeter lag der Durchmesser des Loches ganz unten bei etwa 20 Zentimetern. Bis in die Tiefe von 4500 Metren ist das Loch mit Stahlrohren ausgekleidet, die letzten 500 Meter im kristallinen Gestein sind von Natur her fest. Nach den Erdbeben wurde das Geothermie-Projekt 2009 beendet und das Bohrloch verschlossen, seitdem steht es unter ständiger Kontrolle des Schweizerischen Erdbebendienstes im Auftrag der Schweizer Bundesregierung. Sie hat jetzt die Entscheidungshoheit über das Loch. Es einfach wieder zu verfüllen ist nicht möglich; das würde am Druckaufbau nichts ändern, stattdessen könnte die Situation unberechenbar werden.

Nach den Erfahrungen der Erdbebenforscher könnte der sich ständig wieder aufbauende Druck zu weiteren kleinen Erdbeben führen. Nachdem eine norwegische Fachfirma eingeschaltet wurde, empfahl der Erdbebendienst, den Druck kontrolliert zu verringern. Eine schnelle Öffnung könnte zu einem unkontrollierbaren Ausbruch und schweren Schäden führen. Derzeit beträgt der Druck 8,5 Bar. Im Wochenrhythmus erfolgen nun Öffnungen, bei denen der Druck jeweils um 0,5 Bar gesenkt wird. Zunächst ist ein Zeitraum von zehn Wochen vorgesehen. Doch auch bei dieser langsamen Druckminderung könnte es in der Region zu leichten Erdbeben kommen.

In der Vergangenheit erreichten die zahlreichen Minibeben mehrheitlich eine Magnitude von etwa 1,5, lediglich eines lag bei 1,9 und eines bei 2,5. Da Beben mit Magnituden unter 2,0 von Menschen nicht wahrgenommen werden, trat bisher keine Gefahr auf. Als sicher schließt der Schweizerische Erdbebendienst aus, dass die tektonischen Bewegungen um das Bohrloch Auslöser für ein großes Beben in der Region Basel sein könnten, da die Zentren für solche Erdbeben in deutlich tieferen Schichten liegen. Bei der ersten Öffnung des Bohrlochs vorige Woche wurden 17,3 Kubikmeter Wasser entnommen, das mit einer Temperatur von nur 23 Grad austrat. Vorsorglich war ein Container als Abkühlbehälter aufgestellt worden. Das mit ausgetretene Gas besteht zu 92 Prozent aus Stickstoff und zu sechs Prozent aus Sauerstoff, lediglich 0,5 Prozent ist Methan.

Vorsorglich wurde eine Anlage für eine kontrollierte Abfackelung aufgestellt, falls beim Gas eine unerwartete Veränderung in der Zusammensetzung auftritt. Zu Beginn der geothermischen Arbeit wurden 11000 Kubikmeter Wasser eingedrückt, dabei lag der höchste Druck bei 300 Bar. Dass die eingedrückte Wassermenge wieder vollständig herauskommt, sei nicht anzunehmen, hieß es am Mittwoch, ein erheblicher Teil dürfte inzwischen in die tiefen Gesteinsschichten eingedrungen sein. „Wir haben uns auf viele möglichen Komplikationen eingestellt“, sagte IWB-Projektleiter Sascha Pfändler. „Bis jetzt haben wir keine Anzeichen dafür, dass etwas nicht so abläuft, wie wir erwarten. Aber kleine Beben können wir nicht ausschließen.“

Die Kontrollen aller Arbeit am Bohrloch liegen beim Gesundheitsdepartement als zuständige Behörde für Gesundheitsprävention. Wenn die ersten Öffnungen mit einem halben Bar Druckreduzierung problemlos ablaufen, ist für die weiteren Öffnungen eine Verdoppelung vorgesehen. Langfristiges Ziel sei es, das Loch endgültig offen zu lassen, sagte Philipp Hübner, Leiter des Kantonalen Laboratoriums. Wann das möglich wird, sei noch nicht absehbar. Die Behörden in den Nachbarorten Deutschlands und Frankreichs seien in die Informationskette zu allen Abläufen eingebunden.

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