Der DRK-Ortsverein Jestetten hat über 2200 Unterschriften gesammelt, in der Hoffnung, dass der Notdienst im Jestetter Zipfel wieder wie bisher verrichtet wird. Bei schweren und lebensbedrohlichen Fällen kommt seit dem 1. Juli der Notarzt aus Waldshut, Stühlingen oder mit dem Rettungshubschrauber aus Zürich. In keinem der Fälle kann die gesetzliche Hilfsfrist von 15 Minuten eingehalten werden.
Bis zum 31. Juni haben die vier niedergelassenen Ärzte im Jestetter Zipfel Notdienst geleistet, neben ihrer Praxisarbeit her. Weil die Verhandlungen auf Landesebene zwischen den Kostenträgern und der Kassenärztlichen Vereinigung Baden-Württemberg gescheitert sind, haben die Bereichsnotärzte erklärt, dass sie die notärztliche Tätigkeit zu den bisherigen Bedingungen nicht mehr wahrnehmen werden. Der Bereichsausschuss für den Rettungsdienst im Bereich Waldshut ist auch nicht bereit, auf die Forderungen der Ärzte einzugehen und so das bewährte und den gesetzlichen Bestimmungen gerechte System fortzuführen. „Wir verlangen, dass unverzüglich der Notdienst mit unseren niedergelassenen Ärzten in der bewährten Form wieder eingerichtet wird“, steht unter dem Schreiben, das in verschiedenen Geschäften und Arztpraxen im Jestetter Zipfel auslag.
„Wir haben keine Klinken geputzt und die Leute nicht zur Unterschrift gedrängt“, betont Alfons Brohammer, Vorsitzender der Ortsgruppe. Die Bevölkerung sei durch Medieninformationen verunsichert wordern. Brohammer wurde oft auf die Problematik angesprochen. „Da rufe ich das nächste Mal gleich den Bestatter, dann weiß ich, woran ich bin“, klagte eine alte Frau. Leute mit schwerer Erkrankung fallen Brohammer zufolge angesichts der Notarztmisere häufig in Panik. Viele hätten Angst, dass der Helikopter vor der Haustür landet und für Aufsehen sorgt. Oft werde der Schwerkranke dann mit dem Privatauto ins Spital gefahren.
Der Jestetter Notarztwagen, der vor sieben Jahren durch Spendengelder der Bevölkerung finanziert wurde, steht nun ungenutzt in der Feuerwehrremise in Lottstetten. „Wenn die Beteiligten sich nicht einigen, wird der Notarztwagen wohl verkauft“, so der DRK-Bereitschaftsleiter Thomas Wipf. Je länger die Verhandlungen gehen, umso unwahrscheinlicher wird eine Lösung. „Irgendwann wollen die Kostenträger und die Ärzte nicht mehr“, befürchtet Brohammer. Die Ärzte haben sich mittlerweile an ihre zusätzliche Freizeit gewöhnt. Noch sind sie bereit, den Notdienst wieder aufzunehmen, doch wie lange noch? Auf Initiative der Jestetter Bürgermeisterin Ira Sattler kam es zu einem Treffen der Gemeinderäte der betroffenen Gemeinden mit den Vertretern des Bereichsausschusses, des Landratsamtes, der betroffenen Ärzte, deren Sprecher und einem Vertreter der Kostenträger im Rettungsdienstbereich Waldshut. Zum Ergebnis dieser Sitzung haben wir Ira Sattler befragt. (siehe rechte Spalte)

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