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Hohentengen am Hochrhein Kurbeln für den guten Zweck

Siggi Kany ist mit seiner Drehorgel unterwegs. Was er erspielt, geht an die Nachsorgeklinik in Tannheim

Es war einst das Instrument der Straßenmusiker und Gaukler, heute ist sie eher etwas für Liebhaber: die Drehorgel. Einer, der gerne als „Leierkastenmann“ unterwegs ist, ist Siggi Kany aus Hohentengen. Was ihm dabei ins Kässle geworfen wird, geht an die Nachsorgeklinik in Tannheim. „Mir hat das Drehorgelspielen immer gut gefallen, ich hatte nur nicht die Zeit Orgel zu spielen“, sagt der fast 75-jährige Ruheständler, der aus dem Saarland stammt.

Als er seine Firma TSH-Tuning in Hohentengen aufgab, hat sich der Tüftler von seiner Frau zum 70. Geburtstag eine Drehorgel gewünscht – und bekommen. Zusammen waren sie in Waldkirch, der Welt-Orgelstadt im Schwarzwald, und haben dort beim alle drei Jahre stattfindenden internationalen Orgelfest die Orgelbaubetriebe und etliche Orgeln begutachtet und angehört.

Bei Jäger und Brommer war gerade eine große Kirchenorgel im Bau, diese im Kleinformat, das sollte es sein. So kam Siggi Kany zu seiner ersten, kleinen Drehorgel. Da diese vom Klangvolumen her eher etwas für Innenräume ist, hat er sich noch eine zweite, größere Orgel zugelegt. Beim Drehorgelbauer Raffin in Überlingen wurde er fündig. Die große Orgel hat sechs Register und vermittelt dem Zuhörer den Eindruck, dass hier ein ganzes Orchester spielt. Was muss man mitbringen, um Drehorgel spielen zu können? „Ein gutes Gefühl für die Musik. Der Takt ist das Entscheidende, man muss im richtigen Tempo drehen“, sagt Siggi Kany, der sich seit Jahrzehnten dem Chorgesang widmet. Spielen kann man auf der Drehorgel alles, von der Operette über Volkslieder bis zu Schlager, Jazz, modernen Stücken und Seemannsliedern. Für jedes Musikstück wird eine spezielle Musikrolle angefertigt. Die aufgewickelten Lochbänder haben unterschiedliche Längen, je nachdem, wie viele Stücke eingestanzt wurden.

Für sich selber hat Siggi Kany die Deutsche Messe von Franz Schubert anfertigen lassen. Um die 70 verschiedenen Rollen, Kostenpunkt zwischen 60 und über 300 Euro, gehören zu seinem „Repertoire“. Zur Entspannung und Freude spielt er fast jeden Tag im Keller auf seiner Drehorgel. „Das mache ich lieber, als mich beim Fernsehen zu langweilen.“

Wenn es die Gesundheit zulässt, ist er bei fünf bis acht Orgelspielertreffen im Jahr dabei, begleitet von seiner Frau Ingrid, unter anderem in Zurzach, Laufenburg, Luzern, Basel und Rust, und freut sich, hier Gleichgesinnte zu treffen. Gern kommt er auch zu privaten Anlässen oder bei Seniorenfeiern mit seiner schmucken Drehorgel. „Wenn ein bekanntes Lied erklingt wird vom älteren Publikum gerne mitgesungen und es kommt Leben in den Saal. Das macht Freude! Die Jugend ist allerdings nicht zu begeistern, die Kinder schon“, so seine Erfahrung. Geld nimmt er für seine Musikvorstellung nicht, Spenden gehen an die Nachsorgeklinik nach Tannheim. So wie die Münzen, die am Weihnachtsmarkt ins Kässle kamen. 300 Euro werden jetzt überwiesen.


Zur Person

Siegfried Kany (74) stammt aus dem Saarland und ist Meister des KFZ-Handwerks. 1971 zog die Familie an den Hochrhein. Der Tüftler widmete sich vor allem der Dieseltechnik, gründete 1985 seinen eigenen Betrieb in Hohentengen und meldete 1994 das erste Patent für Rußpartikelfilter an. 2007 ging er in den Ruhestand. Er ist Vorsitzender des Männergesangvereins Frohsinn.

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