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Hohentengen a.H. Feierliches Geleit zu drei Jahren Walz

Blockhausbau in Kanada Ziel von Mathias Weigand. Mitglied des Schachtes Rechtschaffender Freunde

Mit dem Spinnermarsch zogen die Mitglieder des Schachtes Rechtschaffender Freunde, durch Dorf zur Verabschiedung am westlichen Ortseingang. Zweiter von links Mathias Weigand, der dritte sein Begleiter in den ersten Wochen.
Mit dem Spinnermarsch zogen die Mitglieder des Schachtes Rechtschaffender Freunde, durch Dorf zur Verabschiedung am westlichen Ortseingang. Zweiter von links Mathias Weigand, der dritte sein Begleiter in den ersten Wochen. | Bild: Bild: Scheuble

Hohentengen-Lienheim - Nach seinem Lehrabschluss als Zimmermann vor zwei Jahren lockte Mathias Weigand eine neue Herausforderung. Er hatte sich entschlossen, auf die Wanderschaft zu gehen. Über ein Jahr bereitete er sich auf dieses Erlebnis vor, um auch die vielen Gepflogenheiten von Wanderburschen kennen zu lernen. Vor über einem halben Jahr schloss er sich dann dem Schacht „Rechtschaffender Freunde“ an, eine der vielen Gruppen der Zimmermannszunft. Dieser Schacht ist der älteste, die den Niedergang der Zünfte überlebt hat. Deshalb hat dieser Schacht auch heute noch viele Herbergen in Deutschland, in der Schweiz, in Frankreich, Skandinavien, Afrika, USA, Kanada und Australien. Der Schacht pflegt die alten Riten und Gebräuche. Schließlich hat jeder Wandergeselle ein Wanderbuch. Dieses Wanderbuch dokumentiert alle Arbeitsstellen des Gesellen, die er während seiner Wanderjahre gehabt hat. Auch notiert er darin seine Reisetage. Falls er Unterstützungsgelder erhalten hat, so wird auch dieses hier vermerkt.

Ein weiteres wichtiges Utensil ist der Stenz. Hierbei handelt es sich um einen Wanderstab, der eine sehr eigentümliche Form hat. Der Stenz ist nämlich ein Stock, um den spiralförmig Schlingpflanzen (z.B. Hopfen) eingewachsen waren. Diese werden vom Stock entfernt, das Ergebnis ist eine Art gewundener Wanderstab. Mit dabei im Bündel verpackt ist die Arbeitskluft, auf der Wanderung wird die Wanderkluft getragen. Handys sind auf der Walz verboten. Von den Wanderburschen wird ein geziemtes Auftreten erwartet. Die Wanderzeit für die Gesellen beträgt drei Jahre und einen Tag. Bei Wanderantritt dürfen die Gesellen nicht älter als 30 Jahre sein.

Mit einem großen Fest wurde Mathias Weigand jetzt von seine Arbeitskollegen, Firmenchef, Familienangehörigen und vielen Zimmermannskollegen vor seinem Antritt der Wanderjahre verabschiedet. Hierzu zählte auch der Spinnermarsch, einem Gänsemarsch durch das ganze Dorf. Hieran dürfen sich nur Mitglieder des Schachtes beteiligen. Am westlichen Dorfausgang wurde er mit einem Ritual verabschiedet. Viele Rituale gibt es um die Wandergesellen. Zurzeit sind etwa 300 Wandergesellen in ganz Deutschland unterwegs. Um seinen Heimatort gilt ein Bannkreis von 50 Kilometer, in dem er sich bis zu seiner Rückkehr nicht aufhalten darf. Die ersten zwei bis drei Wochen wird Mathias Weigand von einem erfahrenen Wanderkollegen begleitet, und ihn so auf das Leben als Wandergeselle anzuleiten. Ein Jahr muss er sich im deutschsprachigen Raum aufhalten, danach kann er ins Ausland gehen. Sein Ziel ist Kanada. Hier will er sich mit den Techniker des Blockhausbaues auseinandersetzen.

Schon während seiner Lehrzeit bei der Firma Boller-Berger in Lienheim war Mathias Weigand immer ehrgeizig und zielstrebig. So war es auch nicht verwunderlich, dass er bei der Gesellenprüfung als Innungssieger hervor ging. Übrigens der zweite Lehrling in Folge, der die Lehre bei Boller-Bergers absolvierte. Vor der Zimmermannslehre hatte er bereits den Beruf des Bankkaufmannes erlernt.

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