Höchenschwand Projekt Wolfswege soll Bevölkerung aufklären

Mit den "Wolfswegen" sind zwischen Waldshut und Höchenschwand drei Wolfs-Projekte ins Leben gerufen worden, die informieren, aufklären und den Dialog zum Thema Wolf fördern sollen. Mitte Juli sollen der Wolfssteig, der Wolfspfad und die Wolfshütte durch Staatssekretärin und Mitglied des Landtags Friedlinde Gurr-Hirsch eröffnet werden.

Höchenschwand – Der Wolf kommt zurück nach Deutschland. Vielen Menschen macht das Angst. Viele andere freuen sich darüber. Kaum ein anderes Tier wird so kontrovers diskutiert. Tatsache ist: Der Landkreis Waldshut ist "Wolferwartungsland", wie Landrat Martin Kistler es kürzlich in einer Rede ausgedrückt hatte. Das Projekt "Wolfswege" soll informieren, mit Vorurteilen aufräumen und den Dialog zum Thema Wolf fördern.

Bereits im 15. Jahrhundert galt der Wolf als Plage und wurde systematisch verfolgt. Bis heute sind "Wolfsgruben" im Schwarzwald erhalten, gemauerte Fallgruben, mit denen Wölfe getötet wurden. Seit 1750 galt der Vorfahre dessen, was wir heute in der Regel als des Menschen besten Freund bezeichnen, in Deutschland als ausgestorben. Erst im Jahr 2000 wurde die Geburt eines Welpen auf deutschem Gebiet nachgewiesen. Im August 2016 wurden 69 Rudel, vornehmlich in Ostdeutschland, nachgewiesen. Auch in der Schweiz ist die in vielen Ländern maximal geschützte Spezies wieder heimisch. Da der Rhein für den Wolf kein Hindernis darstellt, scheint es nur einer Frage der Zeit zu sein, wann er auch unsere Heimat wieder zu der seinen macht.

Dass dies seitens der Bevölkerung und der Landnutzer mit gemischten Gefühlen zur Kenntnis genommen wird, ist angesichts der Vorurteile gegenüber dem Wolf nachvollziehbar. Mittlerweile gilt jedoch als erwiesen, dass die meisten dieser Vorurteile falsch sind. Besonders sein Ruf als aggressiver Menschenfresser werde ihm laut Studien nicht im Geringsten gerecht.

Mit den "Wolfswegen" sind zwischen Waldshut und Höchenschwand drei Wolfs-Projekte ins Leben gerufen worden, die informieren, aufklären und den Dialog zum Thema Wolf fördern sollen. Mitte Juli sollen der Wolfssteig, der Wolfspfad und die Wolfshütte durch Staatssekretärin und Mitglied des Landtags Friedlinde Gurr-Hirsch eröffnet werden. Der Wolfssteig ist als themenbezogener Qualitätswanderweg dem Thema "Wandern mit dem Wolf" gewidmet. Beginnend am Waldshuter Wildgehege kann sich der Wanderer an insgesamt neun Stationen über den Lebensraum des Wolfs, seine (Un-)Gefährlichkeit, aber auch die ihn umgebende Mythologie, sein Leben, seine Ausrottung und seine Rückkehr informieren.

Der Wolfspfad richtet sich als Erlebnispfad für Familien und Kinder mit vier Kilometern Länge an ein jüngeres Publikum. Interaktiv gestaltet können hier nicht nur Kinder erforschen, wie man wie ein Wolf schleicht, wie man dessen Fährte erkennt, oder was es mit dem Heulen der Wölfe auf sich hat. Die Konzeption hierzu basierte auf der Bachelorarbeit der Todtmooserin Nina Faschian.

Die staatliche Wolfshütte verbindet beide Wege in der Nähe von Strittberg. Die alte Waldarbeiterhütte wird derzeit vom Landesbetrieb ForstBW mit Unterstützung von Sponsoren zu einem Ort der Begegnung und Information für verschiedene Interessensgruppen ausgebaut. Später soll sie für Führungen zugänglich sein. Auch gesamttouristisch ist die Thematik für die Region interessant. Während der Konzeption hat sich ergeben, dass bis zu 1,1 Millionen Menschen die Wolfswege mit einer nur einstündigen Anreise erreichen können.

Die Projekte entstehen in Zusammenarbeit der Gemeinden Höchenschwand, Weilheim und Waldshut-Tiengen und mit Unterstützung durch den Landkreis Waldshut und den Naturpark Südschwarzwald. In die Konzeptionserstellung waren auch die Landnutzer und Umweltverbände eingebunden. Dem vorausgegangen war der bereits 2012 durch das Land Baden-Württemberg verabschiedeter Handlungsleitfaden "die Rückkehr des Wolfs nach Baden-Württemberg", der die Bevölkerung und die Landnutzer auf eine mögliche Rückkehr des maximal geschützten Tiers einstellen und vorbereiten soll.

Besonders letztere sehen darin eine Gefahr für ihre Nutztiere. Immerhin gibt es im Landkreis 215 haupt- und nebenberufliche Schaf- und Ziegenhalter sowie einige Hobbyhalter mit insgesamt rund 6800 Tieren. Darüber hinaus gibt es 29 Wildgehege mit rund 900 Tieren. Die Angst vor Rissen ist nicht unbegründet.

In Ost-Deutschland, wo bereits zahlreiche Rudel wieder heimisch sind, wurden bereits Schafe und Ziegen gerissen. "Wir wollen objektiv und realistisch über das Thema Wolf aufklären", sagt Helge von Gilsa, leitender Forstdirektor im Kreisforstamt und Initiator der Wolfswege. Weder solle aktiv versucht werden, den Wolf "anzusiedeln", noch ihn fernzuhalten. Tatsächlich sei unklar, wann und wo der Wolf im Landkreis heimisch werde. Die auf Autobahnen bei Lahr und Merklingen überfahrenen Wölfe seien ein Indiz dafür, dass aus dem schweizerischen Calanda-Massiv stammende Wölfe den Landkreis unbemerkt durchquert hatten.

Aber auch wenn eine Population in unserer Nähe heimisch werden würde, bestehe laut dem WWF-Wolf-Report "Lernen, mit dem Wolf zu leben" von 2015 kein Grund zur Beunruhigung. Begegnungen mit Wölfen seien in ganz Europa sehr selten und die Tiere äußerst scheu.

Dennoch solle man auf den gesunden Menschenverstand vertrauen und – ebenso wie im Fall von viel häufiger vorkommenden, heimischen Wildschweinen – die Tiere weder anfüttern noch ihnen nachlaufen. Das Interesse an seiner Geschichte und seiner Natur ist allerdings jedem zu empfehlen.

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