Mein

Höchenschwand Pater Jeran SJ spricht bei der Vortragsreihe im Gemeidezentrum "Erzbischof Oskar Saier" über die Bibel

Pater Jeran SJ referiert über Sichtweisen zur Erbsünde. Es wurde ein historischer Abriss über den Wandel im Verständnis dieses Themas.

Gut besucht war ein vom Gemeindeteam Höchenschwand angebotener Bibelabend im katholischen Gemeindezentrum "Erzbischof Oskar Saier". Referent war Pater Jeran SJ aus Dresden, der sich mit den verschiedenen theologischen Sichtweisen des Themas Erbsünde auseinandersetzte.

"Was gehen uns Adam und Eva an und was haben wir mit deren Erbsünde zu tun?", fragte Pater Jeran zu Beginn seiner Ausführungen. Bei der "Erbsünde" müsse man verstehen, dass wir alle einen Tropfen des Giftes von jener Denkweise in uns tragen, wie sie in den Bildern im Buch Genesis veranschaulicht werden. Das Alte Testament enthalte keine Sachberichte, genauso wenig, wie es die Schöpfungsgeschichte sei. Vielmehr handelt es sich um eine beschreibende Theologie, wie in den vielen Märchen.

Spätere Generationen haben laut Pater Jeran SJ nicht mehr verstanden, wie das "Alte Testament" den Menschen bestimmte Dinge nahebringen wollte. Viele Jahre habe der heilige Augustinus die theologische Sichtweise bestimmt und die Katechismen gefüllt. Augustinus beurteilte die soziologischen Zusammenhänge und damit auch die Erbsünde nach dem römischen Recht, erklärte der Pater. Wird ein Familienoberhaupt schuldig, so sind demnach alle Familienmitglieder schuldig. Adam als Stammvater hatte gesündigt und alle seine Nachfahren erbten danach die Sünde. Diese Denkweise habe jahrhundertelang nachgewirkt.

Interessierte Zuhörer beim Bibelabend im Gemeindezentrum "Erzbischof Oskar Saier". Bild: Stefan Pichler
Interessierte Zuhörer beim Bibelabend im Gemeindezentrum "Erzbischof Oskar Saier". Bild: Stefan Pichler

"Freilich hätte man schon durch das Zitat des Propheten Jeremia ,So spricht Gott der Herr, jeder stirbt für seine eigene Schuld' wissen können, dass das so nicht gemeint sei", sagte Pater Jeran bei seinem Vortrag. Aber erst im 19. Jahrhundert hätten sich Theologen weiter in die Heilige Schrift eingearbeitet, wodurch sich viel am biblischen Verständnis geändert habe. "Sie alle haben noch den Grundschulkatechismus aus dem Jahr 1920 kennengelernt", sagte der Referent. Gelernt habe man, dass es den Sündenfall, die Sündenschuld und die Sündenstrafe gibt. Der neue Jugendkatechismus mit Gedanken zur Bibel von Papst Benedikt XVI. stamme aus dem Jahr 2011 sei ein großer Wurf. Danach bedeutet die Erbsünde, dass es die Ursprungssünde mit all ihren Folgen gibt.

"Geerbt aber haben wir nur die Folgen der Sünde und die Schuld. Sie ist unsere Last, aber sie ist keine persönliche Sünde", sagte Pater Jeran SJ. Dadurch seien aber globale, sündhafte Verhältnisse entstanden. Er hoffe, dass er die Anwesenden mit diesem schwierigen theologischem Thema nicht überfordert habe, sagte Pater Jeran zum Abschluss seines Vortrags.

"Hilfreich für das Glaubensverständnis"

Pater JeranSJ gehört den Jesuiten an. Er studierte Philosophie in München, Theologie in Frankfurt und Pädagogik in Köln. Er arbeitete von Anfang der 1970er bis in die 1980er Jahre am Kolleg in St. Blasien, wo er auch eine psycho-therapeutische Ausbildung absolvierte. Er ist als Referent für Theologie, Spiritualität und Ethik deutschlandweit unterwegs. Darüber hinaus betreut er mit einem Pfarrer eine Pfarrei in Dresden.

Pater Jeran, welchen Sinn haben Bibelabende noch in der heutigen Zeit?

Ich sehe es als notwendig an, dass wir uns als Christen auch in der heutigen Zeit, je nach unserer jeweiligen Lebenssituation und persönlichen Lebensphase, immer wieder neu mit den wesentlichen Dingen unseres Glaubens beschäftigen, damit wir die Bibel aus der Situation heraus besser verstehen. Ich möchte auch auf unsere halbjährigen Glaubenskurse für Leute hinweisen, die Interesse am Christentum haben oder dem Christentum näher kommen wollen. Diese Alphakurse wurden mittlerweile zu einer Bewegung, die sich als sehr hilfreich im Verständnis des christlichen Glaubens erwiesen hat.

Welche persönlichen Erfahrungen haben Sie in der Vergangenheit bei den Bibelabenden gemacht?

Ich habe festgestellt, dass es eine Menge Leute gibt, die der Besuch dieser Veranstaltungen viel gebracht hat. Beispielhaft möchte ich auch die Veranstaltungsreihe Bild und Bibel im Germanischen Nationalmuseum in Nürnberg nennen. Dabei werden bestimmte Bilder oder Plastiken mit religiöser Thematik theologisch über die Bibel erklärt. Viele Besucher sagten in diesem Zusammenhang immer wieder, dass sie das so nicht gewusst haben.

Pater Jeran SJ aus Dresden. Bild: Stefan Pichler
Pater Jeran SJ aus Dresden. Bild: Stefan Pichler

Ihre Meinung ist uns wichtig
Hervorragende Weine vom Bodensee
Korrekturhinweis
Neu aus diesem Ressort
Höchenschwand
Höchenschwand
Höchenschwand
Höchenschwand
Höchenschwand
Höchenschwand
Die besten Themen
Kommentare (0)
    Jetzt kommentieren