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Höchenschwand Bärige Zeiten für ausgediente Tastaturen

27.10.2012
Höchenschwand -  Ein Eisbär aus mehr als 12 000 Teilchen. Norbert Frank formt aus Computertasten ein friedliches Raubtier

Der, von Norbert Frank geschaffene, Bär neben dem Garageneingang.  Bild: col

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Auf die tanzenden, raschelnden Blätter an seinen Tatzen reagiert es gelassen. Neugierig hält das Tier die Nase ins Sonnenlicht: Es scheint so, als ob der stolze Eisbär, König der Arktis, sein Gebiet von der nördlichen Erdhalbkugel an den Südhang des Höchenschwanderbergs verlegt hat – den Blick frei auf die Alpenkette. Sein Alabasterkörper trotzt dem Klimawandel. Wärme findet bei ihm keine Beachtung, Regentropfen perlen an ihm ab, wechselnde Temperaturen lassen ihn kalt. Norbert Frank, der Erbauer und Vater der über zwei Meter hohen Gestalt, die beharrlich auf dem mit Verbund-steinen gepflasterten Hof der Familie steht, setzt seine Tradition fort. Ein von ihm angefertigter lebensgroßer Engel, der sich mittlerweile in Utzenfeld im Wiesental – Franks alter Heimat – aufhält, verbrachte vor mehr als einem Jahr hier in Heppenschwand auf dem Platz neben der Garage seine Zeit.

Doch nun hat der starre Körperbau die Form eines Bären: Hoch aufgerichtet dehnt sich der Gigant in den bewölkten Himmel, vor seinen mächtigen und kraftvollen Pranken ist jede Beute sicher. Seine Hülle besteht aus den kleinen Computertasten 120 ausgepelzter Tastaturen – mehr als 12 000 Tasten kamen so zusammen.

Während eines Aufenthalts in Fürth und beim Schlendern durch die Einkaufspassage entdeckte Norbert Frank ein aus dem gleichen Material angefertigtes Gebilde, allerdings hatte dieses die Gestalt eines Pferds. In den Gedanken des handwerklich geschickten Fliesenlegers reifte nach einigen Überlegungen der Plan heran, die – nach dem gleichen Prinzip gebaute – Struktur eines Bären zu schaffen. Der kleine Raum im Keller verwandelte sich wieder, dieses Mal für 150 Stunden, zu einer Werkbank. „Wän samschtigs ums Hus ume nüt z'mache isch, mue ma suscht öbis z'due ha“, weiß der fingerfertige 47-jährige Schwarzwälder.

Wohl durchdacht – zur Anschauung stand ein Foto bereit – spachtelte, formte und klebte er. Das Grundgerüst aus Styropor und Gewebe überspachtelte er mit Fliesenkleber und brachte es so ins gewünschte Format. Nun veredeln die mit Silikon angeklebten Computertasten, von den im Umfeld des Bekanntenkreises zusammengesuchten, ausgedienten Tastaturen, das Fundament.

Dem nahen, einbrechenden Winter kann der bewegungslose Koloss achtlos entgegensehen, denn er muss sich um keinen Vorrat sorgen, sein Fell aus Tasten ist wetterfest und das Silikon darunter wasserabweisend.

Die Winterruhe und vielleicht noch die folgenden Tage verbringt das harmlose Raubtier in der hochgelegenen Gemeinde sicher als Lieblingstier für vorbeigehende Kinder und Erwachsene. Dort wird der Tastenbär wohl so lange stehen, bis der einfallsreiche Heppenschwander Norbert Frank seine neuen, heranreifenden Überlegungen umgesetzt hat.

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