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Hütten Der Traum vom Fliegen hat eine bewegte Geschichte

Wir geben einen Rückblick in die bewegte Geschichte der Fliegerei. Auch historische Fluggeräte sind in Hütten beim Drachenfest zu sehen.

Der Traum vom Fliegen ist wohl so alt wie die Menschheit. Ob Drachen, Heißluftballon oder Segelflugzeug – beim Drachenfest in Hütten am 10. und 11. September können alle Flugkonstruktionen vor Ort bestaunt werden. Der SÜDKURIER als Medienpartner widmet der Veranstaltung einen Einblick in die Geschichte der Fliegerei.

  • Drachen: Drachen gehören zu den ältesten Flugkonstruktionen und wurden erstmals im fünften Jahrhundert vor Christus in China erwähnt. Die Konstruktion bestand aus teurer Seide und Bambus, weshalb sie kaum verbreitet war. Erst als das Papier erfunden wurde (zweites Jahrhundert vor Christus), gelangten klassische Fesseldrachen über buddhistische Mönche in andere asiatische Länder. In der Qing-Dynastie (1644 bis 1911) galt ein Centipede als Glückssymbol und durfte nur vom Kaiser geflogen werden. Der Drache wurde so hoch wie möglich geflogen, um dann die Leine zu kappen. Mit ihm, so glaubten die Chinesen, flogen auch alle Sorgen und Gefahren davon. Erst im 16. Jahrhundert erreichten Drachen mit holländischen, portugiesischen und englischen Kaufleuten den Westen.

Erste bemannte Drachen fanden bereits vor 2500 Jahren beim Militär in Japan Anwendung. 1903 erfand der Amerikaner Samuel Franklin Cody mit seinem man-lifting-system (Cody‘s Mankite) einen manntragenden Drachen, mit dem Späher feindliche Schlachtfelder auskundschaften konnten. Zuvor wurden für diese Zwecke Ballons eingesetzt, die aber bei höheren Windgeschwindigkeiten nicht mehr kontrolliert eingesetzt werden konnten. Historische Drachen aus Bambus und Seide, Centipeden und Riesendrachen werden beim großen Drachenfest in Hütten zu sehen sein.

  • Heißluftballons: Nach den Fesseldrachen ist der Heißluftballon das älteste Luftfahrzeug. Das Prinzip der aufsteigenden heißen Luft war schon vor 2000 Jahren in China bekannt, wo die Kong-Ming-Laterne entstand. Im Westen gehörte zu den ersten Heißluftfahrt-Pionieren Bartolomeu de Gusmao (1685-1724), ein Jesuitenpater, Naturwissenschaftler und Erfinder der Passarola, einem Schiffartigen Gebilde mit Ballondach. Seine Gebilde wurden lange als Spielerei abgetan.

80 Jahre später wagten die Brüder Montgolfier den Schritt vom Modell zum nutzbaren Heißluftballon, weshalb sie als seine Erfinder gelten. Bei ersten Versuchen hatte das Modell eine Würfelform, die bald gegen eine Kugel ausgetauscht wurde. Bei einer der ersten Fahrten in Versailles 1783 waren ein Hahn, eine Ente und ein Hammel an Bord. Den ersten Ballonstart in Deutschland führte ein halbes Jahr später Ulrich Schiegg 1784 durch. Heute gibt es neben dem klassischen Heißluftballon den Gasballon, den Solarballon und Heißluft-Schiffe mit Antrieb. Zum Drachenfest in Hütten reist Ballonbauer Richard Bölling aus Brigachtal mit Modellballons und einem großen Heißluftballon an. 2015 erhielt er einen Eintrag im Guiness Buch der Rekorde: Bölling gelang es, dass 55 Modellballons gleichzeitig aufstiegen.

  • Segelflug in Hütten: Rund 100 Jahre nach den Heißluftballons begann mit Otto Lilienthal, einem deutschen Ingenieur aus Anklam (1848 bis 1896), der Traum vom Segelfliegen. Als erster legte Lilienthal 1891 mit seinem Gleitflieger 15 Meter zurück, worauf die weitere Fliegerei aufbauen konnte. Nach dem Zweiten Weltkrieg herrschte durch den Versailler Vertrag bis 1951 Flugverbot. Am Hochrhein beflügelte dies jedoch die motorlosen Segelflugversuche.

Im Oktober 1950 schlossen sich die Segelflugvereine von Lörrach, Schopfheim, Maulburg, Bad Säckingen, Wehr und Grenzach zu einer Luftsportgemeinschaft zusammen. Die Segelflugzeuge wurden damals in Eigenbau aus Holz gebastelt. Zu dieser Zeit entdeckte Gründungsmitglied und erster Vorsitzender Erwin Sahner die optimalen Feldflächen entlang der Berghänge in Hütten. Dank der Vermittlungen von Bürgermeister Fridolin Thoma konnten die Segelflieger beim Bürgerentscheid von 1952 mit knapper Mehrheit in Hütten sesshaft werden. Jedoch musste die LGH die zwölf Hektar Land von den Bauern erwerben. Die Summe wurde vom Land bezuschusst, schließlich diente das Projekt auch dem Vorantreiben der Flurbereinigung. In den folgenden 60 Jahren etablierte sich der Segelflugplatz in Hütten zu einer regionalen Attraktion. Heute verleihen Anlässe wie das große Drachenfest, der Flugtag oder der Hotzenwaldbettbewerb der LGH steten Aufwind.
 

Der Termin

Das Drachenfest findet am Wochenende, 10. und 11. September, auf dem Segelflugplatz in Hütten statt. Kommentiertes Programm mit Drachen-Flugshow: Samstag, 14 bis 17 Uhr (Bewirtung ab 11 Uhr), und Sonntag, 10 bis 16 Uhr. Das Nachtfliegen mit angestrahlten Drachen, leuchtenden Modellballons und Feuerwerk findet am Samstag ab 20 Uhr statt. Eintritt frei, Parkgebühr: 1 Euro.

Informationen auf: www.drachenfest-huetten.de

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