Grenzach-Wyhlen Heimatgeschichte: Ein neues Museum anderswo

Kurt Paulus plant Einrichtung für Heimatgeschichte .Mehr als 20 000 Fotos schon im Fundus

Das Zeitzeugenprojekt von Kurt Paulus und der Verein für Heimatgeschichte erhielten im Dezember eine Anerkennung am Tag des Ehrenamtes durch Landrätin Marion Damann. Kurt Paulus, der mit seinem Projekt ein öffentlich zugängliches Erinnerungsarchiv erstellt, hat mittlerweile mehr als 20 000 historische Fotos gesammelt und zahlreiche Interviews mit Zeitzeugen geführt. Ein Schatz, der zusammen mit anderen Erinnerungen auch in einem Museum dargestellt werden könnte.

Eigentlich war geplant, an dieser Stelle historische Fotografien von Weihnachten in Grenzach und Wyhlen zu zeigen und zu besprechen. Doch relativ schnell wird im Gespräch mit Kurt Paulus klar, dass ausgerechnet Weihnachten eine Lücke in seinem Archiv darstellt. Einzig ein paar Fotos von weihnachtlich geschmückten Fenstern aus dem Jahr 1989 waren zu finden. „Bisher habe ich danach schlichtweg noch nicht gefragt“, erklärt Paulus. Dabei ist er sich sicher, dass gerade von den Festtagen viele alte Fotos existieren. Vielleicht hat der ein oder andere Lust, über die Feiertage oder zwischen den Jahren in den Fotoalben zu stöbern und findet alte Zeugnisse der Festtage.

Mehr als 20 000 Fotos aus Grenzach und Wyhlen hat Kurt Paulus schon bekommen. Jedes einzelne Bild hat er eingescannt, in seine Datenbank gestellt, beschriftet und sehr viele ins Internet auf die Seite www.zeitzeugengw.de hochgeladen. Ansonsten führt er Gespräche mit Menschen, die Lust haben, ihre Erinnerungen zu teilen, erhält alte Dokumente, die ebenfalls eingescannt und bearbeitet werden und hat auch schon eine Vielzahl von Tagebüchern erhalten, vornehmlich aus der französischen Besatzungszeit. Die Originalfotos gehen nach der Bearbeitung natürlich zurück an die Besitzer. „Manchmal bringen Leute ganze Stapel von Fotoalben“, erzählt Paulus, der durch die vielen Materialien seine Datenbank strukturell an Grenzen stoßen sieht. Eine neue Ordnung und bessere Verschlagwortung würde die Suche nach Bildern vereinfachen können.

Es gibt immer Ideen, doch der 69-Jährige hat gar nicht so viel Zeit, die Änderungen alle anzugehen. Die Zeit spielt auch eine Rolle dabei, dass er die Internetseite noch mit Programmiersprache selbst gestaltet. „Es gibt andere Techniken für Internetseiten, die komfortabler zu bestücken sind“, weiß er, scheut aber die Zeit, die die Einarbeitung und der Umzug der gewaltigen Datenmengen benötigen würden. 2011 betreute Kurt Paulus nach seiner Pensionierung das Museé Sentimental. Kernpunkt waren Fotos von 1944, die digitalisiert auf einem Monitor gezeigt wurden und die Leute wie magisch anzogen. „Junge Leute, die in die Ausstellung kamen, brachten später ihre Großeltern mit, damit die sich die Bilder anschauen konnten. Die hatten dann viel zu erzählen“, erinnert Paulus sich.

Aus den Bildern wurde dann das Buch „Wyhlen 1944“. Und aus diesem ersten Album der Start des Zeitzeugenprojekts. „Es fehlte eine Klammer, die unsere Gegenwart mit dem zusammenhält, was einmal war“, sagt er über seine Motivation, Erinnerungen zu sammeln. Kurt Paulus ist immer daran interessiert, seine Sammlung auszubauen. Als in diesem Jahr die Musikreihe Klassikanderswo die Neue Mitte Grenzach bespielte, kam er mit Peter Weber auf die Idee, neben dem großen Kulturzelt ein kleines Zelt aufzubauen, dort die Geschichte des Areals darzustellen und neue Geschichten zu sammeln. Das „Museum Anderswo“ wurde ein riesiger Erfolg.

„Im nächsten Jahr im Juni wird es ein etwas besseres Museum Anderswo geben“, sagt er. Sein langfristiges Ziel ist es, dass Museum Anderswo fest zu implementieren. Es soll ein Gebäude mit Geschichte sein, wo Wechselausstellungen gezeigt werden können. „Heimatmuseen mit einem alten Pflug und einer Egge gibt es in der Region genug“, weiß Paulus. In seinem Museum Anderswo, das zusammen mit dem Verein Klassikanderswo geplant wird, sollen historische Themen herausgegriffen und aufbereitet werden. Aber auch Künstler könnten sich präsentieren. Wo das sein wird, verrät er noch nicht. Nur Veranstaltungen, bei denen es auch um Geld geht, würde er keine mehr machen. Bei der diesjährigen Ausstellung Café global gab es auch Konzerte mit Vorverkauf. Obwohl die Gemeinde eine Absicherung angeboten hatte, konnte Paulus kaum schlafen.

„Zwei Tage vor der Kaffeekantate im Haus der Begegnung waren erst vier Karten verkauft“, erinnert er sich. Zwar war letztlich alles gut aufgegangen, doch diese Aufregung brauche er nicht mehr. Er hat auch so Aufregung genug.

Viel mehr alte Fotos im Internet:www.zeitzeugengw.de

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