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Grenzach-Wyhlen Begehrte Hautkunst mit spitzer Nadel

18.04.2009
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Ja, es tut weh“, steht auf einem Plakat an der Wand des Tattoo-Ateliers von Lars Sprissler in Wyhlen, dem „L'ARtS de Piquer“. Der junge Mann, der sich gerade den Rücken verzieren lässt, zuckt, als die Nadel in die Haut fährt. Die erste Frage, wenn man erstmals ein Tattoo-Studio betritt, kann abgehakt werden.

Lars Sprissler gehört zu den Top-Tätowierern in Deutschland. Seine Kunden kommen aus dem ganzen Südwesten, von Offenburg über Basel bis Zürich, St. Gallen und Waldshut, aus Leipzig und Berlin. Aus Leipzig oder Berlin nach Wyhlen, um sich tätowieren zu lassen? „Das sind Kunden, die auf den Conventions bei mir waren, und immer wieder kommen“, erklärt der Hautkünstler. Diese Tattoo-Conventions waren ursprünglich Treffen der Tätowierer, um miteinander in Wettbewerb zu treten. Heute haben sie sich zu Messen entwickelt, an denen lange nicht jeder teilnehmen kann. „Die Zulassungskriterien sind anspruchsvoll“, erklärt Sprissler, der an allen Conventions in Deutschland und dem benachbarten Ausland teilnimmt. Alleine für die in Berlin gibt es eine Warteliste mit 500 Kandidaten.

Was veranlasst Menschen, sich zum Teil großflächig tätowieren zu lassen? Der junge Mann, der gerade „bearbeitet“ wird, zögert nicht: „Es ist ein Schmuck am Körper, ein Schmuck der dauerhaft und sehr persönlich ist.“ Sprissler greift in die Geschichtskiste: „Tätowieren ist bei den Menschen seit frühesten Zeiten üblich. Im Mittelalter waren sogar Mönche tätowiert. Erst als Columbus Indianer nach Europa brachte mit Körperschmuck, der als teuflisch galt, setzte eine Diskriminierung ein, die sich jetzt wieder auflöst.“ Tätowierung als ein Akt der Befreiung? „Warum nicht“, lacht der Hautstecher, „aber der individuelle Schmuck steht im Vordergrund.“

Sprissler arbeitet weiter an dem Rücken des jungen Mannes, sticht, wischt Blut und Farbe ab, sticht weiter. „Für ein so großes Motiv muss man schon 20 Stunden aufwenden“, meint er. Das geht nicht in einem Arbeitsgang, sondern wird auf mehrere Sitzungen verteilt. Die Kunden, die zu Sprissler kommen, gehören allen Alters-, Berufsgruppen und sozialen Schichten an. Von dem Vorurteil der Vergangenheit, dass es eher randständige Gruppen sind, die sich tätowieren lassen, muss man sich trennen. „Bei großen Motiven, zur Zeit wird oft nach dem klassischen japanischen Stil gefragt, bewegen wir uns bei den Kosten deutlich im vierstelligen Bereich“, erklärt er im Gespräch, „das sind Kunden, die in der Lage sind, solche Beträge auch zu investieren.“ Die Motive unterliegen einem gewissen Modetrend, bestätigt auch der Hautkünstler. Nach einer Welle der „Geweihe“ im Beckenbereich, nach „Tribals“ und chinesischen Zeichen liegen heute Sterne in der Gunst besonders der jüngeren Kundschaft vorn.

„Aber die anspruchsvollen Kunden bringen eigene Ideen oder Vorlagen mit, die wir dem individuellen Geschmack anpassen.“ Sprissler ist stolz, dass er, auch wenn Vorlagen verwendet werden, nie zweimal das gleiche Motiv sticht. „Das geht gegen meine Grundsätze“, erklärt er. Eine Tätowierung ist Schmuck fürs Leben; entfernen lässt sich das nachher nicht ohne Komplikationen. Ein Rat des Fachmanns an Interessenten? „Bevor jemand ein Auto kauft, schaut er es genau an und überlegt. Ein Tattoo, das ein Leben lang bleibt, sollte man nicht spontan entscheiden“, betont er.

Der Kunde sollte sich von der Qualität des Tätowierers überzeugen. Sicherheits- und Hygienestandards müssen eingehalten werden, dafür gibt es Zertifikate. Der Kunde sollte sich anhand von Beispielen der Arbeit ein Bild von der Ausführungsqualität machen. Und es muss Sympathie zwischen Kunde und Hautkünstler bestehen. „Wenn man sich nicht ausstehen kann, dann wird das nichts.“

Es gibt auch Kundenwünsche, die Sprissler nicht erfüllt. „Jugendliche, die Tattoos am Hals oder auf den Händen verlangen, schicke ich nach Hause“, erklärt er kategorisch. Er sieht die Gefahr, dass junge Leute sich nicht darüber im Klaren sind, welche Entscheidung sie fällen.hfa

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